50.000 Euro Schmerzensgeld – Urteil im Eppinger „Hexenkessel-Prozess“ gefallen

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Nach Eppingen Hexenkessel-Vorfall - Kraichtal Hexe vor Gericht

Stadt als Veranstalter und Kraichtaler “Hexe” aus Bahnbrücken verurteilt

Weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, fielen bereits bereits vor über einem Monat vor dem Landgericht Heilbronn zwei Urteile im sogenannten “Hexenkessel”- Prozess zu Eppingen. Die Richter der 6. Zivilkammer des Landgerichts sahen es als erwiesen an, dass der Verkehrsverein als Veranstalter des Umzuges seine Sicherungspflichten mehrfach verletzt habe. So enthielt die Checkliste für die Umzugsteilnehmer kein Verbot für das Mitführen eines mit Feuer beheizten Wasserkessels, noch wurden konkrete Auflagen für die Überwachung einer solchen Gerätschaft erhoben.

Die Bohbrigga Hexebroda 2017

Ebenfalls verurteilt wurde ein Mitglied der Kraichtaler Gruppe “Bohbrigga Hexebroda“. Zwar stellte das Gericht fest, dass nicht nachgewiesen werden konnte, dass der Mann beim Eintauchen der 18-Jährigen in das heiße Wasser des Kessels direkt beteiligt war, doch sei “schon das gemeinschaftlich geplante und durchgeführte Mitsichführen dieses Kessels” ein „kausaler Tatbeitrag“, so die Kammer in ihrer Urteilsbegründung. Der 33-Jährige war bereits bei einem Strafprozess vor dem Amtsgericht Heilbronn im Dezember 2018 zu einer Geldstrafe in derselben Angelegenheit verurteilt worden, nun drohen ihm weitere Zahlungen, die er gemeinsam mit der Stadt Eppingen begleichen muss. Noch ist das Urteil aber nicht rechtskräftig.

Laut stimme.de will die Stadt das Urteil akzeptieren, der Anwalt des verurteilten 33-Jährigen gab hingegen an, Berufung einlegen zu wollen. In nächster Instanz muss dann das Oberlandesgericht Stuttgart in dieser Sache zu einer Entscheidung kommen.

Hintergrund: Der den beiden Verfahren zugrundeliegende Fall, geht auf ein Ereignis während des Eppinger Nachtumzuges im Frühjahr 2018 zurück. Während des Faschingsumzüge hielten mehrere maskierte Umzugsteilnehmer die 18-jährige über einen Hexenkessel mit siedendem Wasser. Die Beine der jungen Frau gerieten dabei in die heiße Flüssigkeit, wobei sie sich schwere Verbrennungen zuzog. Bis heute hat keiner der Beteiligten dafür die Verantwortung übernommen. Der Eppinger Nachtumzug wurde daraufhin aus dem jährlichen Veranstaltungskalender der Stadt gestrichen – eine Wiederauflage ist nicht geplant.

Videobeitrag zum Eppinger Nachtumzug 2018 (Archiv)

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