Schorsch, der Schwanenreiter

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Lange Zeit stand der alte Schwanen im Herzen von Unteröwisheim leer, jetzt will der Bad Schönborner Gastronom Georg Baumann den weißen Vogel wieder aufpäppeln.

von Stephan Gilliar

Eigentlich hat das Gasthaus Schwanen in Unteröwisheim alles, was es braucht, um richtig durchzustarten: einen herrlich urigen Gastraum, einen schattigen Biergarten, eine tolle Lage im Zentrum eines nicht allzu kleinen Dorfes und dazu eine lange und facettenreiche Geschichte auf dem alten Buckel. Dennoch steht der Schwanen nach mehreren gastronomischen Anläufen in den Jahren zuvor nun schon lange Monate leer. Zuletzt haben wir im Sommer 2023 über das uralte Juwel am Friedrichsplatz in Unteröwisheim berichtet. Damals hatte dessen neuer Besitzer, der Immobilienmakler Bernd Müller aus Bretten, begonnen, einen neuen Pächter zu suchen. Zuvor hatten er und seine Partnerin, nach mehreren unvorhergesehenen Änderungen im Gastroteam, selbst fast an jedem Abend der Woche im Wirtshausbetrieb ausgeholfen – eine Doppelbelastung, die auf Dauer aber nicht darstellbar gewesen wäre. Dass es eineinhalb Jahre dauern sollte, bis ein solcher neuer Pächter gefunden werden konnte, damit hatte Bernd Müller jedoch nicht gerechnet. „Wir hatten über 50 Anfragen, die meisten davon konnten noch nicht einmal ein Konzept einreichen“, erzählt er uns. Darunter waren viele der üblichen Verdächtigen – Shisha-Bars, Imbisse und sogar Casinos. Das alles kam für Bernd Müller nicht infrage, dennoch war die Suche nach Mrs. oder Mr. Right nervenaufreibend. „Mir hat jedes Mal das Herz geblutet, wenn ich den leeren Schwanen gesehen habe.“

Diese Geschichte könnte nun ein Happy End haben – zumindest zeichnet sich ein solches derzeit ab. Mit Georg Baumann konnte endlich ein neuer Pächter für den Schwanen gewonnen werden, der bereits über langjährige und einschlägige Erfahrung in der Gastronomie verfügt. Zuletzt kochte er im Henry’s in Bad Schönborn, davor leitete er mehrere Jahre ein Restaurant in Dettenheim. Mögliche Objekte hat er sich in den letzten Monaten mehrere angesehen, doch der Schwanen hat es ihm dann richtig angetan. „Ich liebe den Laden. Am Anfang war es einfach eine Gelegenheit, aber jetzt bin ich total verliebt in das Ding“, erzählt er fröhlich.

Was Georg, den alle nur „Schorsch“ rufen, plant, ist eine Mischung aus traditioneller Besenwirtschaft und gemütlichem Wirtshaus. Eine ganz kleine Karte, die auch ohne riesiges Team und aufwendige Warenlogistik funktioniert, sich dabei aber auf das Wesentliche beschränkt. Darauf finden sich zum Beispiel Wildbratwürste, Fleischkäse, Maultaschen, ein halbes Hähnchen, Schälrippchen, ein Rostbraten, ein Kotelett, ein Hirschragout oder Sauerteigfladen. Preislich rangiert das ganze übrigens zwischen 8 und maximal 20 Euro, hier sollte für jeden Hunger und jeden Geldbeutel etwas dabei sein. „Auf dem Tisch sollen außerdem kleine Töpfchen mit Schmalz stehen, dazu gibt es von uns frisches Brot“, erzählt Schorsch und läuft dabei – mit Hummeln im Hintern – durch seine neue Gaststube. Die hat er übrigens bereits ganz nach seinem Geschmack angepasst – ein Geschmack, der perfekt zur wilden Urigkeit des alten Schwanen passt. Aus der Abdeckung einer alten Nähmaschine hat er einen Brotkorb gebastelt, das Gestell trägt nun die Platte für einen der vielen Tische in der niedrigen Stube. Auf der Fensterbank turteln zwei weiße Schwäne, überzogen mit einer herrlich alten, rostigen Patina. Der Name des Restaurants lautet übrigens vollständig und korrekt ausgesprochen „Weißer Schwanen“, so wie man es in Unteröwisheim kennt.

Schon in zwei Wochen soll das gerade aus einem wirklich langen Winterschlaf erwachende Federvieh wieder fliegen. Am 3. März will Schorsch eröffnen. Zu Beginn natürlich erst einmal die historische Gaststube im ersten Stock mit Blick über den Friedrichsplatz. Später, wenn die Tage endlich wieder wärmer werden, soll auch der urige Biergarten im Hinterhof mit einbezogen werden. Am Konzept arbeiten Schorsch und sein Verpächter Bernd derzeit noch.

Man darf hoffen, dass der alte Vogel dieses Mal richtig durchstartet und sich in der Luft halten kann. Der Friedrichsplatz und auch Kraichtal könnten eine weitere gut funktionierende gastronomische Perle jedenfalls gut gebrauchen. Schorsch ist jedenfalls guter Dinge, sicher, dass sein Konzept für den Neustart funktionieren wird, und gibt sich zwinkernd optimistisch bescheiden: „Wenn es einer hinkriegt, dann ich.“

6 Kommentare zu „Schorsch, der Schwanenreiter“

  1. Hört sich erstmal gut an, besser wie Döner, Pizza ;-) Faire Preise finde ich gut , dazu gehört auch die Getränkeliste. Wenn ein Gastronom meint 5€ für ein Flaschenbier zu verlangen, trink ich es daheim ;-) Ich schau mal rein und sehe es als Chance für die Wirtshaukultur ..

  2. Genau das ist auch meine Meinung. 5€ für ein Bier, ob offen oder Flasche muss nicht sein. Jeder weis was ein Kasten kostet. Oder eine Flasche Wasser für 6 oder 7€ geht gar nicht.

  3. Ich frage mich wirklich was mit den Leute die hier Preise vorgeben nicht stimmt!! Geht’s euch noch gut?
    Habt ihr überhaupt eine Ahnung wie die Rechnung für den Gastronomen aussieht?

  4. ….. genau Schorsch.
    Wenn es einer hinkriegt dann du.
    Im „HENRIS“ hast du über Jahre bewiesen wie Restaurant gemacht wird.
    Viel Erfolg und die besten Wünsche von den Bensheimer Kollegen ….

  5. Wenn einer schafft, dem Schwanen wieder Leben einzuhauchen,
    dann der Schorsch.
    Ich sehe uns jetzt schon im Stammgast-Bereich. 👍

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