Könnte in Bruchsal so viel mehr gehen, wenn man nur wollt?
Der Bruchsaler Frühling zieht die Massen in die Innenstadt
von Stephan Gilliar
Tote Innenstädte, unattraktives Einkaufserlebnis, keine Aufenthaltsqualität? Wer sich am Sonntag in der Bruchsaler Innenstadt umgesehen hat, konnte vermutlich kaum glauben, dass diese Dreifaltigkeit der großen All-Time-Favorite-Diskussionen nach wie vor geführt wird. Doch leider können auch Specials wie der Bruchsaler Frühling oder sein Pendant im Herbst nicht davon ablenken, dass deutsche Innenstädte ein großes Problem haben. Abwanderung der Kundschaft in Richtung der Onlinehändler, monotone Ladenlandschaften und die damit einhergehende sinkende Attraktivität bleiben ungelöste Dauerbrenner.

Denn wer auch nur ab und zu an einem ganz normalen Werktag durch die Bruchsaler City spaziert, der weiß genau: Emsige Betriebsamkeit ist hier nicht gerade der Normalzustand. Das ist kein exklusives Bruchsaler Problem, sondern ein bundesweiter, stetiger Abwärtstrend, der gerade erst vor wenigen Tagen mit harten, ernüchternden Zahlen untermauert wurde. Das erste Mal seit der Wiedervereinigung 1990 ist die Zahl der Ladengeschäfte in Deutschland unter die Marke von 300.000 gesunken – mit entsprechenden Folgen. In manchen Städten stehen ganze Ladenzeilen leer, ziehen sich Kaufhäuser und Ketten zurück, veröden Innenstädte im großen Stil.
Soweit ist es in Bruchsal noch nicht, doch wer regelmäßig in der Stadt unterwegs ist, der sieht, wie viel Fluktuation selbst in den eigentlich gefragten guten Lagen herrscht. So manche Neueröffnung, am Anfang gehypt, endet in einer Bauchlandung. Schlangestehen an Tag eins, verrammelte Schaufenster nur einige Monate später.



Da tut es schon fast ein bisschen weh zu sehen, wie es in der Stadt auch aussehen könnte, wenn doch nur mehr Wille auf allen Seiten vorherrschen würde. Am Sonntag strömten Tausende von Menschen durch die Stadt, ein einziges Meer potenzieller Kundschaft in allen kleinen und großen Einkaufsstraßen Bruchsals. Was es dafür braucht? Offenbar gar nicht so wahnsinnig viel. Ein paar Aktionsstände, ein paar Fressbuden, ein paar Flohmarkttische, etwas Ausstellungsfläche hier und da – und fertig ist der Lack. Obwohl die Temperaturen nicht gerade im frühlingshaften Bereich lagen, reichte das unfassbar vielen Menschen als Grund aus, sich Seite an Seite durch die Stadt zu drücken. Es scheint also durchaus Möglichkeiten zu geben, die verlorene Kundschaft wieder für das Abenteuer Innenstadt begeistern zu können.




Klar, kurze Strohfeuer wie dieses lassen ein insgesamt offenbar unattraktives Angebot nicht über Nacht gesunden, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Umso seltsamer mutet es an, dass trotz des kollektiven Kraftakts, getragen vom Branchenbund und von vielen Händlerinnen und Händlern, nicht wenige Geschäfte offenbar kein Interesse an der gemeinsamen Aktion hatten. Dass manche Läden auch am Sonntag geschlossen blieben, verwundert dann doch.
Insgesamt zeigte dieser Sonntag aber klar auf: Mit etwas mehr Programm, etwas mehr Liebe und etwas mehr Willen ließe sich durchaus etwas bewegen in Bruchsal. Ein Glücksrad hier, ein paar Wühltische da, eine Wurstbude, ein Cocktailstand, ein bisschen Sonderverkaufsfläche und einfach etwas Deko und Flair können ganz offenbar Großes bei wenig Einsatz bewirken. Und das nicht nur auf zwei einsamen Inseln im Frühling und im Herbst.

Sonntag war super, aber so unattraktiv finde ich Bruchsal nicht. Es geht bestimmt besser, aber im Vergleich mit anderen Städten haben wir einen guten Branchen Mix mit vielen Inhaber geführten Geschäften! Vielleicht wäre es gut, wenn die Medien auch mal über das Positive berichten würden!
Nun ja, Bruchsal hat eben keine Altstadt. Schöne Gaststätten sind rar geworden, stattdessen eröffnet gefühlt jede Woche ein neuer Frisör und Nagelstudios.
Bruchsal ist schon eine trostlose Stadt, mal abgesehen vom Schloss.