„Alla, machts gut Buwe“

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Für immer Fritz! Fritz Bauer aus Oberöwisheim war passionierter Schreiner und leidenschaftlicher Radfahrer. Mit seiner Begeisterung für das Zweirad hat er auch Thomas und Wolfgang angesteckt, die noch heute seinen Spuren folgen.

In den fünfziger Jahren hat der Oberöwisheimer Fritz Bauer das Radfahren für sich entdeckt und als Teenager spontan mit zwei Freunden eine Reise angetreten, die bis heute nachhallt. Jahre nach seinem Tod fahren nun jene, die ihm so viel zu verdanken haben, zu seinen Ehren Fritz’ alte Route erneut.

Gäbe es Fritz nicht, wäre sicher vieles anders gekommen – da ist sich Thomas sicher. Unruhig rutscht er auf der Bank auf der Terrasse seines Onkels Wolfgang hin und her, während er von jener Zeit erzählt, in der er sich unsterblich in das Radeln verliebt hat. Wolfgang ist zwar nicht sein richtiger Onkel, aber er gehört zur Familie. Und selbst wenn das nicht so wäre – sie wären durch das Radfahren eine geworden.

Wolfgang, Thomas und Aneta

Denn beide Männer, auch wenn ein paar Jahre zwischen ihnen liegen, lieben es, große Radtouren zu unternehmen – tagelang, besser noch wochenlang. Auf dem Sattel fühlen sie sich zu Hause, nur unterwegs mit der Kraft der eigenen Beine. Einen E-Motor lehnen beide kategorisch ab.

Von Oberöwisheim in die Welt – und zurück

Beide stammen aus Oberöwisheim, doch während Wolfgang seinem Heimatdorf stets die Treue gehalten hat, zog es Thomas irgendwann in die Ferne. Der Grund? Na klar – die Liebe. Was könnte es Schöneres geben? In der kleinen Kneipe – wo auch sonst, viele Oweroisa Romanzen dürften hier ihren Anfang genommen haben – lernte er seine große Liebe Aneta kennen.

Aneta stand damals bei Lamo hinter der Theke und beobachtete eine ganze Weile, wie Thomas ganz allein und ganz konzentriert Dart spielte. Irgendwann kamen sie ins Gespräch – und kurz darauf noch ein bisschen weiter. Seitdem sind sie unzertrennlich. Wo der eine hingeht, geht auch der andere hin.

Nach einigen Jahren in Oberöwisheim zog es die beiden in Anetas alte Heimat – ins östliche Polen. Heute leben sie in der Kleinstadt Zambrow, unweit der belarussischen Grenze. Doch natürlich kehren sie immer wieder nach Oberöwisheim zurück – nicht mit dem Auto, versteht sich, sondern konsequent mit dem Fahrrad.

Ziel: Heimat – Mittel: Muskelkraft

Gerade haben sie wieder eine solche Mammut-Tour hinter sich: knapp 1500 Kilometer auf dem Rad, zurück nach Hause, nach Oberöwisheim. Onkel Wolfgang hat sie schon sehnsüchtig erwartet. Er steht ihnen nicht nur nahe, er kennt sich auch aus mit Zeremonien rund um Ankunft und Abfahrt radelnder Weggefährten.

Denn dass Thomas das Radfahren so liebt, hat er quasi mit der Muttermilch aufgenommen. Die Tradition dieser eng zusammengeschweißten Clique geht zurück auf ein Ereignis im September 1956: Damals machte sich Schreiner Fritz Bauer mit zwei Freunden auf den Weg, die Welt auf dem Drahtesel zu erkunden.

Wolfgang dokumentiert die Reise akribisch

An seiner Seite: sein Bruder Gustav, den alle nur „Gustl“ nannten, und Walter Zimmermann – von Thomas liebevoll „mein Onkel“ genannt, obwohl er in Wahrheit „Betsches Walter“ heißt.

Eine Entscheidung, die alles veränderte

Alle drei waren noch blutjung, keiner von ihnen auch nur annähernd im Mannesalter. Und doch beschlossen sie, gemeinsam loszuziehen. Heute unvorstellbar – welcher Teenager dürfte heute einfach wochenlang verschwinden? Damals war das ein handfestes Stück wiedererlangter Freiheit – geschätzt, gelebt, geehrt nach den harten Kriegsjahren.

Der Legende nach kamen sie zunächst nur bis zum Ortsausgang von Oberöwisheim – dort, wo heute der Kreisverkehr den Weg Richtung Münzesheim oder Unteröwisheim freigibt. Erst dort fiel die Entscheidung: Brüssel im Norden oder Berchtesgaden im Süden? Brüssel lockte mit der Weltausstellung, Berchtesgaden mit Natur und Herausforderung.

Fritz fragte: „Wo fahren wir hin?“
Walter antwortete spontan: „Links rum!“
Und schon „war die Sach gschwätzt“.

Um 6:22 Uhr an jenem Septembermorgen setzten sich die drei in Bewegung – Tage später kamen sie wohlbehalten in Oberbayern an. Kein Handy, kein GPS, kein Kontakt nach Hause – allenfalls eine Postkarte. Ihre Eltern müssen Nerven wie Drahtseile gehabt haben.

Und jedes Jahr aufs Neue

Doch hier endet die Geschichte nicht – eigentlich beginnt sie erst. Denn diese erste, legendäre Tour sollte nur der Anfang sein. Mehrfach hat Thomas seither, mit wechselnder Begleitung, genau diese Route erneut befahren – beginnend und endend an genau der gleichen Stelle – zu Ehren von Fritz Bauer.

„Der Fritz hat mir alles beigebracht – jeden Kniff, jeden Trick, jede Technik. Er hat mich zu dem Radfahrer gemacht, der ich heute bin“, sagt Thomas sichtlich bewegt.

Auch wenn Fritz Bauer heute nicht mehr lebt, lebt seine Tradition weiter. Die nächste Fritz-Bauer-Gedächtnisradtour ist schon in Planung. Was ihnen allen fehlen wird?

Ganz klar – jene vier kleinen Worte, mit denen Fritz noch bis ins hohe Alter jeden Abschied begleitete:

„Alla, machts gut Buwe.“

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7 Kommentare zu „„Alla, machts gut Buwe““

  1. Der Fritz als ehemaliger Nachbar, der Gustl als sein Bruder, der Walter als Posaunenchorkollege sowie Wolfgang als unser Architekt und Thomas als Kumpan sind llesamt mehr aks bestens bekannt. Alles Männer, auf die man sich verlassen kann, ganz toller Bericht, vielen Dank. Solche Aktionen bereichern wirklich das Leben und die Gemeinschaft. Grüße Harald F.

  2. Respekt an Aneta und Thomas, die 1500 km zurück gelegt haben……und das ohne Motor.
    Liebe Grüße
    Susi (Schulkameradin von Thomas)

  3. Der Bericht hat mich besonders berührt und sehr an meine Jugendzeit erinnert; habe ich doch alle gut gekannt.
    Da werden große Heimatgefühle wach.

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