Gochsheim feiert Altstadtfest und 500 Jahre Bauernaufstand
Münzesheim mag zwar so etwas wie die Kraichtaler „Hauptstadt“ sein, das Aushängeschild ist aber definitiv Gochsheim. Mit seiner beeindruckenden Skyline, in deren Mitte das alte Graf-Eberstein-Schloss prangt, macht es einfach was her, dieses mittelalterliche Städtchen mitten in den Kraichgauer Hügeln. Das liegt vor allem an seinem mittelalterlichen Flair, an den vielen alten Schätzen, aus deren Poren die Geschichte vieler Jahrhunderte sickert.




















Große Wendepunkte der Zeit haben sich hier zugetragen, allen voran der Bauernaufstand unter einem seiner charismatischsten Anführer, dem Pfaffen Anton Eisenhut. Vor 500 Jahren formierte sich hier in Gochsheim der Widerstand gegen die Willkür der Obrigkeit – und so zog der stetig anwachsende Haufen unter dem abtrünnigen Pfarrer durch den Kraichgau. Schlösser und Burgen gingen in Flammen auf, Adel und Klerus bekamen es mit der Angst zu tun. Doch die hoffnungslos unterlegenen Bauern konnten das Blatt nicht dauerhaft wenden, und so endete die Geschichte dieser Revolution tragisch: Am 25. Mai 1525 ließ Anton Eisenhut zusammen mit mehreren Gefolgsleuten auf dem Schlosshof in Bruchsal sein Leben.
500 Jahre später – ein Fest am Ursprung
Auch wenn dieser so verheißungsvoll begonnene Aufstand ein schlimmes Ende nahm, inspiriert er doch bis heute alle, die davon erfahren. Zeigt er doch, aus welchem Holz die Kraichgauer Bauern geschnitzt sind. Genau 500 Jahre ist dies nun her – Zeit, die Tage des Kraichgauer Haufens erneut aufleben zu lassen. Was wäre dafür besser geeignet als das Gochsheimer Altstadtfest, das genau dort gefeiert wird, wo vor einem halben Jahrtausend alles begann.
So wundert es nicht, dass das Fest in diesem besonderen Jubiläumsjahr mit einer kurzen geschichtlichen Darbietung der damaligen Ereignisse seinen Lauf nahm. Der Adel, verkörpert durch Karl-Heinz Glaser, Anton Eisenhut, gegeben von Bürgermeister Tobias Borho, umrahmt von zahlreichen Darstellern auf dem Schlosshof – ein beeindruckender Start für ein ohnehin beeindruckendes Fest. Für Authentizität und Gänsehautmomente sorgten Gäste aus der Nachbarschaft, allen voran die Brettener Herolde und die Böllerschützen aus Oberöwisheim.




















Abgerundet wurde die Eröffnung von einem Fassanstich, der allerdings fast genauso tragisch endete wie der Aufstand unter Anton Eisenhut: Ein Großteil des schönen Bieres verteilte sich auf dem historischen Pflaster des Gochsheimer Kirchhofs. Nun ja – der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen, um ein geläufiges mittelalterliches Bonmot zu bemühen.
Gochze in Feststimmung
Und danach? Gochze in Feierlaune. Ein einzigartiges Fest, das von vielen jedes Mal heiß herbeigesehnt wird – mit einem großartigen Rahmenprogramm von der lodernden Feuershow über bunte Kindererlebnisse bis hin zur mittelalterlichen Livemusik.
Die Gochsheimer Vereine tun ihr Übriges, um den Gästen in ihrem kleinen mittelalterlichen Städtchen die Zeit so schön wie möglich zu gestalten. Feines aus dem Keller und vom Grill, dazu reichlich Gochsheimer Savoir-vivre – ein Fest, das Geschichte und Gegenwart auf unvergleichliche Weise verbindet.
PS: Das Fest erstreckt sich auch noch über den heutigen Sonntag, wenn sie noch nicht dort gewesen sind, satteln sie die Pferde und reiten sie gen Gochze
Vielen Dank für die Bilder und den sehr angenehmen Artikel dazu. Jepp un Minza war schon immer die Hauptstadt von Krachtal un mir in Gochze das Aushängeschild. Ich grüße aus dem fernen Bad Dürrheim im Schwarzwald. Gerne wäre ich vor Ort gewesen.. Aber auf zwei Hochzeiten kann man nicht tanzen