Weg vom ewigen Planungs-Wahnsinn, hin zum Machen: Ab Oktober übernimmt Frank Burkart das Ruder in Stutensee – und macht von Beginn an klar, dass bei ihm Entschlossenheit vor Endlos-Debatten geht.
Ein Interview mit Bürgermeister Frank Burkart ist kein genüssliches Nippen an einem Weinglas, kein feinsinniges Erkennen von Bouquet, Geschmack und Geruchsnoten. Es ist vielmehr wie das schnelle, harte Kippen eines Schnapses – Sie wissen schon: Nicht lang schnacken, rein in den Nacken. Frank Burkart ist kein Wortakrobat, der sorgsam auf seinem Seil balanciert, immer vorausschauend bedacht auf den nächsten Schritt. Stattdessen geht es schnurstracks geradeaus: ohne Umwege, ohne Lamentieren – Klartext.
Das mag auf den einen oder anderen irritierend wirken. Geht es jedoch um einen schnellen und direkten Informationsaustausch, weiß man diese Art zu schätzen: Sie kommt auf den Punkt, trifft den Kern der Sache und erspart Kuschelei und Vorspiel, wo beides schlicht nicht gebraucht wird.
Dennoch fällt es leicht, in Frank Burkart einen harten Gesprächspartner zu sehen. Seine direkte Art könnte man schnell als unfreundlich empfinden, doch das ist definitiv nicht die Intention des langjährigen Kommunalpolitikers. Ihm geht es darum, voranzukommen, etwas zu bewegen und sich nicht monatelang im Kreis zu drehen. Seine Passion ist das geradlinige und effiziente Arbeiten. Ist eine Sache besprochen, steht sie für ihn bombenfest – kein Grund, danach noch einmal in die Diskussion zu gehen.
„Man geht in der Regel davon aus, dass man das, was man sagt, nur halb so meint, und dann kann man ja immer irgendwie lamentieren. Aber ich sage, nein, ich halte das so. Tut mir leid.“
Ob er ein schwieriger Typ sei, will ich von ihm wissen. „Glaube ich nicht – kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Aber ich bin ein sehr geradliniger Mensch. Und das macht es manchmal für andere ungewöhnlich.“
Vom Abschied in Kronau zum Neuanfang in Stutensee
Egal wie man dazu stehen mag: Frank Burkarts Modus Operandi verfängt. Vor wenigen Wochen entschied er die Stichwahl um den Posten des Oberbürgermeisters der Großen Kreisstadt Stutensee für sich und tritt das Amt in wenigen Tagen an. Obwohl er in Kronau fest im Sattel sitzt und dort allmählich dem Ende seiner zweiten Amtszeit entgegenblickt, wollte er es noch einmal wissen:
„Für mich war klar, wenn ich nochmal frisch anfange, dann alles spätestens mit 50. Weil genau das wollte ich mit Ende 50 nicht mehr: nochmal bei Null anfangen.“
Ganz bei Null fängt er in Stutensee natürlich nicht an, denn sein Erfahrungsschatz als Bürgermeister reicht bereits zehn Jahre zurück. Dennoch ist es ein Neuanfang. Stutensee als Große Kreisstadt lässt sich nur schwer mit Kronau vergleichen. Es ist eine klassisch durch die Gemeindegebietsreform Anfang der siebziger Jahre zusammengewürfelte Stadt, die Blankenloch einschließlich Büchig, Friedrichstal, Spöck und Staffort umfasst. Im Süden kitzelt man ganz deutlich am großen Karlsruhe, im Norden an den ersten Ausläufern des Kraichgaus. Oder anders gesagt: Hier treffen städtische auf dörfliche Strukturen – ein Gebilde, dessen Lenkung reichlich Fingerspitzengefühl erfordern dürfte.
Frank Burkart will hier etwas bewegen, etwas voranbringen, so wie er das in den letzten zehn Jahren in Kronau getan hat. Blickt er auf die zurückliegende Dekade zurück, verweist er auf die Schaffung einer echten Kronauer Ortsmitte, die Etablierung des Fahrraddrehkreuzes und nicht zuletzt auf die Ansiedlung des großen A5-Quartiers an der Autobahn vor den Toren der Gemeinde.
Besonders Letzteres war von harten Diskussionen begleitet, brachte der Gemeinde aber auch die nötige Liquidität, um vieles im positiven Sinne zu fördern und voranzubringen.
