Woiwanderdag

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Irgendwo zwischen Regen, Sonne, Zeutern, Ubstadt, Stettfeld, Rot, Rosé und Weiß begingen am Sonntag hunderte Menschen den Weinwandertag Ubstadt-Weiher.

Traditionelles Anschläucheln in Zeutern

Kein Bier vor vier. Gut, dass es für den Wein keine entsprechende Regel gibt, denn die guten Tropfen flossen in Ubstadt-Weiher am Sonntag bereits deutlich vor dieser Uhrzeit. Der erste Schluck passierte um ziemlich genau 11:00 Uhr die Lippen von Bürgermeisterin Katharina Kimmich, die in der Weinhochburg des Kleeblatts mitten in Zeutern das erste Fass anschläuchelte. Ein Akt, der Zeutern quasi in der DNA liegt, tragen die Einwohner doch ihren Uznamen „Woischleich“ nicht ohne Grund. Wir wollen Ihnen die ganze Geschichte jetzt nicht zum tausendsten Mal erzählen, daher hier die Kurzfassung: Bischofsgeiz, Fuhrlohnstreik, Sturzbetrinken, Gelegenheitsdiebstahl, Fassentleeren, Weinschmuggelparty, feddig.

Dass man bei dieser Historie ein Fass Wein nicht einfach mit einer schnöden Drehbewegung am Zapfhahn anbricht, dürfte sich von alleine verstehen. Daher nach guter alter Väter Sitte: Man nehme einen Schlauch, das eine Ende kommt ins Fass, das andere in den bürgermeisterlichen Mund. Also dann: Saugen, Spucken, Genießen. Wer schon mal Benzin geklaut hat, weiß, wie der Hase läuft.

Stationen und alte Hasen

Nach einer ordentlichen Runde „Freiwein“ war damit der Weinwandertag Ubstadt-Weiher anno 2026 eröffnet, wobei das Fest natürlich technisch gesehen bereits am Vorabend begonnen hatte. In ausgewählten Locations, beispielsweise bei der Andreasklause in Ubstadt, beim Weingut Kunz in Zeutern, beim Handharmonika-Club auf dem Oberdorfplatz oder im Stettfelder Vogelnest, startete das weinselige Festwochenende bereits am Samstagabend.

Der eigentliche Akt des Weinwanderns fand aber erst am Sonntag statt. Sechzehn Stationen auf leicht veränderter Strecke zwischen Ubstadt, Stettfeld und Zeutern warteten darauf, mit einer Einkehr geehrt zu werden. Hotspot dabei war natürlich wie immer das kleine Zeutern, auf dessen Gemarkung weit mehr als die Hälfte dieser Punkte der sonntäglichen To-do-Liste entfielen. Dabei gab es auch ganz neue Namen, zum Beispiel die Evangelische Jugend, die an der Pauluskapelle am Kallenberg ihren Stand aufgeschlagen hatte. Selbstredend waren aber auch die alten Hasen dabei, deren Namen untrennbar mit dem Weinwandertag Ubstadt-Weiher verbunden sind: Vorneweg die Woischlaich & Friends mit gleich zwei Filialen, einmal am Wasserbunker und ein weiteres Mal am Kelterhaus in Zeutern.

Zwischen Promille-Versorgungsnetz und Regenschauern

Zwischen all diesen Stationen spazierten, wanderten und radelten die Menschen hin und her. Mit dabei waren Familie, Freunde, Fahrräder, Hunde und natürlich das „Woiglas im Bruschdbeidel“, der obligatorischste aller Ausrüstungsgegenstände dieses Tages. Befüllen ließ sich dieser an jeder der sechzehn Stationen – ein engeres Promille-Versorgungsnetz dürfte es im Kraichgau nie gegeben haben. Und so wurde der Weinwandertag genau das, was man sich von ihm erhofft hatte: Ein gemütliches, liebenswertes, unkompliziertes und entspanntes Event unter Freunden und unter freiem Himmel.

Dieser hat am Sonntag allerdings ein paar Launen an den Tag gelegt. Der eigentlich nach all der Trockenheit hochwillkommene Regen ließ das Besucheraufkommen doch sichtbar schwanken. Spätestens am Nachmittag, als erste Gewitter über die Hügel rollten und grollten, zog es dann viele Menschen ins Trockene.

Ein erfolgreicher Ausklang

Aber abgesehen von dieser kleinen, spontanen Gratis-Erfrischung von oben war die inzwischen 30. Ausgabe der Traditionsveranstaltung zwar kein epochal durchschlagender, aber dennoch ein Erfolg. Besonders das beliebte Rahmenprogramm fand einmal mehr richtig Anklang, vorneweg der Bauern- und Kunsthandwerkermarkt auf dem Oberdorfplatz in Zeutern. Wunderschöne handgemachte Einzelstücke, Leckeres, Feines, Edles und Schönes wurden hier angeboten.

Auch die perfekte Lage von Ubstadt-Weiher als Tor zu den Kraichgauer Hügeln spielte ihre Karten wieder voll aus. Da sich Wein und Wagen nicht vertragen (Hügelhelden-Service: Ein Gratis-Reim nur für Sie), stand die Stadtbahn bereit, um das wandernde Volk dorthin zu tragen, wo es eben hinwollte. Perfekt gelegene Haltestellen in Zeutern, in Ubstadt und in Stettfeld sorgten dafür, dass an diesem Tag jeder sicher und komfortabel das gewünschte Ziel erreichte. Und wer bereit war, doch etwas mehr Muskelschmalz einzusetzen, der kam am Sonntagnachmittag bei einer großen geführten Weinwanderung durch die Zeuterner Weinberge auch in Sachen WWW – wertvolles Wein-Wissen – voll auf seine Kosten.

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