Das Glasfaser-Dilemma
Der Traum vom blitzschnellen Internet ist für weite Teile der Region erst einmal in ferne Zukunft gerückt. Die überraschende Ankündigung der Deutschen Glasfaser, den Ausbau vorerst zu stoppen, lässt nicht nur Politik und Kommunen, sondern auch unzählige ausbauwillige Kunden ratlos zurück. „Erleben Sie Highspeed-Internet … surfen, streamen und arbeiten Sie mit bis zu 1.000 Mbit/s“, wirbt das vor 15 Jahren gegründete Telekommunikationsunternehmen auf seiner Webseite. Ein Angebot, das viele Menschen im Landkreis Karlsruhe gerne annehmen würden, für das es aber derzeit offenbar nur begrenzte Kapazitäten gibt.
Doch was ist eigentlich passiert? Dafür muss man ein wenig ausholen und etwa vier Jahre in die Vergangenheit blicken. 2022 gab es die ersten Gespräche zwischen dem Landkreis Karlsruhe beziehungsweise der kreiseigenen Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe – kurz BLK – und dem Unternehmen Deutsche Glasfaser Holding GmbH. Das anvisierte Ziel: ein einheitlicher Ausbau mit schnellen Glasfaseranschlüssen im gesamten Landkreis. Die BLK hat dafür bereits handfeste Vorarbeit geleistet und entsprechende Knotenpunkte, sogenannte Backbones, gebaut, die schnelle Netzanschlüsse erst ermöglichen.

Mit entsprechenden Förderungen durch den Bund wäre es durchaus denkbar gewesen, auch den direkten Anschluss der „letzten Meile“ durch die BLK zu realisieren, erklärt Landrat Dr. Christoph Schnaudigel im Gespräch mit hügelhelden.de. Doch das entsprach nicht der damals vorgegebenen Marschroute. Stattdessen bestand die Vorgabe darin, diesen Ausbau privatwirtschaftlich und ohne staatliche Gelder umzusetzen. Für den Landrat der größte Systemfehler in diesem Konstrukt – einer von vielen, wenn man die Geschichte des Glasfaserausbaus in Deutschland betrachtet. „In meinen Augen ist diese ursprüngliche Überlegung des Bundes, den flächendeckenden Glasfaserausbau mit Hilfe privater Telekommunikationsanbieter flächendeckend auszugestalten, gescheitert. Ich sage sogar, grandios gescheitert“, so das bittere Fazit von Christoph Schnaudigel.
Um einen flächendeckenden Ausbau der Infrastruktur zu erreichen, hatte der Landkreis gemeinsam mit 28 Städten und Gemeinden eine Kooperation mit der Deutschen Glasfaser geschlossen. Ungeachtet dessen stoppt das Unternehmen nun mehrere Ausbauprojekte. Ein endgültiger Rückzug soll dies laut Aussage des Anbieters zwar noch nicht sein, für den Landkreis und die betroffenen Kommunen ist es dennoch ein schwerer Rückschlag. „Entgegen vieler Beteuerungen auch aus der Politik müssen zahlreiche Menschen im Landkreis noch länger auf einen leistungsfähigen Glasfaserausbau warten“, so Schnaudigel.
Dabei geht es bei dieser Debatte um weit mehr als die Frage, wie reibungslos Privathaushalte am Feierabend Filme streamen können. Der Landkreis Karlsruhe bildet das Herzstück einer der führenden Technologieregionen Europas, in der unzählige IT-Unternehmen, innovative Mittelständler und deren hochspezialisierte Zulieferbetriebe auf eine digitale Lebensader angewiesen sind. In einer Welt von Cloud-Computing und künstlicher Intelligenz ist Glasfaser längst kein Luxusgut mehr, sondern mitunter nackte Grundvoraussetzung für wirtschaftliches Überleben. Während die zu transferierenden Datenmengen exponentiell wachsen, stößt das ehrwürdige Kupfernetz endgültig an seine physikalischen Grenzen. Dass Deutschland bei dieser Schlüsseltechnologie heute so mühsam um Anschluss ringt, ist auch das Resultat historischer Weichenstellungen: Ein kurzer Blick zurück zeigt, dass bereits in den 1980er-Jahren unter der Regierung Schmidt Pläne für einen bundesweiten Glasfaserausbau existierten, die jedoch nach dem Regierungswechsel unter Helmut Kohl zugunsten des Kupfernetzes für das Kabelfernsehen gestoppt wurden – eine offenkundig wenig weise Entscheidung mit heute gut sichtbaren, fatalen Langzeitfolgen.

