Es bleibt in der Familie

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Ganz leise und ohne großes Aufhebens vollzieht sich in der Bauerndynastie der Familie Frank gerade ein Generationenwechsel.

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Lassen Sie uns mit dem Wort „Bauer“ beginnen – ein Begriff, der vielfältige Bilder auslöst. Nüchtern betrachtet stammt er vom althochdeutschen „būr“ ab, was „Mitbewohner oder Nachbar“ bedeutet. Heute beschreibt man damit meist einen Landwirt, doch das Wort hat auch eine unschöne Eintrübung erfahren. Manche verwenden es abschätzig, als Beleidigung. Es gibt nicht wenige Kinder aus landwirtschaftlichen Familien, die in der Schule aufgrund des Berufs ihrer Eltern Häme einstecken müssen.

Unverzeihlich, gerade in unserer Region, die von der Landwirtschaft geprägt und groß gemacht wurde. Doch auch dieser Beruf ist einem stetigen Wandel unterworfen – ein Umbruch, der all jene auf der Strecke bleiben lässt, die stur am Altbewährten festhalten. An diesem Umstand tragen wir als Gesellschaft eine Mitschuld, denn nach wie vor romantisieren wir das Bild des kleinen Dorfbauern, der sich mit einem Acker und drei Kühen über Wasser hält.

Zwischen Romantik und Realität

Fakt ist längst: Kleinbetriebe haben kaum noch eine Überlebenschance. Wer hauptberuflich bestehen möchte, muss umdenken, wachsen und mit der Zeit gehen. Die Familie Frank aus Neuenbürg ist diesen Weg konsequent gegangen. Sie hat neue Geschäftsfelder erschlossen, den Betrieb aus dem Dorf nach außen verlegt und ihn durch weitere Standbeine krisenfest aufgestellt. Vom traditionellen Bauern zum multifunktionalen Agrar-Unternehmertum – ein Prozess, der viele Jahre, Schweiß und Herzblut forderte.

Diesen tiefgreifenden Wandel haben Karin und Günther Frank als starkes Fundament der Familie gemeinsam geformt. Als gleichberechtigtes Gespann haben sie das heutige Geschäft von Grund auf aufgebaut, Risiken getragen und die Weichen für die Zukunft gestellt.

Doch auch sie kennen den Culture Clash zwischen Wunsch und Wirklichkeit. „Auch unser Enkel glaubt, dass wir keine richtigen Bauern sind“, lacht das Ehepaar im Interview. „Der sagt, wir sind keine richtigen Bauern, denn die brauchen ja Kühe und Schweine.“

„Bauer ist für uns kein Schimpfwort“, stellt Jochen Frank, einer der drei Söhne der Familie, fest. Er hat sich seit Kindesbeinen nichts anderes gewünscht. Für ihn ist die Arbeit auf dem Feld Entspannung – eine bewusste Auszeit von all dem anderen, was im komplexen Familienbetrieb anfällt. „Wenn ich auf meinem Bulldog sitze, ist das für mich wie Urlaub“, sagt der Junglandwirt, der hin und wieder mit dem eigenen Anspruch an Perfektion zu kämpfen hat. Denn über all die Prozesse auf einem so großen Areal die Oberhand zu behalten, ist schlichtweg unmöglich.

Ein eng verzahntes Unternehmenskonstrukt

Die Familie Frank betreibt am Rand von Kraichtal-Neuenbürg längst ein eng verzahntes Unternehmensnetzwerk, das in zwei Bereiche aufgeteilt ist. Zum einen existiert die Landwirtschaft Jochen Frank, die als schlanker, kostenoptimierter Ackerbau mit den Hauptkulturen Weizen, Mais und Raps geführt wird.

Zum anderen, mittlerweile der dominantere Part, wird die Frank GmbH für Kompostierung und Landschaftspflege betrieben. Sie verarbeitet jährlich rund 15.000 Tonnen Grünschnittkompost zu Erden, Hackschnitzeln und Rindenmulch. Zum Portfolio gehören zudem die Betreuung von Reisig-Sammelplätzen für den Landkreis, die Lieferung von Biobrennstoffen für Heizwerke sowie das Management des Wertstoffhofs der Stadt Kraichtal.

Das alles klingt nach sehr viel Arbeit – und genau so ist es auch. Schon zu Zeiten, als Günthers Eltern als kleine Landwirte aktiv waren, war klar: Für die wachsende Familie reicht der alte Hof nicht mehr. Frische Ideen waren gefragt. Der schleichende Niedergang so vieler kleiner Höfe ist kein persönliches Versagen, sondern Folge einer Politik, die Großbetriebe mit viel Fläche begünstigt und kleinere Betriebe mit bürokratischem Aufwand belastet.

