Gondelsheim

Gondelsheim kruschtelt

Am Samstag war ganz Gondelsheim auf den Beinen. Wo man auch hinsah, emsige Menschen – ganz gleich ob Jäger oder Sammler. Auf dem kleinen Platz gegenüber dem Löwenthor feierte der „Gondelsheimer Bücherschrank“ seinen zweiten Geburtstag. Im März 2015 hatte der Bürgerverein eine alte Telefonzelle, die Corinna Vogel den ganzen Weg vom Michenburger Zellenfriedhof nach Gondelsheim gefahren hatte, zu einer Art Mini-Bücherei ausgebaut. Rund 1.400 Euro hatte die Gemeinde in das Projekt investiert, welches sich auch zwei Jahre nach dem Start ungebrochener Beliebtheit erfreut. Etwa 300 Bücher können hier nach dem Fair-Use-Prinzip entliehen werden. Wer alte Bücher hat kann diese spenden und für den Bücherschrank zur Verfügung stellen. Der befürchtete Vandalismus blieb übrigens aus – anders als in anderen Städten und Gemeinden gehen die Gondelsheimer mit ihrer Mini-Bücherei sehr pfleglich um und gönnten ihr nun am Samstag sogar eine Geburtstags-Fete. Für die richtige Musik bei strahlendem Sonnenschein sorgte die „Neue Gondelsheimer Jazz-Kapelle“, es gab Kaffee und Kuchen sowie einen üppig bestückten Bücherstand zum Tauschen und Borgen. Genau da griff die eingangs beschriebene Veranlagung der Sammler und Jäger, doch nicht nur hier. Auch in der Gondelsheimer Saalbachhalle kamen die Kruschtler voll auf ihre Kosten. Hier gab es: (um das wunderbare Lied der Augsburger Puppenkiste über Frau Maasens Laden auf Lummerland zu bemühen) Hustenbonbons, Alleskleber, Regenschirme, Leberkas, Körbe, Hüte, Lampen, Bürsten und noch dies, und dann noch das.

Bereits seit 29 Jahren wird der weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Markt mittlerweile auf die Beine gestellt. Die gute Seele dahinter ist Ortsrätin Petra Schalm, die auch dieses Mal unermüdlich im Einsatz war. Das eingenommene Geld kommt dabei stets einem örtlichen Sozialprojekt zu Gute. In diesem Frühjahr geht das Geld zu Gunsten des Schneckenhauses Gondelsheim. Die Gemeinde und Bürgermeister Markus Rupp freuen sich sehr über das Engagement und stellen für den Markt die Halle kostenfrei zur Verfügung. Zwei bis dreimal pro Jahr wird in Gondelsheim Gebrauchtes an den Mann oder die Frau gebracht – rund 60.000 Euro sind so über die Jahre an Geldern für wohltätige Zwecke zusammen gekommen. Gondelsheim hat eben ein großes Herz – auch für Kruschdler, Jäger und Sammler.

Mit Speckküchle, Glühwein und viel Zuversicht ins neue Jahr

Die Neujahrsbegegnung Gondelsheim 2017

Anzüge, klassische Musik, lange Reden und Lachshäppchen – so fallen dieser Tage die meisten Neujahrsempfänge im Land aus. Nicht aber in der Kraichgau-Gemeinde Gondelsheim. Hier hat man für den gemeinsamen Start in ein neues Jahr einen weniger staatstragenden Akt gewählt und feiert das Vergangene und das Kommende auf eigene Art und Weise. Bei der mittlerweile schon traditionellen Neujahrsbegegnung auf dem Rathausplatz, kommen die Gondelsheimer zusammen und tauschen bei Heißem und Deftigem ihre Gedanken aus.

„Weil wir anders sind“ gibt Bürgermeister Markus Rupp auf unsere Frage zurück, wieso man hier nicht auf den klassischen Neujahrsempfang setzt. Mit diesem „anders“ trifft das Gemeindeoberhaupt den Nagel auf den Kopf. In Gondelsheim funktioniert Poltik noch auf sehr direkte Weise und verzichtet wo es möglich ist auf starre Formen und Formalitäten. Hat man ein Problem, trifft man sich und findet auf Augenhöhe mit der Verwaltung dann auch oft eine schnelle und unbürokratische Lösung. Bei der Neujahrsbegegnung hat man die Herausforderungen des neuen Jahres, trotz gemütlicher Atmosphäre im Blick. Man weiß dass es den Gürtel 2017 etwas enger zu schnallen gilt, sind doch durch die Ausfälle im Gewerbegebiet rund eine Million Euro weniger Einnahmen im Gemeinde-Säckel.

Man weiß aber auch, dass man diese Probleme wieder in den Griff kriegen wird. Denn Gondelsheim hat in den letzten Jahren vieles richtig gemacht. Perfekt zwischen Bruchsal und Bretten gelegen, hat man hier längst verstanden dass man den vielen Wohnraum suchenden jungen Familien einen Ort zum Leben anbieten muss. Mit dem Schlossbuckel wurde 2016 Platz für über 400 Neubürger geschaffen und durch den Ausbau der Gemeinschaftsschule und neuer Kinderbetreuungsangebote auch im selben Atemzug das richtige Umfeld für eben jene. Diese Saat wird aufgehen und dort wo Jugend und Aufbruch herrschen, wird wirtschaftlicher Aufschwung unweigerlich folgen.

Drum gibt man sich zuversichtlich auf dem Rathausplatz, freut sich und feiert miteiander. Vor dem Bauhof lodern duftende Schwedenfackeln und im Inneren duften die Gondelsheimer Speckküchle. Diese Spezialität hat das Gondelsheimer Urgestein Hertha Walz vor neun Jahren zum Jubiläum der Landfrauen kreiert. Damals wurde die Neujahrsbegegnung geboren und mit den Speckküchlen auch gleich das passende Traditionsgericht. Und so feiert man in Gondelsheim gemeinsam ins neue Jahr. Welche Fragen es mit sich bringt, das weiß man hier jetzt noch nicht in Gänze. Wohl aber, dass man die passenden und richtigen Antworten darauf schon finden wird.