„Ich bin einfach harmoniebedürftig“

|

Bürgermeisterin Cathrin Wöhrle über Corona, die Bild-Zeitung, den Wahlkampf, eine zweite Amtszeit und ihre Ideen für ein lebens- und liebenswertes Zaisenhausen.

Es ist ein Büro, das so gar nicht zum Rest des eigentlich ziemlich tristen 60er- Jahre Zweckbau des Zaisenhausener Rathauses passen möchte. Alles hier strahlt in betont hellen Farben, Kunstdrucke und Zitate hängen gerahmt an den Wänden und ein schwerer, blumiger Duft strömt von irgendwo her. Am weißen Tisch sitzt – zwar nicht in weiß gekleidet, wenngleich ihre Garderobe das nachweislich hergeben würde, Zaisenhausens Bürgermeisterin Cathrin Wöhrle. Wie doch die Zeit vergeht. Seit acht Jahren arbeitet sie bereits hier in ihrem weißen Büro und gestaltet und lenkt die Schicksale der kleinsten Kraichgau-Gemeinde. Wenn es nach ihr geht, dürfen es gerne noch acht Jahre mehr werden, oder 16, oder vielleicht 24? Cathrin Wöhrle fühlt sich wohl in ihrem Zaisenhausen, ist noch lange nicht fertig mit dem 1.700-Seelen-Dörfchen, seit 2014 ihre Wahlheimat und Lebensmittelpunkt ihrer kleinen Familie.

Als Pragmatiker könnte man ihr bereits jetzt die Hand reichen und ihr zur bevorstehenden Wiederwahl gratulieren, schließlich hat sich für die Wahl am 5. Dezember kein Gegenkandidat aufstellen lassen, noch nicht einmal einer der altbekannten Paradiesvögel, die sonst überall ihren Hut wahllos in den Ring werfen. Man kann also mit Fug und Recht davon ausgehen, dass die Wiederwahl in zwei Wochen nur eine Art Formalität ist, doch das will Cathrin gar nicht hören. “Mir ist es schon wichtig zu werben” verteidigt Sie ihren Wahlkampf, die Hochglanz-Flyer, die Fotos, die Kandidatenvorstellung via Livestream. Ihre unmissverständliche Botschaft: Ich nehme das alles nicht als selbstverständlich hin, will mich darum bemühen und Wertschätzung ausdrücken. Weil eine Solo-Wahl traditionell eher unspektakulär ausfällt, sorgt sich Cathrin Wöhrle um die Wahlbeteiligung, gerade mal einen Tag vor Nikolaus. Eine hohe Beteiligung wäre für Sie wichtig, schließlich drücken die Wählerinnen und Wähler damit ihre Unterstützung aus, geben ihrer Bürgermeisterin ein wichtiges Feedback und Bestätigung mit auf den Weg. Doch so oder so, alles deutet auf weitere acht Jahre für Cathrin Wöhrle in Zaisenhausen hin.

Acht Jahre, die sie definitiv zu nutzen gedenkt. Die Wiederbelebung des Dorfkerns hat sie sich auf die Fahnen geschrieben, eine Mammutaufgabe, an der sich schon viele Amtskolleg/innen die Zähne ausgebissen haben. Doch der Anfang in Zaisenhausen ist bereits gemacht. Nach der erfolgreichen Neugestaltung des Dorfplatzes soll nun endlich der um sich greifende Leerstand beendet und neue Wohnkonzepte direkt in der Dorfmitte ermöglicht werden. Dafür braucht es Visionen, konkrete Pläne und Fördermittel und eine Engelszunge, schließlich gilt es Hauseigner davon zu überzeugen, ihren alten Gemäuern zum Sprung in die Neuzeit zu verhelfen. Gar nicht so leicht, speziell nicht in Zaisenhausen, wo die Menschen vermutlich nicht ganz grundlos den Utznamen des störrischen Esels tragen.

Doch die Zaisenhausener scheinen vielmehr an Konsens als an Dissens interessiert zu sein, das Dorfleben hier ist intakt und blüht. Speziell an den Freitagen, wenn sich das ganze Dorf auf dem neuen Dorfplatz trifft, gemeinsam etwas zu Abend isst, die Kinder spielen können und im Anschluss noch ein gemeinsames Bier und ein Eis bis weit nach Sonnenuntergang zum dörflichen Tagesausklang einladen. Keine bunte Utopie, sondern gelebter Zaisenhausener Alltag.

