Die schönste Milchmädchenrechnung im Hügelland

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Christiane "Chrissi" Dittes und ihr Sohn Ben inmitten der beiden Kühe Lotte und Liesel

Mit ihren gerade einmal zwei Milchkühen produziert Christiane aus Sulzfeld feinste Milch – nicht aus finanziellen Motiven, sondern aus purem Idealismus.

Die Landwirtschaft und das einfache, ländliche Leben liegen Christiane Dittes aus Sulzfeld im Blut. Schon ihre Großeltern unterhielten im Ort eine kleine Landwirtschaft, ihr Bruder ist Herr hunderter Hühner, baut Obst an und pflegt mehrere Weinberge. Auch Christiane, die alle nur Chrissi nennen, wollte immer eng mit der Natur verbunden leben und arbeiten. Sie ist gelernte Floristin und Landwirtin und hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Über die Milchviehhaltung im großen Stil erfuhr sie alles auf einem großen Hofgut im fernen Norden, das Prinzip der Massentierhaltung lehnt sie aber vehement ab. Für Chrissi sind die Landwirtschaft im Kleinen, das Dörfliche, die regionale Erzeugung und humane Praktiken in der Viehzucht und Haltung das einzig Erstrebenswerte. Dabei ist die 27-Jährige alles andere als eine abgehobene Träumerin, steht vielmehr pragmatisch mit beiden Beinen mitten im Leben. So isst sie zum Beispiel sehr gerne Fleisch, will aber einfach nicht hinnehmen, dass dieses zu weiten Teilen nur aus anonymen Großschlachthäusern stammen soll, die zwar einerseits mit billigen Preisen, andererseits aber traurig mit Tierquälerei im großen Stil glänzen. Chrissi träumt vielmehr vor einer Rückkehr der kleinen Hausschlachtungen, nach offiziellen Standards, aber ausschließlich am Tierwohl orientiert.

Lotte beim Mittagessen

Um ihren Teil zur Erstarkung der ländlichen Landwirtschaft im Kleinen beizutragen, hat Christiane vor einigen Wochen zwei Kühe aus dem Allgäu angeschafft. Die beiden fünfjährigen Braunvieh-Ladies hören auf die Namen Lotte und Liesel und sind – neben ihrem kleinen Sohn Ben – Christiane’s ganzer Stolz. Sie tut alles dafür, dass die beiden Kühe sich bei ihr wohlfühlen. Füttert sie mit Frischfutter direkt aus der Region, bietet Ihnen fast ganzjährig freien Auslauf im Grünen, bürstet sie am Abend und spielt ihnen sogar hin und wieder etwas klassische Musik vor, während beruhigende Lavendel-Essenz den Stall durchströmt. Zum Dank dafür geben Lotte und Liesel eine derart frische und leckere Milch ab, dass diese nach unserer Verkostung in der Region konkurrenzlos sein dürfte. Bezogen werden kann diese Milch im kleinen Milchhäuschen auf dem großelterlichen Hof in Sulzfeld. Teilweise gefördert mit Geldern aus dem LEADER-Programm hat Chrissi einen rund 13.000 Euro teuren Automat für die Ausgabe von Frischmilch angeschafft.

Der Frischmilchautomat im Sulzfelder Milchkännle

Dass Christiane diesen Schritt nicht aus purer Profitgier, sondern wie eingangs geschildert durch reinen Idealismus motiviert gegangen ist, dürfte sich mit einem Blick auf das Zahlenwerk schnell darlegen lassen. Zusammen geben ihre beiden Kühe jeden Tag etwa 40 Liter Milch, welche Chrissi für 1,50 € pro Liter per Direktvermarktung weiterverkauft. Davon ausgehend, dass die Kundschaft den kleinen Automaten jeden Tag restlos plündert, ist also eine maximale Ausbeute von 60 € pro Tag zu erzielen. Selbst beim besten Willen dürfte dieser Betrag kaum für die Deckung der Ausgaben wie z.b. die Unterbringung und das Futter der beiden Milchkühe ausreichen. Für Christiane fühlt sich der Schritt aber nach wie vor richtig an, ihr Ziel die dörfliche Landwirtschaft zu stärken, ist ihr ein Herzensanliegen. Selbstredend hat die junge Mutter aber noch darüber hinausgehende Pläne und Träume. Am liebsten würde sie einen kleinen Hofladen eröffnen, in welchem sie auch ihre Fähigkeiten als Floristin ausspielen könnte. Schöne Blumengebinde, frische Milch, Produkte vom Land sowie fair und human produziertes Fleisch direkt aus der Region- das wäre ihr großer Traum.

Christiane „Chrissi“ Dittes und ihr Sohn Ben inmitten der beiden Kühe Lotte und Liesel

Bis es soweit ist, liegt noch ein langer Weg vor Christiane. Da sie noch weit davon entfernt ist, von ihrer Leidenschaft auch tatsächlich leben zu können, bestreitet die junge, alleinerziehende Mutter ihr Einkommen mit einer Stelle in einem größeren Kraichgauer Rathaus. Irgendwann wäre sie aber gerne – so wie ihre Großeltern damals auch – rund um die Uhr auf ihrem kleinen Hof in Sulzfeld. Zwischen glücklichen Kühen und noch glücklicheren Kunden. Verdient hätte sie es in jedem Fall und so muss mit dem Appell geschlossen werden, Christiane und ihre Träume und Ziele zu unterstützen. Chrissys Milchkännle findet sich rund um die Uhr geöffnet in der Dammerstraße 8 in Sulzfeld.

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Ein Gedanke zu „Die schönste Milchmädchenrechnung im Hügelland“

  1. Wunderbarer Beitrag, und eine tolle Frau mit großartiger Haltung von und zu den Tieren. Ich würde mich freuen, wenn die Redaktion einen Kontakt herstellen würde. Meine Name ist Inga Kastens und ich leite die private Initiative http://www.weidefunk.de. Dort stellen wir Menschen vor, die ehrliche Schritte in der „Nutz“Tierhaltung gehen und Alternativen bieten. Dankeschön und viele Grüße aus Münster, Inga

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