Ein Abend im Ver-Rheinsheim

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Am Rande des kleinen Philippsburger Stadtteils Rheinsheim kochen Reema und Nizar die wahrscheinlich beste syrische Hausmannskost weit und breit.

Schnell runter von der B35, nur Sekunden bevor es über den Rhein und damit ins Pfälzer Ausland geht. Schon ein paar Meter weiter, noch bevor man das Ortsschild von Rheinsheim erreicht, führt eine kleine Ausfallstraße nach rechts auf das große Gelände des Vereins für Rasenspiele – kurz VfR Rheinsheim. Hier draußen tragen die Rheinsheimer Fußballer ihre Heimspiele aus, und das äußerst erfolgreich. Aktuell ist man im Dorf sowieso besoffen vor Glück, hat doch die erste Herren-Mannschaft in der vergangenen Saison sauber abgeliefert und vor wenigen Tagen, Ende Mai, den Aufstieg in die Kreisklasse A perfekt gemacht.

Aufstieg und Meisterschaft – läuft in Rheinse. Woran das liegt? Naja, in erster Linie, weil man hier verdammt guten Fußball spielt. Vielleicht aber auch ein bisschen an den neuen Pächtern im Vereinsheim, lacht Pascal Hely, sportlicher Leiter des VfR, der sich gerade nach einem langen Arbeitstag im Dienste des magentafarbenen T einen Absacker gönnt. „Seit Reema und Nizar da sind, haben wir richtig Glück“, sagt der stämmige Schnurrbartträger überzeugt und klopft Nizar auf die Schulter.

Ob es tatsächlich nur ein bisschen raffinierte arabische Küche brauchte, damit der VfR sein volles Potenzial entfesselt? Wer weiß das schon, aber schaden kann es bestimmt nicht. Denn was Reema und Nizar uns an diesem Abend auftischen, bleibt auf jeden Fall für geraume Zeit unvergessen. Raffiniert gewürztes und zart gegrilltes Shish Tawook für mich, inklusive einer feurigen arabischen Salsa mit so viel Knoblauch, dass ich morgen besser auf allzu engen Körperkontakt verzichte. Für meinen Kollegen Tobi, den linksrheinischen Hügelheld, gibt es Falafel im Fladenbrotkranz, bei dessen erstem Bissen er überrascht die Augenbrauen hochzieht. Normalerweise kennt er Falafel vom Schnellimbiss als eher trockene Angelegenheit, doch diese hier ist saftig und vollmundig.

Unterm Strich ein großartiges Abendessen und eine gute Wahl, was die Location angeht. Alle paar Wochen treffe ich mich mit Tobi irgendwo in der Nähe des Rheins, damit keiner von uns die ganze Strecke fahren muss. Dieses Mal hieß das Ziel also Rheinsheim – und es wurde gleich ein echter Volltreffer.

Dass es hier so gut schmeckt, ist genauso wenig ein Zufall wie der Aufstieg des VfR; dahinter steckt harte Arbeit. Nizar kam mit seinen Eltern als kleines Kind schon in den achtziger Jahren aus Syrien nach Norddeutschland und lebte lange Zeit in Eutin (Ostholstein). In alle Richtungen neugierig und interessiert, absolvierte er zuerst eine Ausbildung als Maurer, entschied sich dann aber für die Gastronomie und eine Kochlehre in der gehobenen Küche.

Jahre später zog er mit der Familie auf die Schwäbische Alb und lernte schließlich in Syrien seine künftige Frau Reema kennen. Er eröffnete eine Pizzeria, betrieb zwischenzeitlich sogar eine eigene Diskothek. Irgendwann verschlug es das Pärchen dann in unsere Region, direkt ans rechte Rheinufer nach Rheinsheim. Hier arbeitete Nizar im Bereich der Fernwärme, zuerst im Angestelltenverhältnis, später selbstständig. Doch am Ende zog es ihn wieder dorthin zurück, wo er sich am wohlsten fühlt: in die Küche. Zusammen kocht das Paar nicht nur authentische syrische und arabische Gerichte, sondern auch italienische Küche sowie ein paar deutsche Klassiker.

In Rheinsheim fühlen sie sich richtig wohl. Der VfR und seine vielen Mitglieder sind für sie zu so etwas wie einer Familie geworden. Tatsächlich sieht man auf den ersten Blick, dass zwischen den Gästen und den beiden Gastgebern eine sehr herzliche Atmosphäre herrscht. Man sitzt beieinander, man redet, man lacht. Es ist eine schöne Stimmung hier oben im ersten Stock, mit Blick auf den heute regennassen Fußballplatz. Die Räume sind wie eine kleine Lounge eingerichtet; man hat aus dem zweckmäßigen Bau das Beste herausgeholt. Gemütliche Stühle, die eigentlich mehr Sessel sind, dick mit Stoff bezogen und in lebendigen Farben. Vor allem Grün herrscht im Raum vor – man findet es auf den Platzsets, den Vorhängen, in den vielen Pflanzen, die überall stehen, auf den Fliesen an der Wand und nicht zu vergessen im satten Grün des Fußballfeldes dahinter.

Wie sagt man so schön: Grün ist die Hoffnung. Die Hoffnung auf den sportlichen Erfolg, die Hoffnung auf einen schönen Abend und die Hoffnung auf ein gutes Essen. Man darf fröhlich vermelden: dreimal Volltreffer in Rheinsheim. Eine klare Empfehlung unsererseits!

Transparenzhinweis: Unsere Gastrotipps sind vollkommen frei, unabhängig und rein redaktionell recherchiert und erstellt. Alle Berichte basieren ausschließlich auf unseren persönlichen Meinungen und individuellen Erfahrungen vor Ort. Wir haben für diesen Beitrag keinerlei Bezahlung, Vergünstigungen oder anderweitige Gegenleistungen erhalten.

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