Der Herzschlag einer Stadt

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Der Zauber des Peter-und-Paul-Festes zu Bretten liegt einzig und allein in der Liebe der Menschen zu ihrer Stadt begründet.

Die ersten Trommeln ertönen und das Herz der Brettener schlägt mit ihnen im Takt. Ein paar kleine Mädchen, alle gewandet in dickem Leinen, nehmen sich an den Händen und rufen ganz ehrfürchtig aus einer Kehle „Jubel“, während die schweren Schritte der Geharnischten auf dem Pflaster der alten Stadt dröhnen. Alles bleibt stehen, Hälse recken sich, jeder will einen Blick erhaschen.

Wenn sich am ersten Festtag all die historischen Gruppen zur großen Eröffnung am Marktplatz aufmachen, verwandelt sich Bretten in eine längst im Sand der Geschichte versunkene Inkarnation seiner selbst. Für vier Tage wird die Stadt zu Brettheim – ein Name, der sich als Reminiszenz an die 767 erstmals erwähnte Siedlung „Villa Breteheim“ versteht.

Die Stunde des Widerstands

Doch nicht die Gründung der Stadt, sondern ihre bitterste und schwerste, gleichzeitig aber auch glorreichste Stunde wird zum Sinnbild ihrer Geschichte, zur Keimzelle des Peter-und-Paul-Festes, zum Nabel ihrer Identität. Vier Zahlen haben sich für immer in das Gedächtnis dieser Stadt eingebrannt: 1504.

Im Zuge des Landshuter Erbfolgekrieges wurde das alte Brettheim im Jahre des Herrn 1504 von einem rund 30.000 Mann starken kaiserlichen Heer unter Herzog Ulrich von Württemberg belagert und schwer beschossen. Von außen betrachtet hatte die Stadt keine Chance, war dem Untergang geweiht. Doch dank des erbitterten Widerstands der Bürger und Soldaten und taktisch klugen Ausfällen gelang es den Belagerten, die Angreifer bis zum Eintreffen von Hilfe hinzuhalten und das feindliche Heer schließlich zum Abzug zu zwingen.

Um zu verstehen, wieso sich dieses mittlerweile 522 Jahre zurückliegende Ereignis derart in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt hat und für so viel Begeisterung, Hingabe und Liebe der Menschen zu ihren alten Mauern sorgt, muss man sich die Dimension dieses Befreiungsschlags bewusst machen: Denn während der Tage der Belagerung galt die Lage im Grunde als aussichtslos. Einem riesigen Belagerungsheer von rund 30.000 Mann standen in der Stadt nur etwa 100 landesherrliche Soldaten sowie die wehrhaften Bürger und Bauern der Umgebung gegenüber. Es war eine Mischung aus Stolz, Mut, taktischem Geschick und eisernem Willen, die das Blatt am Ende letztlich drehen konnte.

Gelebte Geschichte statt bloßem Schauspiel

Wenn Bretten sich dieser schicksalhaften Tage zu Beginn des 16. Jahrhunderts erinnert, dann spielt Bretten nicht Brettheim, dann wird Bretten wieder zu Brettheim. Egal welcher historischen Gruppe Sie in diesen vier Tagen Ihre Aufmerksamkeit schenken, Sie werden auf nichts als Hingabe und Authentizität stoßen. Die Menschen, die sich hier engagieren, schlüpfen nicht einfach nur in eine Rolle. Sie haben über all die Jahre eine Art zweite Haut, eine historische Identität, eine Art Alter Ego aufgebaut, das sich zu Beginn eines jeden Juli, eines jeden Jahres für vier Tage entfalten darf.

Das Peter-und-Paul-Fest ist keine Nische, kein Spleen Einzelner – es ist ein Flächenbrand. Zeigen Sie mir einen aufrechten Brettener und ich versichere Ihnen, er hat in seinem Schrank eine Gewandung und alles, was dazu gehört, immer nur einen Handgriff entfernt. Es ist egal, ob er an 361 Tagen im Jahr Koch, Ingenieur, Bauarbeiter, Lehrer, Anwalt, Busfahrer oder Mechaniker ist. Wenn im Sommer der Juli in der Wiege liegt, wird er mit der Verlässlichkeit und Regelmäßigkeit eines Uhrwerks zu einem Schmied, einem Böttcher, einem Wagner, einem Steinmetz, einem einfachen Soldaten oder einem Edelmann.

Sie müssen kein Brettener sein, um dieses Fest feiern zu dürfen, um es lieben zu können. Aber Sie müssen den Respekt erbringen, den all die Menschen verdienen, die sich jedes Jahr um dieses Fest, um die Geschichte und das Wohl und Wehe ihrer Stadt verdient machen.

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1 Kommentar zu „Der Herzschlag einer Stadt“

  1. Ich liebe das Peter-und-Paul Fest! Ich finde auch richtig gut, dass das Ganze noch mit (moderner) Livemusik am Abend abgerundet wird. Wir haben bis tief in die Nacht am Samstag mit neun9live gesungen und getanzt! Herrlich❤️❤️❤️ Großes Lob an alle

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