Zumindest wenn keine Pandemie das Leben auf Sparflamme setzt.
Die Corona-Krise hat Zaisenhausen natürlich nicht außen vor gelassen, auch hier hat sich im kleinen Maßstab selbiges ereignet, das auch an jedem anderen beliebigen Ort im Lande zu erleben war. Natürlich auch aufgrund seiner überschaubaren Dimensionen, hat das kleine Dorf vieles mit Bravour gedeichselt: Niedrige, über Wochen hinweg sogar keine Infektionszahlen, eine schnelle und effiziente Impfkampagne. Das hat das kleine Zaisenhausen sogar in den fahrigen Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, weit über die Grenzen der Region hinaus katapultiert. “Mein Dorf ist Corona-frei” titelt die Bild-Zeitung Anfang März und inszeniert zwar auch das Dorf und Corona, aber insbesondere auch dessen Bürgermeisterin auf der Titelseite. Mehrfach traten die Redakteure des Blattes auf Cathrin Wöhrle zu, reisten sogar nach Zaisenhausen um ein weiteres Special inklusive Filmbeitrag zu produzieren. “Bild im glücklichsten Dorf Deutschlands”, so der nur leicht pathetische Titel. “Das war mir schon unangenehm” erzählt die Mittdreißigerin und berichtet auch von ihr zugetragenen, missgünstigen Kommentaren. Unschöne Anmerkungen, die zum einen implizierten, sie hätte die Story selbst lanciert, die zum anderen ihr Aussehen und ihre Weiblichkeit für die Fokussierung des Boulevard-Blatts mitverantwortlich zeichnen.

beliebt bei den Menschen – der neue Dorfplatz in Zaisenhausen

Wer Cathrin Wöhrle kennt, weiß das ein ausgeprägter Geltungsdrang nicht zu ihren Attributen zählt. Anders als so mancher Kollege zieht es sie nicht beständig ins Rampenlicht, sieht man ihr Gesicht nicht andauernd in den sozialen Netzwerken oder beigefügt als hochauflösendes JPG in unzähligen Pressemitteilungen. Das wäre ihr ohnehin zu viel Getue, sie bezeichnet sich vielmehr als harmoniebedürftig. Eigentlich keine ideale Voraussetzung für eine Führungspositionen, doch Cathrin Wöhrle hat hat gelernt sich mit vielem oder zumindest manchem zu arrangieren. Zum Beispiel damit, dass es eben Menschen gibt, die einfach chronisch schlecht gelaunt und durch nette Worte auch nicht zu erreichen sind. “Du kannst nicht alle erreichen” sagt sie, wenngleich man auch ahnt, dass sie es dennoch versuchen wird.

Viel Raum für Zwist und Streitereien bietet Zaisenhausen ohnehin nicht. Die Gemeinde ist in einer guten Verfassung, wird bei jungen Familien immer beliebter, verfügt über eine gute Verkehrsanbindung und eine gut ausgebaute Kinderbetreuung. Für die Schule oder fürs Einkaufen gibt es in unmittelbarer Umgebung Eppingen als Mittelzentrum, aber auch Oberderdingen, Bretten und Bruchsal sind nicht aus der Welt. Richtig klaffende und drängende Löcher oder Probleme finden sich in Zaisenhausen nicht, alles andere wird gemäß dem von Cathrin Wöhrle und ihren Bürgerinnen und Bürgern auf den Weg gebrachten Entwicklungskonzept “Zaisenhausen 2030” Stück für Stück abgearbeitet. Als nächstes steht z.b. ein kleiner Bypass für den Verkehr im Industriegebiet auf der Agenda, so dass die kleine Durchgangsstraße durch das Dorf weniger vom Lkw-Verkehr belastet wird. Wirklich viel gibt es davon hier ohnehin nicht, für die benachbarten Kraichtaler wäre das wahrscheinlich Jammern auf hohem Niveau.

Doch genau so, langsam aber konsequent, geht es in Zaisenhausen voran. Cathrin Wöhrle hat schließlich Zeit – nach jeder Wahrscheinlichkeit, auch noch die kommenden acht Jahre.

Stimmt etwas nicht? Haben wir einen Fehler gemacht oder etwas vergessen? Sagen sie's uns! Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten mit unserer Redaktion.Ihr Feedback zählt!

Vorheriger Beitrag

Ein Abend bei Anni und Chris

Wir wissen nicht, ob sie je wieder aufwachen…

Nächster Beitrag

1 Gedanke zu „„Ich bin einfach harmoniebedürftig““

  1. Das stimmt.Ich kenne Cathrin von alten Zeiten als sie noch zuhause in Flehingen gewohnt hat und jeden Sonntag mit ihrem jetzigen Mann auf dem Fußballplatz war.Eine ganz nette und bodenständige Frau .
    Aber es ist wie immer,Neid von vielen Seiten!
    Cathrin mach weiter so und bleib wie du bist!!

Kommentare sind geschlossen.