Platzangst

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Kosten verzwanzigfachen sich – Musikverein Münzesheim steht durch Grundsteuerreform unter Druck

Den sogenannten „Musikerplatz“ kennt in Kraichtal fast jeder – insbesondere in Münzesheim, wo das kleine Gelände am Markgrafenring seit vielen Jahren Schauplatz verschiedener Feste und Konzerte des Musikvereins Münzesheim ist. Vatertagsfeste, Après-Ski-Partys, klassische Konzerte – alles, was die Dorfgemeinschaft zusammenbringt, fand hier schon statt. Doch die Reform der Grundsteuer sorgt nun für Unruhe: Die jährliche Abgabe für das Gelände steigt ab 2025 von rund 92 Euro auf mehr als 1.900 Euro.

Für den Musikverein, der sich hauptsächlich über Mitgliedsbeiträge und ein paar Feste im Jahr trägt, ist das eine spürbare Mehrbelastung – zumal der Platz nicht im Eigentum des Vereins steht, sondern einem privaten Förderer der Blasmusik gehört. Der Verein pflegt und nutzt das Gelände im Rahmen einer Vereinbarung, organisiert dort ein paar Veranstaltungen im Jahr. Vorsitzender Ulrich Fesenbeck beschreibt die Situation als schwierig: „Unser Ziel als Musikverein ist es nicht, Geld zu verdienen, um die Grundsteuer zu bezahlen, sondern eigentlich die Bevölkerung mit Musik zu unterhalten und die Kraichtaler Jugend musikalisch auszubilden.“, sagt er gegenüber Hügelhelden.de. 

Es mag verlockend klingen, diese Angelegenheit in schwarz oder weiß, gut und böse zu unterteilen, aber wie immer steckt der Teufel im Detail. Tatsächlich liegen die Umstände nicht vollständig in der direkten Verantwortung der Stadt. Eine Senkung der Grundsteuer kann nur im engen gesetzlichen Rahmen erfolgen und hängt maßgeblich von der Bewertung des Grundstücks durch den Gutachterausschuss und das Finanzamt ab. Die Stadt ist hier an klare Vorgaben gebunden und kann nicht eigenmächtig eingreifen.

Bürgermeister Tobias Borho erklärt, dass die Stadt den Vorgang eng begleitet habe. Sowohl er selbst als auch Fachbereichsleiter Thomas Feßler hätten mehrfach Gespräche mit dem Verein und dem Grundstückseigentümer geführt und sich beim Gutachterausschuss für eine Neubewertung eingesetzt. Der Ausschuss sei jedoch eine eigenständige Behörde und halte an seiner Bewertung fest. Das Areal fällt in den Bebauungsplan „Mönchsweg II“ und wird dort mit einem Bodenwert von 290 Euro pro Quadratmeter eingestuft – eine Kategorie, die im Wesentlichen Wohngebiete abbildet.

Die Musiker im Kraichtal sind nicht alleine, gestiegene Kosten bereiten zahlreichen Problemen Kopfzerbrechen, nicht nur ein Kraichtal. Viele unterhalten eigene Grundstücke oder Vereinsheime und müssen sich ebenfalls mit höheren Steuerlasten arrangieren. Oft werden pragmatische Wege gefunden – durch gemeinsame Nutzung von Flächen oder den Rückgriff auf städtische Veranstaltungsorte. Auch für den Musikverein Münzesheim gibt es mögliche Alternativen: So stellt die Stadt beispielsweise den Festplatz hinter dem Feuerwehrhaus ausdrücklich für Vereinsveranstaltungen zur Verfügung – ein Gelände, das genau für solche Zwecke vorgesehen ist und bereits regelmäßig von anderen Vereinen genutzt wird.

Das Beispiel zeigt, wie komplex die Folgen der Grundsteuerreform für Vereine sein können. Zwischen Ehrenamt, gesetzlichen Vorgaben und steigenden Kosten einen fairen Ausgleich zu finden, ist keine einfache Aufgabe – weder für die Betroffenen noch für die Kommunen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass beide Seiten – Stadt und Verein – im gleichen Boot sitzen: Die Stadt muss gesetzeskonform handeln, der Verein kämpft um die Fortführung einer liebgewonnenen Tradition. Die Hoffnung ist, dass sich beides miteinander vereinbaren lässt – damit auch künftig Musik, Gemeinschaft und Engagement in Münzesheim ihren festen Platz behalten.

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