Der Eppinger Nachtumzug ist Geschichte

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Nächtlicher Fasching im Kraichgau stirbt aus

Fasching ist eine schöne Sache, eine Tradition und uraltes Brauchtum. Früher feierte man die närrischen Tage um den Winter zu vertreiben, heute nutzen viele die fünfte Jahreszeit nur um sich nach Strich und Faden volllaufen zu lassen. So gerne wir als Redaktion vor Ort in Bild und Ton über den bunten Trubel berichten, zu manchen Zeiten und an manchen Orten sind wir dennoch nur mit Bauchweh unterwegs. Gerade die Nachtumzüge haben in der Vergangenheit immer wieder Chaoten dazu animiert, im Schutz der Dunkelheit sowie der Anonymität der Masken alle Hemmungen fallen zu lassen. Da flogen Glasflaschen, es wurde randaliert, geprügelt und gegrölt. Anderntags bleibt den städtischen Bauhöfen nur, die Mischung aus Zerbrochenem und Erbrochenem mit Hochdruckstrahlern von den Straßen zu lösen. Viele Gemeinden haben bereits die Reißleine gezogen und Nachtumzüge verbannt, darunter auch Kraichtal und Ubstadt-Weiher. In Bad Schönborn bat man uns vergangenes Jahr den Nachtumzug zu Langenbrücken nicht  mehr im Veranstaltungskalender zu bewerben um Chaoten fernzuhalten.

Kein Eppinger Nachtumzug im nächsten Jahr – Das Ende scheint besiegelt

Eppingen hat letztes Jahr nun seinen wohl letzten Nachtumzug erlebt. Der Vorfall, bei dir eine Kraichtaler Hexen-Vereinigung 2018 mutmaßlich und fahrlässig die Beine einer jungen Frau durch Eintauchen in siedend heißes Wasser verbrühen, ließen der Stadtverwaltung kaum eine andere Wahl als mit der Traditionsveranstaltung hart ins Gericht zu gehen. Wie Eppingens Pressesprecherin Cathrin Leuze gegenüber stimme.de bestätigte, ist die Wahrscheinlichkeit einer Neuauflage des Nachtumzuges mehr als unwahrscheinlich, die Ausgabe 2020 wurde bereits offiziell abgesagt

Wenn Faschingsgruppen Schlägereien in der eigenen Mannschaft tolerieren, Betrunkene allen anderen den Abend vermiesen und dann auch noch eine junge Frau mit schweren Verbrennungen an den Beinen in ein Krankenhaus geflogen wird, dann ist eine Grenze erreicht an der gehandelt werden muss. Wenn ein „Stop“ einigen wenigen Hästrägern nicht mehr genügt und bei Minusgraden Schuhe und Socken in die Menge geworfen werden, Gesichter grob mit Stroh und Kalk eingerieben werden oder aus den Lautsprechern Songtexte wie: „Du Schlampe, Du Drecksau, ich hoffe es geht Dir schlecht…“ schallen und das obwohl viele kleine Kinder anwesend sind, dann läuft etwas gehörig schief. Die Stadtverwaltung Eppingen beriet lange über die Ereignisse des Abends und die Zukunft des Umzuges und kam zu dem Ergebnis die Neuauflage auszusetzen. Kein Wunder, welche Stadt wünscht sich solche Bilder als Aushängeschild. Richtig leid können einem in diesem Fall die anständigen Fasnachter tun, sowohl Gäste als auch mitlaufende Gruppen. Sie investieren Jahr für Jahr viel Zeit in ihre Kostüme und Choreographien, können aber bald niemandem mehr ihre Kunst zeigen, weil eine enthemmte Minderheit alles ruinieren muss. Wer aber möchte sein Kind mit auf einen Umzug nehmen, an dem fragwürdige Lieder aus den Boxen schallen, manche Gruppen den Alkohol in Großgebindegrößen mit sich führen und am Ende noch ernsthafte Verletzungen drohen?

Es ist Zeit für eine Rückbesinnung und leider auch für ein hartes Durchgreifen. Wenn der Fasching in ein gigantisches Massenbesäufnis ausartet, ist etwas faul im Staate Dänemark. Viele scheinen den Unterschied zwischen einem Schwips und einem Totalabsturz nicht mehr begreifen zu können. Mehr Kontrollen und ein Ausbau der Jugendschutz-Teams könnten hier vielleicht helfen. Ob Eppingen es mit solchen Maßnahmen irgendwann noch einmal versuchen wird, darf jedenfalls bezweifelt werden.

Ein Kommentar von Philipp Martin

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