Tja, seit der Ära Kohl hat sich die Welt munter weiter gedreht, nicht nur Technologien sondern auch deren Voraussetzungen ändern sich. Die Deutsche Glasfaser begründet den aktuellen Kurswechsel vor allem mit einer veränderten Weltlage. Auf Anfrage teilt das Unternehmen mit, dass die Rahmenbedingungen spürbar schwieriger geworden seien. Insbesondere „gestiegene Kapitalkosten sowie Preissteigerungen bei Materialien und Baukapazitäten“ stellten die gesamte Branche vor neue Herausforderungen. Dies hat zur Folge, dass Kommunen wie Ettlingen, Bad Schönborn oder Karlsdorf-Neuthard in der aktuellen Planung bis Ende 2027 keine Berücksichtigung finden konnten. Eine klare Perspektive für die Jahre danach bleibt das Unternehmen schuldig und verweist darauf, dass man informieren werde, „sobald neue Informationen vorliegen“. Immerhin für einige Orte wie Linkenheim-Hochstetten, Forst, Kronau oder Rheinstetten gibt es Entwarnung, da der Ausbau dort bereits weitgehend abgeschlossen sei oder wie geplant laufe. Trotz der harten Kritik betont die Deutsche Glasfaser, dass die bestehende Kooperationsvereinbarung weiterhin Gültigkeit besitze.
Die Rückkehr zur Daseinsvorsorge als einzige Option
Für Christoph Schnaudigel bleibt die Situation dennoch ein Beleg für ein System, das in der jetzigen Form an sein Ende gelangt ist. Er sieht in der ursprünglichen Überlegung des Bundes ein grandioses Scheitern. Da die Deutsche Glasfaser nun signalisiert hat, die Projekte teilweise ruhen zu lassen oder sich gar ganz zurückzuziehen, rückt die Rolle der öffentlichen Hand wieder unweigerlich in das Zentrum der Strategie. Schnaudigel fordert daher ein Umdenken in Berlin, damit ein öffentlich geförderter Ausbau auch dort möglich wird, wo private Investoren den Rückzug antreten. Es geht um das grundlegende Verständnis von Glasfaser als moderner Daseinsvorsorge, die ebenso verlässlich wie Strom oder Wasser zur Verfügung stehen muss und somit letztlich in die öffentliche Hand gehört.
Einfach nur abwarten, das kommt für viele Kommunen nicht länger infrage. In den Rathäusern der betroffenen Gemeinden wird nun unter Hochdruck nach Alternativen gesucht. Der Landkreis sucht über die BLK bereits das Gespräch mit jeder einzelnen Kommune. In Stutensee gibt es beispielsweise Verhandlungen mit der Telekom, während andernorts Gespräche mit Netze BW geführt werden, um den Stillstand zu überwinden. Die große Herausforderung wird dabei sein, Partner zu finden, die den Ausbau ganzheitlich angehen, anstatt sich lediglich die wirtschaftlich lukrativsten „Rosinen“ herauszupicken. Priorität hat der Ausbau in der Fläche, sonst kommt es wie bereits heute zu solch paradoxen Situationen, dass Aussiedlerhöfe teilweise blitzschnell per Glasfaser ans Internet angebunden sind, während Stadtkerne größerer Ballungsräume noch vergleichsweise langsam per Kupfer online gehen müssen. Fest steht: Ohne eine Anpassung der staatlichen Förderrichtlinien und eine massive finanzielle Unterstützung durch den Bund wird der digitale Graben im Landkreis Karlsruhe auf absehbare Zeit tief bleiben.

Einfach köstlich , wenn man sich mal schlau macht welche internationalen Akteure an der Glasfaser beteiligt sind ;) . So nicht Freunde , der gepflegten Drückerkolone
„Der Markt macht’s“ war die Religion der CDU. Nebenher wurde noch Geld mit Kupfer kassiert, obwohl Glasfaser angesagt war.
Diese Religion der Moneten macht Monopole und sind die an der Macht „machen die Kohle“. Egal was Bürger oder ihre Vertreter wollen und brauchen.
Dieselbe Religion stampft jetzt gerade die Energiewende in Bürgerhand ein.
Die Reichen, – Entschuldigung- die Reiche lässt grüßen.
Von Landwirtschaft übers Auto bis zur Energie alles (im Sack) in der Sackgasse der Konzerne.
Nach der Globalisierung kommt die Regionalisierung…oder gar nix mehr.
Umdenken tut weh, aber die Zeit läuft und unsere Enkel wollen doch auch noch was vom Planeten haben !
Wenn man sich mit der Deutschen Glasfaser mal näher beschäftigt hat, fragt man sich eh wie man eigentlich auf dieses seltsame Unternehmen gekommen ist. Ein Blick in die Kabelgräben ( oder besser Verlegeritzen) in verschiedenen Gemeinden hat eigentlich genügt um sich ein Bild über die Qualität der Arbeit zu machen.
Von dem her gesehen ist es wahrscheinlich nicht schlimm wenn die nicht mehr weiter machen.
BW ist immer noch Schlusslicht, da müssen wir uns auch weiter in vielen Bereichen einfach abfinden. Grün wirkt ja nochmal 5 Jahre. Da geht’s weiter Bergab.