Das Risiko des Wachstums

Den Franks blieb gar nichts anderes übrig, als zu wachsen und Neues aufzubauen, um die Existenz der Familie zu sichern. 1992 begann mit dem Einstieg in die Landschaftspflege der Wandel, der schließlich zur Gründung der GmbH führte. 1997 baute die Familie das Wohnhaus inklusive Büro auf dem Betriebsgelände. Ein einschneidender Schritt folgte mit dem Bau des eigenen Kompostplatzes – eine Investition von einer Million D-Mark unter hohem finanziellen Risiko. Notwendige Risiken, die jedes Mal Alles oder Nichts bedeuteten.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und die Familie Frank hat gewonnen. Ein Sieg, der jeden Tag neu verteidigt werden muss. Bürokratie, Modernisierungen und riesige Ausgaben für neue Gerätschaften erfordern große Verantwortung, bringen aber nicht immer Anerkennung. Durch ihren Aufstieg wird die Familie auch mit Skepsis konfrontiert. Doch wie heißt es im Volksmund: „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich hart erarbeiten.“

Kritik nimmt die Familie dennoch nicht auf die leichte Schulter und versucht, Reibungspunkte zu minimieren. Gerüche bei der Kompostierung lassen sich zwar nicht völlig vermeiden, doch man nimmt Rücksicht. „Man muss nicht abends mit den schweren Anhängern durchs Dorf fahren, wenn das auch noch am nächsten Morgen geht“, weiß Sohn Heiko, fügt aber hinzu: „Wenn ein Gewitter angekündigt ist, geht die Ernte natürlich vor.“ Während Heiko und Jochen den Kern des täglichen Hofbetriebs managen, geht der dritte Sohn, Steffen, als Angestellter in Ettlingen eigene berufliche Wege, packt aber regelmäßig mit an, wenn Not am Mann ist.

Doch so stark der familiäre Zusammenhalt auch ist – ein solches Mammutprojekt lässt sich unmöglich allein tragen. Ohne das große, engagierte Team im Hintergrund, das jeden Tag verlässlich mitzieht, wäre der Erfolg und der reibungslose Ablauf des gesamten Betriebs schlichtweg nicht möglich.

Von Grenzen und neuem Bewusstsein

Um diesen Erfolg überhaupt zu ermöglichen, wurde über Jahre hinweg auf höchster Flamme gebrannt. Das Management ist dabei regelmäßig an seine Grenzen geraten. Ein Erfolg, der zeitweise seinen Tribut in tiefer Erschöpfung forderte. Doch in der Chefetage hat man rechtzeitig die Reißleine gezogen und Hilfe gesucht. Daraus ist ein neues Bewusstsein für die eigenen Grenzen entstanden, auf die seither strikt geachtet wird.

Wie schnell einem die Arbeit über den Kopf wachsen kann, weiß auch die nachfolgende Generation. „Die Kinder sind schließlich auch nur einmal jung“, mahnt Stefanie, Jochens Frau. Und ihr Mann ergänzt: „Dadurch, dass wir so gut aufgestellt sind und Heiko mit im Boot ist, kann ich heute auch mal mittags um drei sagen: Ich gehe jetzt zum Kindergeburtstag meiner Tochter.“ Genau das bedeutet eben auch Selbstständigkeit.

Klare Strukturen für die Zukunft

Zusammen mit seinem Bruder Heiko stellt er künftig die nächste Generation – ein Übergang, der offiziell zum 1. Juli dieses Jahres greift. Den Franks waren klare Regeln und pragmatisches Handeln immer wichtig. Weil zu viel gemeinsame Zeit den Mittagstisch früher oft in geschäftlichen Stress ausarten ließ, zog man Konsequenzen. „Dann hieß es von der Führung: Und ihr guckt jetzt, wo ihr mittags essen tut, fertig. Und das war eine gute Entscheidung“, erinnert sich Jochen. Manchmal muss man eben auseinandergehen, um sich nahe zu sein.

Wie sehr sich die beiden Seniorchefs Karin und Günther Frank tatsächlich aus dem Betrieb zurückziehen werden, muss die Zeit zeigen. Von 100 auf 0 kann sich keiner vorstellen. Beide können das aber mit dem guten Gefühl tun, dass der Hof in guten Händen ist. Auch der Fortbestand in ferner Zukunft scheint gesichert: Jochen und Stefanie haben bereits sechs Kinder, Heiko hat zwei. Da dürfte schon aus statistischer Sicht ein potenzieller Nachwuchs darunter sein.

1 Kommentar zu „Es bleibt in der Familie“

  1. Das schätze ich sehr an den Hügelhelden: Interessante Berichte über das Leben in unserer Gegend. Wie interessant, was von dieser Familie alles auf die Beine gestellt wurde, beeindruckend, wie sie das alles aufgebaut hat und jetzt organisiert! Schön, dass es zusammen so gut funktioniert – Teamwork ist so gut.

    Danke für diesen Einblick an Hügelhelden und Familie Frank!

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