und er brennt immer noch..

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Seit ewigen Zeiten wird im alten Gochsheim zu besonderen Gelegenheiten der historische Gemeindebackofen angefeuert. Während seine alten Mauern für die Ewigkeit gemacht scheinen, sind es die, die ihn anfeuern, leider nicht.

Es gibt für uns kaum eine größere Konstante in der redaktionellen Arbeit als die Berichterstattung über den Backtag im Kraichtaler Stadtteil Gochsheim. Seit unserer Gründung haben wir von keiner Veranstaltung regelmäßiger berichtet als von eben dieser, die jedes Jahr, wenn der Herbst sich ankündigt, wie ein Fels in der Brandung steht. Das hat keinen besonderen Grund, es hat sich einfach so ergeben, gehört mittlerweile zu unserem Jahreslauf fest dazu.

Es ist aber auch einfach ein schönes Fest. Klein, ruhig, unaufgeregt und auf das absolut Wesentliche konzentriert: Beisammensein, die Atmosphäre dieses besonderen Gebäudes mit seinem besonderen Juwel im Herzen zu genießen, zusammenzusitzen und am Ende ein frisches, dampfendes Brot mit nach Hause zu nehmen, das sie in dieser Form das ganze Jahr über nirgendwo sonst bekommen.

Und doch war in diesem Jahr die Stimmung irgendwie eine andere. Nicht schlechter, aber alles in allem eine Spur ruhiger, stiller, in sich gekehrter als in den Jahren davor. Man mag es nicht mit Sicherheit sagen, aber es könnte auch damit zusammenhängen, dass zwei Menschen, die den alten Ofen beseelt und mit Feuer und Leben erfüllt haben, aus Letzterem ausgeschieden sind. Da wären Thomas Dutzi, der als ehrenamtlicher Ofenpatron vor einigen Monaten einen viel zu frühen und unerwarteten Tod starb, und Alfred Weber, der dies über Jahrzehnte hinweg vor ihm getan hat. Beide fehlten an diesem Tag unausgesprochen und doch fühlbar in der kleinen Backstube, die schon so viel gesehen, so viel erlebt hat.

Doch der alte Ofen glüht weiterhin, hat schon Unzählige überdauert, die ihm ihre Teiglinge anvertraut haben, dafür mit duftenden Broten belohnt wurden. Unzählige Menschen wissen ihren aus Steinen und Eisen erbauten, liebgewonnenen Hitzkopf zu schätzen und pilgern jedes Mal nach Gochsheim, wenn das alte Stück, erbaut vor rund 150 Jahren, wieder einmal zu glühen beginnt. Jedes Jahr, beim alljährlichen Kraichtaler Familien-Backtag, wird die altehrwürdige Feuerstätte aus dem Dornröschenschlaf geholt. Mit seinen etwa eineinhalb Jahrhunderten auf dem steinernen Buckel ist der Backofen nicht nur ein technisches Denkmal, sondern auch ein lebendiges Stück Geschichte – und er backt noch immer.

In diesem Jahr sorgen dafür wie immer Bäckermeister Carsten Föckler, dessen kleine Bäckerei nur einen Steinwurf neben dem Badischen Bäckereimuseum zu finden ist. An seiner Seite, in diesem Jahr neu im Team, die Gochsheimer Allzweckwaffe Uwe Ebert, der mit seinen blauen Augen mit dem tiefen Rot hinter der gusseisernen Tür um die Wette strahlt. Er tritt die Nachfolge von Thomas Dutzi an, hat diesem vor seinem Tod versprochen, seine Arbeit, seine Aufgaben im Ort samt und sonders zu übernehmen, wie Thomas‘ Witwe Simone erzählt, die natürlich trotzdem an diesem Tag gekommen ist, für ihr Gochsheim genauso brennt wie der alte Ofen und natürlich wie es ihr Thomas immer getan hat.

Uwe und Carsten

Seite an Seite produzieren die Hüter des alten Ofens auch in diesem Jahr wieder die gewohnten Köstlichkeiten. Deftigen Speck-Mohn-Kuchen und natürlich nicht zuletzt die heißbegehrten Pfundsleibe, die nur aus dem Allernötigsten bestehen und dabei genau so schmecken, wie ein Brot schmecken muss: voller Seele, voller Geschichte, voller Tradition und natürlich mit Herz, Hand und Liebe gemacht.

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