Die Tage des alten Salzbads

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Heilquelle, Wellness-Oase und Gaststätte – ein Blick zurück auf das längst verschwundene Ubstadter Salzbad

von Stephan Gilliar

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als mich die Schwestern Luise und Irma Zimmerer das erste Mal durch ihr altes Salzbad führten. Mit so viel Stolz erzählten die beiden Schwestern von den großen Tagen der früheren Wellnessanlage mitten in Ubstadt-Weiher, gelegen am sogenannten Stachus, dort, wo jeden Tag Autofahrer über die chronisch geschlossenen Schranken fluchen.

Ein bisschen Wellnes für Ubstadt

Früher konnte man hier saunieren, schwimmen und das gesunde Wasser aus der uralten Salzquelle genießen. Von der Straße aus kaum zu erahnen, stand hier an der B3 tatsächlich einmal eine Art kleines Kurhaus, das auf zwei Ebenen reichlich Platz zum Ausspannen bot. Diese Tage liegen lange zurück; heute erinnert kaum etwas an das alte Bad und die dazugehörige Gaststätte. Die beiden Schwestern Zimmerer leben schon lange nicht mehr, auch die Gebäude sind längst verschwunden. Lediglich – ein Umstand, den noch nicht einmal alle Ubstadt-Weiherer kennen –: die alte Salzquelle von 1615 existiert noch. Über einen kleinen Fußgängerweg, der die Salzbrunnenstraße mit der Unteröwisheimer Straße verbindet, ist der kleine Gitterrost, unter dem seit mittlerweile über 400 Jahren das salzhaltige Wasser an die Oberfläche dringt, noch zu sehen.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Quelle zerstört, um im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut zu werden. Die damaligen Fürstbischöfe von Speyer leiteten das Wasser zur Saline nach Bruchsal ab, wo es aufbereitet und gewinnbringend weiterverkauft wurde.

Weißes Gold

Dieses Stück von Ubstadt war lange Zeit am Rande der grünen Wiese gelegen, kein Wunder, dass hier eine Anlage für Heilanwendungen und zur Entspannung gedeihen konnte. Nur die Schienen der alten Nebenbahn sorgten für etwas Geräuschkulisse; der Autoverkehr auf der damals noch nicht ertüchtigten Bruchsaler Straße spielte seinerzeit keine große Rolle. Die goldenen Jahre des Salzbades waren die letzten des 19. Jahrhunderts, als hier ab 1871 nahe besagter Quelle nicht nur das Kurbad, sondern auch eine große Gaststätte mit Fremdenzimmern errichtet wurden. Von überall her kamen die Menschen, um sich zu entspannen, die Wärme und das salzige Wasser zu genießen und danach urig einzukehren.

Salz, Sellerie – c’est la vie

Doch das späte 20. Jahrhundert ließ das touristische Filetstück langsam verblassen. Konkurrenz durch Thermen und Bäder im Umland, Sanierungsstau und Strukturwandel sorgten für den Abstieg des Salzbades. Zwar nutzten die beiden Schwestern Zimmerer auch noch nach der Schließung des Salzbades das Wasser der Quelle für Massagen und Heilanwendungen, doch der Glanz früherer Tage verlor sich Stück für Stück.

Auch die Gaststätte wechselte mehrfach Pächter und Inhaber, wurde schließlich 2008 endgültig geschlossen. Im Anschluss wurde das gesamte Gebäudeensemble abgerissen, um hier neuen Wohnraum sowie den neuen Polizeiposten Ubstadt zu errichten.

Die alte Quelle hinter dem neuen Quartier im Herzen von Ubstadt nimmt sich all das nicht zu Herzen. Sie sprudelt weiter und fördert das Salz aus der Tiefe hinauf ins Kraichgauer Tageslicht – so wie sie das bereits seit über 400 Jahren macht. Übrigens: Auch Botaniker kommen hier auf ihre Kosten, ist die Quelle doch der einzige Ort in ganz Baden-Württemberg, an dem der wilde Sellerie noch wächst.

3 Kommentare zu „Die Tage des alten Salzbads“

  1. Welch Niedergang!
    Schade drum, aber das hätte anders laufen können. Wenn man gewollt hätte.
    Stattdessen hat auch hier der schnöde Mammon und der Verkehr gesiegt.
    Und die Quelle dümpelt weiter vor sich hin…

  2. Danke für den Hinweis auf die Salzquelle in Ubstadt. Es ist Schad, daß alles verblasst. Wenn man bedenkt was hier hätte alles entstehen können. Ja, irgend wann existierte das Bad in Langenbrücken nicht mehr. Alle Besucher gingen nach Mingolsheim. Mich würde auch ein Artikel zum Thema Bad in Langenbrücken interessieren.

  3. Das ist eine Schande für Ubstadt aber ist ja nicht das einzige nach dem Salzbad folgte der Engel in der Ortsmitte dem selbenschicksahl ich warte jetzt darauf wann der Ritter in Ubstadt auch noch verschwindet da er jetzt schon länger lehr steht. Aber schauen wir mal. der Bericht über das Salzbad ist sehr gut die alte Salinenleitung lief über 5 Km nach Bruchsal und hatte zwei Pumpwerke dazwischen das das Wasser auch in der Saline in Bruchsal ankamm, die Leidungen waren aus Eichenholz So genannte Deicheln. Hiervon gibt es noch ein Exemblar das erhalten ist. Grüße aus Ubstadt

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