Glück und Erde

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1250 + 5 Jahre – Menzingen feiert sein großes Jubiläum

von Stephan Gilliar

Wer Menzinger verstehen will, der muss verstehen, was Menzingen ausmacht. Bodenständige, harte und ehrliche Arbeit, eine vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Vergangenheit, eine eingeschworene Dorfgemeinschaft – und Zusammenrücken, wenn alles andere auseinanderdriftet. Die harte Arbeit fleißiger Hände, die Heimatverbundenheit, die Bodenständigkeit bildet auch der Spitzname der Menzinger ab: Scholweklopfer. Scholwe, das sind die Erdklumpen, die bei der Feldarbeit durchs Pflügen entstehen – und die Scholweklopfer eben jene, die diese Klumpen anschließend wieder zerkleinern. Keine schicke oder prätentiöse Arbeit, aber eine Arbeit, die getan werden muss, damit die Feldfrüchte gedeihen können.

Den Spitznamen haben sich die Menzinger über all die Jahrhunderte bewahrt, wenngleich der Ort sich natürlich im Fluss der Zeit verändert haben mag. Seit Anfang der Siebzigerjahre gehört Menzingen zu Kraichtal, zwischenzeitlich hält hier auch die Stadtbahn. Landwirtschaft spielt zwar noch eine Rolle, aber nicht mehr die größte. Mit der Argo ist hier sogar einer von Kraichtals größten Industriebetrieben zuhause. Und sonst? Ein kleiner Selbstbedienungs-Tante-Emma-Laden, ein Secondhandgeschäft, eine Kneipe, ein paar Gaststätten und eine Tankstelle. Doch was Menzingen wirklich ausmacht, sind die Menschen, die hier wohnen und wirken – besonders die Vereinsarbeit ist im Dorf bemerkenswert.

Die Klopfer vom Dienst

Vor genau 20 Jahren haben sich ein paar Menzinger zusammengeschlossen, um die eigenen Traditionen und die eigene Geschichte aktiv zu bewahren. Der Verein SGK Scholwe e.V. wurde 2005 aus dem Wunsch heraus gegründet, abseits klassischer Vereinsstrukturen die Dorfgemeinschaft zu fördern und das kulturelle Leben aktiv mitzugestalten. Benannt nach dem historischen Spitznamen „Scholweklopfer“, organisieren die Mitglieder seither erfolgreich Feste, Wanderungen und Projekte – immer mit dem Fokus auf Heimat, Geschichte und Geselligkeit. Auch die Organisation des großen Jubiläumsfestes zum 1255. Geburtstag von Menzingen geht im Wesentlichen auf ihre Kappe.

Eigentlich hätte man schon vor fünf Jahren gefeiert – aber da war doch was? Richtig: Captain COVID und die verdammte Pandemie. Aber besser nachgeholt als ausgefallen, und so stand das vergangene Wochenende im Zeichen eines Jubiläums, wie es das nächste Mal frühestens in 50 Jahren kommen wird.

Die Klopfer haben geliefert – Ein rauschendes Fest zum 1255. Geburtstag

Drei Tage Ausnahmezustand, drei Tage Menzingen im Feiermodus: Das große Jubiläum zum 1255. Geburtstag war ein voller Erfolg. Hunderte strömten am Wochenende in das kleine Dorf am Fuße des (von Münzesheim aus kommend leider immer noch gesperrten) Landskopfs, um gemeinsam mit den Scholwe zu feiern – und die ließen es ordentlich krachen.

Schon am Samstagabend legte die ZAP-Gang den Grundstein für ein Wochenende voller Musik, Stimmung und Geselligkeit. Der Sonntag war geprägt vom großen Festumzug, bei dem zahlreiche Gruppen, Vereine und Schulklassen durch die Gassen zogen. Besonders gefeiert: der Besuch aus der Partnergemeinde Menzingen (CH) und die vielen liebevollen Details entlang der Strecke.

Auch der Montag wird kein ruhiger Kehraus werden: Mit dem Auftritt von Gaudi-Harry und kulinarischen Schmankerln wird das Fest am Abend gebührend abgeschlossen.

Was bleiben wird, ist nicht nur die Erinnerung an ein tolles Wochenende, sondern auch ein starkes Signal für Gemeinschaft, Ehrenamt und gelebtes Dorfleben. Der komplette Erlös wird gespendet – an wen, entscheidet das Orga-Team gemeinsam mit den Beteiligten.

Menzingen hat gezeigt, wie man feiert – und wie man zusammenhält.

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3 Kommentare zu „Glück und Erde“

  1. Es wäre noch zu erwähnen, dass das Jubiläum am Samstag mit einem wunderschönen Gottesdienst von Pfarrerin Stefanie Nuß und einem ökumenischen Team startete. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor und den MenzSingers.

  2. Fr. Nuß macht den Gottesdienst immer gut. Nur ist in Menzigen nicht immer alles schön . Der harte Kern der Dorfgemeinschaft ist immer gleich, als auswärtiger hat man es schwerer. Aber es ist schöner Ort nichts destotrotz!

  3. … und am Sonntag haben die Böllerschützen des KKS Oberöwisheim oben vom Wasserturm aus den Festzug angeböllert. Denn: kein Scholwefescht ohne die Owaroisa Schweffl!!

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