Happy End für die Kelter Bahnbrücken

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Neu gegründeter Verein kauft historisches Gebäude für Symbolpreis

Die Kelter gehört zu Bahnbrücken – darüber dürfte es im Dorf keine zwei Meinungen geben. Seit dem 18. Jahrhundert steht das alte Gemäuer in der Dorfmitte, genauer gesagt in der Sonnenstraße direkt gegenüber der Kirche. Ursprünglich konnten hier die örtlichen Winzer ihren Wein keltern, worauf natürlich auch der Name zurückgeht. Doch diese Zeiten sind seit Jahrzehnten vorbei. Seit der ursprüngliche Anbau in den Siebzigerjahren abgerissen und neu errichtet wurde, dient das Haus vor allem kulturellen Zwecken und der Freizeitgestaltung, beispielsweise für Veranstaltungen. Es dürfte wohl niemanden in Bahnbrücken geben, der nicht mindestens schon ein halbes Dutzend Mal in der alten Kelter gefeiert hat. Privatpersonen, die Kirche, aber auch Vereine nutzen das Gebäude rege – wie ganz aktuell der Schorle-Club, um die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft zu zeigen.

Ein langer Kampf um den Erhalt

Während die Vergangenheit der Kelter gut dokumentiert ist, stand hinter der Zukunft des in die Jahre gekommenen Gebäudes bis zuletzt ein großes Fragezeichen. Im Jahr 2016 kam erstmals die Debatte auf, das mäßig genutzte Gebäude zu veräußern. Der damalige Bürgermeister Ulrich Hintermayer regte einen Verkauf an, um der Stadt die hohen Unterhaltskosten künftig zu ersparen; schließlich war die Liste der Altbestände im städtischen Besitz schon immer lang. Um einen solchen Verkauf zu verhindern und das Gebäude für die Dorfgemeinschaft zu bewahren, gründete sich damals eine Bürgerinitiative. Sie sammelte die notwendigen Unterschriften, um die Angelegenheit vor den Rat zu bringen. Soweit kam es jedoch nicht: Der entsprechende Tagesordnungspunkt wurde kurzfristig abgesetzt, und seither war die Zukunft der Kelter wieder völlig offen.

Nach einer neuen Initiative des aktuellen Bürgermeisters Tobias Borho wurde vor einigen Monaten die Veräußerung gleich mehrerer städtischer Liegenschaften erneut zum Thema. Drei Objekte standen auf der Prioritätenliste, da sie im Haushalt hohe laufende Kosten verursachten. Die ersten beiden Fälle sind bereits gelöst: Die Grundschule in Landshausen wurde an einen geeigneten Schulträger verkauft und befindet sich seit einigen Wochen wieder im regulären Schulbetrieb. Das alte Rathaus in Gochsheim wurde generalsaniert und in Eigentumswohnungen umgewandelt. Nun zeichnet sich auch für die Kelter in Bahnbrücken eine dauerhafte Lösung ab.

Vereinsgründung rettet das historische Gemäuer

Nach Vermittlung durch die Stadtverwaltung gründete sich am vergangenen Donnerstag ein neuer Verein in Bahnbrücken. In der Kurzform nennt er sich Heimatverein, der offizielle Titel liest sich dagegen etwas sperriger: „Förderverein zum Erhalt denkmalgeschützter bzw. historischer Anlagen in Bahnbrücken / Historischer Verein Bahnbrücken“. Diese neue Vereinigung, getragen von einem breiten Bündnis verschiedener Ortsvereine, wird das geschichtsträchtige Haus in der Sonnenstraße für einen symbolischen Euro von der Stadt kaufen und künftig in Eigenregie betreiben.

Erfahrungsgemäß dürften die laufenden Kosten bei etwa 3.000 Euro pro Jahr liegen, wie Alfred Richter, einer von vier gleichberechtigten Vorständen des neuen Vereins, im Interview berichtet; entsprechende Zahlen aus den vergangenen Jahren liegen hierzu vor. Das erklärte Ziel seien zunächst 100 Vereinsmitglieder, die diese Summe durch einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 36 Euro decken. Außergewöhnliche Belastungen wären natürlich gerade in der Anfangsphase noch schwer zu stemmen, allerdings befinde sich die Kelter erfreulicherweise in einem guten Zustand.

Neue Ideen für ein lebendiges Dorfzentrum

Um das Gebäude wirtschaftlich betreiben zu können, braucht es allerdings frische Ideen und ein tragfähiges Konzept. Die bisherige Anzahl der jährlichen Veranstaltungen in der Kelter reiche jedenfalls nicht aus, um das Gebäude dauerhaft zu halten, ist sich Bürgermeister Tobias Borho sicher. Er verweist auf ein ähnliches Projekt in Oberacker, wo der Bürgerverein am Fuße der alten Kirche ein echtes Dorfzentrum mit einer ganzen vielseitigen Reihe von Veranstaltungen auf die Beine gestellt hat.

Auf dem Kauf ausruhen möchte man sich in Bahnbrücken keineswegs. Als fester Termin im Kalender soll künftig jährlich am 3. Oktober ein Kelterfest stattfinden, wie Alfred Richter ankündigt. Darüber hinaus gibt es in Bahnbrücken sicherlich viele weitere tolle Ideen, was man mit der alten Perle alles anstellen kann. Sowohl der neue Verein als auch die Stadt zeigen sich mit der nun gefundenen Einigung überaus zufrieden. Es sei eine hervorragende Lösung, und mit dem passenden Konzept könne hier ein echter Mehrwert für alle Bürgerinnen und Bürger geschaffen werden, so der Bürgermeister abschließend.

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