Seit den Siebzigerjahren betreibt Berthold Zoz im verschlafenen Oberöwisheim seine „Kleine Galerie“. Heute, fast 50 Jahre später, ist er immer noch da.
von Stephan Gilliar
Berthold? Den gab’s schon immer. Der kleine, ruhige Mann mit den roten Apfelwangen, dem mittlerweile dünnen weißen Haar und dem ewigen, sanften Lächeln ist eine echte Konstante in Oberöwisheim. Wer ein schönes Bild einrahmen lassen möchte – oder überhaupt noch ein Motiv für die leere Wand über dem Wohnzimmerkamin braucht –, der kann jederzeit vorbeikommen: in der Kleinen Galerie. Zu finden ist sie genau dort an der Neuenwegstraße, wo die Ortsdurchfahrt quasi einspurig wird, weil man – wie bei „Himmel und Hölle“ – an den parkenden Autos und den Lücken dazwischen vorbeihüpfen muss.

Das kleine Lädele mit dem Ziegelvordach kennt in Oberöwisheim so ziemlich jeder, denn hier gibt’s nicht nur Rahmen und Bilder, sondern auch Tee, Kaffee, Geschenkartikel und nicht zuletzt die hiesige Postfiliale – von Berthold betrieben „für den Dienst am Dorf“, wie er es nennt. Sonst macht’s ja keiner.
Aber Bertholds Kernkompetenz ist tatsächlich das Rahmen von Bildern – ein Geschäft, von dem man gar nicht glauben möchte, dass es auf dem Dorf für ausreichend Frequenz und Kundschaft sorgen könnte, um ernsthaft davon zu leben, ja: auf diesem Bein zu stehen. Doch Berthold gelingt das bravourös, nicht erst seit gestern, sondern schon seit über 48 Jahren. Er hat mit der Kleinen Galerie bereits in den Siebzigern losgelegt, als Oberöwisheim wirklich noch ein Dörfchen war, in dem es an so ziemlich allem gefehlt hat. Die Kanalisation (oder vielmehr ihr Fehlen) zum Beispiel war ein einziges Trauerspiel. Früher stand der Dorfkern eigentlich andauernd unter Wasser, im Feuerwehrhaus gab es das Löschwasser quasi direkt an der Türschwelle, erinnert sich Berthold schmunzelnd.



Damals war sein Elternhaus, in dem heute die Kleine Galerie untergebracht ist, wie so viele andere Anwesen in Oberöwisheim teilweise ein landwirtschaftlicher Betrieb. „Ein Schwein hatte quasi jeder im Ort“, erinnert sich Berthold. Dort, wo jetzt seine herrlich chaotische und verkruschtelte Werkstatt steht, ragte im Innenhof einst ein Birnbaum in die Höhe. Sein Papa schlug sich damals nach dem Krieg so gut er konnte durch, um seine kleine Familie zu ernähren. Er kehrte spät aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück, war ausgebildeter Schreiner, verdingte sich mal hier, mal dort, verkaufte Krawatten an der Haustür und arbeitete später als technischer Zeichner in Karlsruhe.
Von ihm dürften Berthold und sein mittlerweile verstorbener Bruder Bernhard das Künstlerische, vor allem aber das technische Geschick geerbt haben. Beide waren gut im Tüfteln, im Ausknobeln, im Erdenken und Erschaffen. Als Bernhard in Karlsruhe die „Galerie am Zirkel“ eröffnete, brauchte es für die ausstellenden Kunstwerke die passenden Rahmen. Das war die Geburtsstunde der Kleinen Galerie – oder vielmehr der Werkstatt dahinter. Gemeinsam mit dem Vater – man erinnere sich: ausgebildeter Schreiner – entstanden so im Vater-Sohn-Team filigrane, handgemachte Rahmen für Porträts und Malereien.

Das Geschäft wuchs. Aus dem ehemaligen landwirtschaftlichen Teil des Gebäudes im elterlichen Haus wurde eine Werkstatt, später kam der kleine Laden dazu. Tatsächlich stieß das Angebot der Familie Zoz auf große Resonanz in Oberöwisheim. Jeder hatte irgendein schönes Bild, eine Fotografie, eine Malerei, ein Porträt, das einen schönen Rahmen verdient hätte – und Berthold sorgte genau für diesen. Bis heute sitzt er hinten in seiner Werkstatt, sägt mit geübter Hand das Holz, schleift, lackiert, pinselt und veredelt. Genau in der gewünschten Größe, im gewünschten Dekor – eben so, wie der Kunde es haben möchte. Mitte der Siebziger begann das Geschäft in Oberöwisheim zu florieren. Etwas später wurde das Angebot beispielsweise um hochwertigen Tee erweitert – eine Idee von Bertholds Ehefrau Martina.

Die Kleine Galerie ist ein echtes Stück Oberöwisheim – und die Familie Zoz Teil des Dorfes durch und durch. Nicht nur Bertholds Kinder leben hier, sondern auch längst die Enkelgeneration. Während wir miteinander sprechen, hört man die beiden Mädchen hinten in der Werkstatt spielen. Es ist eine Szene, wie sie schöner nicht sein könnte. Drei Generationen der Zoz sind anwesend, während wir miteinander sprechen.
Was die Zukunft der Kleinen Galerie angeht, so gibt es allerdings noch ein paar Fragezeichen am Horizont. „Mache ich die 50 noch voll?“, fragt sich Berthold – und kennt die Antwort darauf im Grunde schon genau. Denn wer 48 Jahre dabei ist, der wird an dieser magischen Zahl kaum vorbeikommen, auch wenn er sich längst in seinen Siebzigern befindet und den Ruhestand mehr als verdient hätte.



Vielleicht wird er irgendwann die Werkstatt abschließen und den Schlüssel umdrehen. Aber bis dahin gilt: Berthold ist Berthold. Der ewige Berthold. Und solange in Oberöwisheim noch Bilder aufgehängt werden, wird man ihn finden – dort, wo die Straße eng wird, wo man an den Autos vorbeihüpft, und wo hinter einem Ziegelvordach ein sanftes Lächeln wartet.

Da gehe ich immer wieder gerne hin. Werde gut beraten und finde auch immer wieder etwas….
Wir wohnten 10 Jahre in Oö und haben so manches Bild bei ihm gekauft und in tolle Rahmen bringen lassen.
An den guten Tee erinnere ich mich auch.
Ich wünsche weiterhin alles Gute!
Hallo Berthold, als ehemaliger Schulkamerad in Oö und Bruchsal kann ich nur sagen: zieh es durch bis zum 50igsten Betriebsjubileum, machen wir ein Fest. Wünsche dir das Beste