„Die Zeit, in der ich gesät habe, war natürlich auch schwierig, und das wird gerne vergessen“, erzählt Frank Burkart von seinen ersten Jahren in Kronau, ist sich aber sicher, stets im Sinne der Gemeindeentwicklung gehandelt zu haben. „Am Schluss, glaube ich, haben wir hundertprozentig die richtige Entscheidung getroffen, es hätte uns ja auch passieren können, dass dieses große Logistikzentrum nicht hier gebaut wird, sondern vielleicht ganz woanders.“
Wirtschaft ankurbeln und den Blick nach vorne richten
Auch in Stutensee möchte er die Wirtschaft stärken und neues Gewerbe ansiedeln. Dabei geht es ihm nicht einfach um die Ausweisung neuer Gewerbegebiete und die Versiegelung von noch mehr Fläche, sondern um die richtige Ausrichtung und den passenden Branchenmix vor Ort. Der entscheidende Joker ist für Frank Burkart dabei die Nähe zu Karlsruhe: Zahlreiche Unternehmen würden dort gerne expandieren, stoßen jedoch mangels Flächen an ihre Grenzen. Auf diese Betriebe möchte er zugehen, um passgenaue Lösungen für die Zukunft zu erarbeiten. Potenzial sieht er hier beispielsweise bei Ausgründungen des KIT oder der Universität.

Etwas bereden, etwas voranbringen – für Frank Burkart kann das gar nicht schnell und entschlossen genug angepackt werden. Der größte Hemmschuh ist für ihn jedoch die ausufernde Bürokratie: auf Bundesebene, auf Landesebene, aber insbesondere auch auf kommunaler Ebene. Wie er den diesbezüglichen Ist-Zustand bewertet, lässt keine Fragen offen:
„Unterirdisch, komplett unterirdisch, also auf der Skala von 1 bis 10: eine Null.“
Um zu verdeutlichen, wie ineffizient die Mühlen der Bürokratie mahlen, führt er die Praxis rund um öffentliche Fördertöpfe an:
„Wir haben in Baden-Württemberg 414 Förderprogramme, bei denen wir teilweise Beträge von 1.000, 2.000, 5.000 oder 10.000 Euro kriegen – und erst der Aufwand, um dieses Geld nach hier zu holen: Ich brauche einen Mitarbeiter, der Mitarbeiter braucht vielleicht ein Büro. In Stuttgart brauchen Sie einen Mitarbeiter, der das prüft. Am Schluss haben wir 20.000 Euro Personalkosten aufgewendet, um 1.000 Euro zu genehmigen.“
Wie sehr ihn diese Praxis aufregt, ist im Gespräch regelrecht physisch greifbar: Ungehalten wirft er die Hände nach oben, dreht sich in seinem Stuhl zur Seite und blickt mit fest aufeinander gepressten Lippen vorbei. „Lassen Sie doch den Kommunen das Geld und machen Sie aus den 414 Förderprogrammen drei oder vier vernünftige.“
Seine Expertise und konkrete Vorschläge zum effektiven Bürokratieabbau hat er der Landesregierung bereits angeboten – man sei dort bisher allerdings nicht wirklich darauf zurückgekommen, so Burkart.
Loslegen ohne „Planeritis“
Wenn es nach ihm ginge, müsste auch in der Kommunalpolitik viel mehr Verbindlichkeit und konkrete Absprache möglich sein, ohne alles bis ins letzte Detail zu zerreden.
„Man muss davon wegkommen, alles planen zu wollen. Sie können nichts planen, Sie müssen auf Partner eingehen, Sie müssen auf Zufälle eingehen, Sie müssen auf Chancen eingehen, die sich ergeben.“
Sein Blick wird dabei sofort wieder eine Gangart härter: „Diese Planeritis, die macht uns kaputt. Wir müssen loslegen und nicht alles bis ins letzte Detail planen wollen.“
Loslegen will der neue Oberbürgermeister in Stutensee vom ersten Tag an. Die kommenden Wochen sind bereits komplett durchgetaktet: Bestandsaufnahme machen, checken, wie der Verwaltungsapparat tickt, und die Menschen kennenlernen. Vollgas von Beginn an, schnell und treibend – ganz Frank Burkart eben, hart, aber fair.
„In Stutensee, glaube ich, ist entscheidend, dass sich die Ortsteile nicht abgehängt fühlen. Es muss jeder das Gefühl haben, er ist ein Teil des großen Ganzen.“
In jedem Fall hat er viel vor mit diesem Stutensee, das von manchen als reine Karlsruher Schlafstadt gesehen wird. Frank Burkart sieht mehr, will die Große Kreisstadt voranbringen und dabei auch so manche in Kronau bewährte Blaupause anwenden. Am Horizont stehen beispielsweise die Gründung von Stadtwerken nach Kronauer Vorbild zur Erschließung neuer Einnahmequellen, eine Steigerung des durchschnittlichen Gewerbesteueraufkommens pro Hektar sowie die Prägung eines echten Ortskerns samt Handelsbelebung.

Messen lassen wird er sich am Ende an seinen Erfolgen. Auf die Frage, ob er sich für den Start feste Zielmarken gesetzt hat, winkt er bei künstlichen Fristen nur ab:
„Das sind journalistische Konstrukte, dass man in Zeiträumen wie 100 Tagen, einem, zwei oder fünf Jahren denkt – das ist Unsinn. Man muss vielmehr schauen, dass man so schnell und konsequent wie möglich vorankommt.“