Seit genau 60 Jahren gibt es bei Diemers heiße Würste, Brusler Herzlichkeit und das schöne Gefühl, nach Hause zu kommen
Es ist egal, wo du herkommst, wo du gerade gewesen bist – wenn du die zwei Stufen der Schlossstraße Nummer 14 bestiegen hast, den Fuß auf den alten Linoleumboden von Diemers Imbiss setzt, dann bist du zu Hause. Dann umfängt dich das warme Licht der alten Korblampen, das rote Leuchten der uralten Cola-Reklame über den Stehtischen mit der abgenutzten Elefantenhaut und mit ein bisschen Glück – aber wirklich nur ein klein bisschen – das herzliche Lachen von Angelika hinter der Theke. Die Zeit spielt in diesem Moment keine Rolle mehr, denn genau diese Szene könnte sich genauso vor 20, vor 40 oder sogar vor 60 Jahren abgespielt haben. Ja, so lange gibt es den kleinen Imbiss hier schon – seit September 1965.

Es war ein anderes Bruchsal damals, als Wilhelm Lüdecke in der damals noch unbedeutenden Stichstraße an der Flanke des Bruchsaler Schlosses sein Imbisslokal eröffnete, das er einfach nur Bratwurstbraterei nannte. Ortsteile gab es noch keine, die Gemeindereform sollte noch rund sieben Jahre in der Zukunft liegen. Die Holzlumpen gründeten sich damals als Bruchsaler Fasnachtsvereinigung, der Kreistag begrüßte die ersten Frauen im Gremium, man traf sich abends am anamorphen Springbrunnen namens „Thing“ und knatterte noch mit dem Auto vorbei am nagelneuen Rathaus am Marktplatz. Man plauderte über den frisch gewählten Bundeskanzler Ludwig Erhard, über den Kriegsausbruch in Vietnam, man staunte über das erste Länderspiel des jungen Franz Beckenbauer und die ersten 500-DM-Noten im Umlauf.

Über Letztere hätte Herr Lüdecke vermutlich nur den Kopf geschüttelt, denn eine Bratwurst kostete damals nicht mehr als eine Mark, genauso wie der halbe Liter Bier. Andererseits lag der Durchschnittslohn damals gerade einmal bei 800 DM pro Nase und Monat – das darf bei aller Nostalgie nicht vergessen werden.

Die Ära Lüdecke währte nur zwei Jahre, dann übernahm jener Wirt den Imbiss, dessen Name dieser bis heute trägt. Ebenfalls am 1. September, allerdings 1967, wurde die Bratwurstbraterei zu Diemers Imbiss und über die Jahre zu einer Bruchsaler Institution. Hier gab es alles, was die Kunst der schnellen Küche aufzubieten hatte: Frikadellen, Schaschlik, Fritten und natürlich nicht zuletzt die legendäre Currywurst. „Schnellimbiss“ – so stand es damals in geschwungenen Buchstaben über dem großen Schaufenster, ein Name, der sich ob seiner eigenen Farblosigkeit schnell überlebte. „Mir gehm zum Diemer niwwa“ wurde schnell zum geflügelten Wort in Brusl – und so sollte es lange 37 Jahre weitergehen.

2004, also vor 21 Jahren, übergab Karl-Heinz Diemer schließlich den Staffelstab und die Schlüssel für die Schlossstraße Nummer 14 an Angelika und Reinhold Kothe. Für die beiden war gleich klar: Tradition verpflichtet, mit etwas wie „Angelikas Imbiss“ fangen wir gar nicht erst an. „Diemer“ ist in Bruchsal eine gesetzte Größe, und so blieb es mit dem Einverständnis des Namenspaten einfach dabei: Aus Diemers Imbiss wurde – nun ja, Diemers Imbiss. Dennoch waren die ersten Jahre für die beiden Quereinsteiger – Angelika hatte zuvor bei einer Metzgerei in Karlsruhe gearbeitet, Reinhold im kaufmännischen Bereich – keine leichte Zeit. In den Jahren zuvor hatte Karl-Heinz altersbedingt nur noch sporadisch geöffnet, die Gäste waren keine verlässlichen Öffnungszeiten mehr gewohnt, und das war natürlich ein Problem für die beiden Neuen in der Nummer 14. Diese Verlässlichkeit wiederherzustellen, sollte fast drei Jahre in Anspruch nehmen – erst dann war das alte Imbisslokal wieder im vertrauten Fahrwasser unterwegs.

