Ausweise, Anmeldungen, Bescheinigungen und ein bisschen Dorftratsch – Das Bürgerbüro Gondelsheim wird 25
Können Sie sich noch an den legendären „Passierschein A38“ aus dem Zeichentrickfilm „Asterix erobert Rom“ erinnern? Als Asterix und Obelix auf der Suche nach einem Formular kreuz und quer durch ein endlos großes Bürogebäude gehetzt wurden? Das dürfte wahrscheinlich die Mutter aller Bürokratie-Albträume sein – ein System, das nur sich selbst und nicht den Menschen im Blick hat. Wer schon einmal in einer Großstadt einen Behördengang zu absolvieren hatte, der könnte sich manchmal vielleicht an diesen Asterix-Film erinnert haben, beim Ziehen einer Wartenummer, deren Ziffer noch ganze Universen von jener entfernt ist, die aktuell auf dem Bildschirm angezeigt wird.
Ein Vierteljahrhundert Bürgerservice in Gondelsheim
Im kleinen Gondelsheim sind Albträume dieser Art nicht notwendig, hier wird Bürgerservice noch richtig großgeschrieben und das bereits seit 25 Jahren. Seit einem Vierteljahrhundert gibt es das Bürgerbüro in Gondelsheim, damals ins Leben gerufen, um all die verschiedenen Behördengänge im Rathaus an einer zentralen Stelle zu bündeln. Ganz ursprünglich waren in dem kleinen Raum rechts neben dem Haupteingang die Gondelsheimer Heimatfreunde und Historiker untergebracht, doch nach Vermittlung von Bürgermeister Markus Rupp wurde für sie eine Alternative gefunden, sodass aus der alten Amtsstube schließlich das moderne Bürgerzentrum werden konnte.



Fast jeden Tag, sogar an zwei langen Tagen in der Woche (ein Alleinstellungsmerkmal, wie der Bürgermeister betont), kümmert sich hier ein freundliches Team unter der Leitung von Tanja Canelas um die Anliegen der Menschen aus dem Dorf. Anmeldungen, Abmeldungen, Dokumente, Beglaubigungen, Bescheinigungen, Ausweise, Pässe … es gibt fast nichts, das man hier nicht erledigen kann, vieles davon zwischenzeitlich auch fast ausschließlich digital.
Der gute alte Dorftratsch gehört dazu
Eine Sache allerdings bleibt analog und ein Service des Bürgerbüros, der nicht auf der Infotafel vor der Tür aufgeführt ist: Der gute alte Dorftratsch. Im besten Sinne ein bisschen quatschen, sich austauschen, Gehör finden und genau den Kitt pflegen, der letztlich das Dorf zusammenhält. Auch das gehört dazu, weiß Tanja Canelas: „Manche, die vom Markt oder von der Apotheke kommen, sagen einfach nur Hallo oder kommen auf ein kleines Schwätzchen. Genau diese Begegnungen machen unsere Arbeit so besonders …“.

In Gondelsheim, auch das ein fundamentaler Unterschied zu den großen Bürgerbüros in den Städten, verzichtet man übrigens noch gänzlich auf Termine und das klappt wunderbar. Einfach vorbeikommen, zur Not ein paar Minuten warten, dann ist man auch schon dran und bekommt fachliche und sachliche Hilfe, niederschwellig und effektiv. „Online anmelden oder sonst was. Das wollen wir nicht. Das ist nicht der Geist der Gemeinde Gondelsheim, das ist nicht der Geist des Bürgerbüros“, bekräftigt Bürgermeister Markus Rupp und kann diesbezüglich schließlich bereits auf 25 Jahre Erfahrung zurückblicken.
Ein ganzes Dorf gratuliert
Es ist genau dieses Vierteljahrhundert, das am Mittwochabend die kleine Amtsstube bis in den letzten Winkel gut mit Gratulanten füllte. Das halbe Dorf wollte dabei sein, um ihrer kleinen Dorfzentrale zu gratulieren, ein Gläschen Sekt zu trinken und dem freundlichen und vertrauten Team auf die Schulter zu klopfen. So standen schließlich mehrere Dutzend Gondelsheimer zwischen Tresen, dem amtlichen Lichtbildterminal und dem Kopierer, über ihnen an der Decke mindestens genauso viele Luftballons, auf denen fröhlich die Zahl 25 aufgedruckt war. Denn auch das ist Gondelsheim: feiern, wann es geht und wo es geht – so jung kommen wir nicht mehr zusammen.

Gondelsheimer Glückskekse zum Jubiläum

Dass es noch mal 25 Jahre werden, kann Tanja Canelas mit einem Augenzwinkern zwar ausschließen, doch sie ist dankbar für die hinter ihr liegende Zeit und freut sich auf all das, was noch kommt. Gondelsheim kann froh sein, sie und ihr Team zu haben, denn eine Behörde, die sich dessen bewusst ist, dass nicht Amtsschimmel und Reiter im Vordergrund stehen, sondern immer und ausschließlich die Bürgerinnen und Bürger, das ist heute nicht selbstverständlich. So bringt es Tanja Canelas auf den Punkt und Bürgermeister Markus Rupp nickt energisch dazu: „Eines ist für uns immer gleich geblieben. Der Mensch steht im Mittelpunkt.“
Endlich einmal etwas Positives aus der Amtsstube !
In anderen Gemeinden oder „Städten“ muss man dieses Bürgerbüro eher als Bürgerabwehrbüro empfinden. Hinter riesigen Tresen verschanzen sich die Mitarbeiter wie im Schützengraben und man hat den Eindruck sie hoffen dass der Tag an ihnen vorübergeht. Das alles spiegelt aber immer nur den Führungsstil im Rathaus. Wie in jedem Betrieb stinkt der Fisch immer beim Kopf,…-oder eben nicht!
Dass eine Gemeinde ihre ureigene Aufgabe wahrnimmt, für das Gemeinwohl, für ihre Bürger da zu sein, ist eigentlich selbstverständlich. Doch anderswo endet man entweder in der (Endlos-) Warteschleife mit Dudeldei oder muss vor dem Tresen buckeln bis man überhaupt wahrgenommen wird.
Unsere Gesellschaft muss Gemeinschaft erst wieder lernen. Wir sind eine, ob wir wollen oder nicht. Der ganze Planet ist aufeinander angewiesen und in der kleinsten organisierten Zelle, der Gemeinde ist die Basis. Chapeau ! für Gondelse !
Da muss ich jetzt aber widersprechen. Mit dem Kraichtaler Bürgerbüro habe ich auch nur gute Erfahrungen gemacht. So pauschal kann man das nicht formulieren!