Kreistag fordert Rücknahme der gekürzten Öffnungszeiten bei Notfallpraxen

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Der Verwaltungsausschuss des Landkreises Karlsruhe setzt sich vehement gegen die massiven Einschränkungen bei den Bereitschaftspraxen in Bruchsal und Bretten zur Wehr.

In einer aktuellen Mitteilung des Landratsamts Karlsruhe forderte das Gremium die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg einstimmig dazu auf, die Reduzierung der Öffnungszeiten vorerst auszusetzen und den Dialog mit den Kommunen zu suchen. Seit dem 1. Juli sind die Öffnungszeiten in den beiden verbliebenen Praxen um die Hälfte gekürzt worden, nachdem zuvor bereits die Standorte in Stutensee-Blankenloch, Waghäusel-Kirrlach und Ettlingen komplett geschlossen wurden.

Kritik an mangelnder Gesprächsbereitschaft

Landrat Dr. Christoph Schnaudigel kritisierte das Vorgehen der Kassenärztlichen Vereinigung scharf, da ein gefordertes Gespräch gemeinsam mit den Oberbürgermeistern von Bretten und Bruchsal im Vorfeld abgelehnt wurde. Das Landratsamt Karlsruhe betont, dass diese erneute Entscheidung über die Köpfe der Beteiligten hinweg erhebliche Nachteile für die medizinische Versorgung der Bevölkerung bedeute. Längere Anfahrtswege und Wartezeiten für die Patienten seien die unmittelbare Folge. Das Argument der Kassenärztlichen Vereinigung, die Praxen würden zu wenig genutzt, weist der Landrat mit Verweis auf durchschnittlich 115 wöchentliche Patienten in Bretten und über 244 in Bruchsal zurück.

Überlastung der Notaufnahmen und Rettungsdienste

Die Einschränkungen im ambulanten Bereich führen laut den Daten des Landratsamts Karlsruhe zu einer spürbaren Mehrbelastung der stationären Infrastruktur. Nach der Schließung der Praxis in Ettlingen Ende 2025 stiegen dort die Rettungswageneinsätze sowie die Notarzteinsätze um 34 Prozent. Auch die Notaufnahmen der regionalen Kliniken spüren den Druck: Die Fallzahlen an der Rechbergklinik Bretten legten im Zweijahresvergleich um 10,5 Prozent zu, an der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal um 6,2 Prozent. Da statistisch etwa die Hälfte dieser Fälle eigentlich ambulant behandelt werden müsste, blockiert diese Entwicklung wichtige Kapazitäten für Schwerstkranke und verlängert die Transportzeiten der Rettungsdienste.

Appell an das Gesundheitsministerium

Um eine dauerhafte und patientenorientierte Notfallversorgung zu sichern, hat sich Landrat Schnaudigel an den neuen baden-württembergischen Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit, Oliver Hildenbrand, gewandt. Das Ministerium soll nun prüfen, ob die Kassenärztliche Vereinigung ihrem gesetzlichen Sicherstellungsauftrag mit diesem fortgesetzten, unabgestimmten Abbau überhaupt noch nachkommt. Ziel des Landkreises bleibt es, die regionale Gesundheitsversorgung künftig wieder partnerschaftlich zwischen Kassenärztlicher Vereinigung, Kommunen und Kliniken zu gestalten.

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