„Vertraut“ – auch so ein Wort, das unbedingt zu den Attributen von Diemers Imbiss gezählt werden muss. Denn hier sieht es immer noch so aus wie 1965. Die alten Stehtische mit der Resopaloberfläche, die Hängerreklame, das Schaufenster, die Theke … alles wie früher. Angelika und Reinhold haben darauf verzichtet, dem eingeführten Imbiss auf Teufel komm raus ihren eigenen Stempel aufzudrücken – und das ist auch gut so. Denn wenn Bruchsal etwas auf Dauer nicht honoriert, dann ist es einfach nur neu sein zu wollen, um seiner selbst willen. Nicht umsonst haben Angelika und Reinhold über all die Jahrzehnte so manches tote gastronomische Konzept auf dem Saalbach vorbeitreiben sehen. Unzählige sind gekommen, unzählige sind gegangen – Diemers Imbiss ist immer noch hier.



Das liegt nicht nur am nostalgischen Gefühl, das liegt nicht nur an der guten Qualität der Speisen – fast alles wird von den beiden regional, in vielen Fällen sogar direkt aus Bruchsal bezogen. Es liegt auch ganz maßgeblich an den beiden Inhabern. Während Reinhold sich gerne hinten in der mikroskopisch kleinen Küche aufhält, ist Angelika die Frontfrau, das Gesicht von Diemers, das Herz und die Seele des kleinen Lokals. Mit roten Backen und immer der rot-gestreiften Puffmütze auf den mittlerweile grauen Haaren hat sie ihr kleines Reich und alle, die darin verkehren, stets im Blick. Angelika ist keine der neumodischen Gastronomen, die dem Kunden das in den seltensten Fällen verdiente Gefühl geben, über allem und jedem zu stehen. Für sie ist der Kunde nicht König, für sie gibt es nur Menschen, die sich respektvoll verhalten, und solche, die es nicht tun. Ob diese vor oder hinter dem Tresen stehen, spielt für Angelika dabei keine Rolle. Wer sich gut aufführt, wird freundlich behandelt und herzlich bedient. Wer den Affen macht, darf sich die Schaufensterscheibe von außen ansehen. Das ist so herrlich authentisch, dass man nicht anders kann, als sie zu mögen. Ein Gefühl, das sie übrigens gerne zurückgibt, wenn sie einem schon von weitem stimmgewaltig über die Theke hinweg mit „Hallo, mein Schatz“ begrüßt. Eine Anrede, die keineswegs nur ihrem Reinhold vorbehalten ist.



So mag man sich eingedenk eines so großen und runden Jubiläums vielleicht etwas bange die Frage stellen, wie lange diese warm leuchtende Bruchsaler Zeitblase noch intakt bleiben kann. Schließlich haben Angelika und Reinhold schon längst die Sechs oder sogar die Sieben als erste Zahl ihrer Jahresringe stehen. Doch wenn man sie darauf anspricht, bringt das keinen von beiden aus dem Gleichgewicht. Ein Ablaufdatum können sie nicht benennen, denn so etwas gibt es für beide schlicht und einfach nicht. Solange sie aufrecht stehen, brennt an der Ecke Schlossstraße und Rollingenstraße weiter das Licht. Warum, das weiß Angelika genau: „Weil wir Spaß haben. Weil es einfach schön ist, da reinzugehen, deine Aufgaben zu haben, Leute kennenzulernen. Es ist einfach wie daheim, unser großes Wohnzimmer.“
Zwei Herzen für Bruchsal – Wir lieben es !
Ich genieße die Atmosphäre Seit nunmehr 60 Jahre. Bleibt noch eine Weile, es ist wirklich so wie Heim kommen .
Günter
Herzlich, lieb, direkt und ehrlich……
Ich fühle mich dort wohl.
Ach, un schmecke tuts a.
Ihr Zwei seid so klasse. Ich liebe diesen Laden seit ich Kind war. Hört bloß nicht auf wir brauchen keinen weiteren Döner oder Asialaden.
Einfach nur Megagibt nix besseres weit und breit
Das glaube ich,dass Sie sich da wohl fühlen, wenn Sie ansonsten hier ständig meckern und alles schlecht reden. Ich werde da nie wieder essen gehen, so wie die in der Coronazeit waren. Ich bin nicht vergesslich so wie die meisten Menschen…