Halbe Ernte, leidende Bäume

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Streuobstsaison 2026 im Landkreis Karlsruhe geht schwach zu Ende

Wer in diesem Herbst auf große Mengen Most und Saft aus heimischen Gärten gehofft hat, wird enttäuscht: Wie die Streuobstinitiative im Stadt- und Landkreis Karlsruhe in ihrer Erntebilanz vom 14. Oktober mitteilt, fällt die Apfel- und Birnenernte rund um Karlsruhe um etwa die Hälfte niedriger aus als im langjährigen Schnitt. Knapp 200 Tonnen kamen in den Abgabestellen in Malsch und Unteröwisheim zusammen — normalerweise sind es etwa doppelt so viel. Der Grund dafür ist schnell gefunden und dürfte kaum jemanden überraschen, der mit offenen Augen die letzten Monate erlebt hat: Der extrem trockene Sommer.

Dabei hatte das Obstjahr eigentlich vielversprechend begonnen. Blütenansatz und Fruchtbehang deuteten zunächst sogar auf eine überdurchschnittliche Ernte hin. Dann allerdings warfen viele Bäume im Juni und Juli deutlich mehr unreife Früchte ab als üblich, Fruchtfäulen setzten den Äpfeln schon am Baum zu, und was übrig blieb, fiel kleiner aus als gewohnt.

Die Trockenheit hat den Bäumen nach Angaben der Initiative offenbar härter zugesetzt als gedacht: Vorgeschädigte Bäume, etwa durch schwarzen Rindenbrand oder Mistelbefall, haben den Extremsommer häufig nicht überlebt. Exakte Zahlen liegen zwar nicht vor, doch die Zahl der Abgänge sei deutlich angestiegen. Der Hintergrund ist handfest — im wahrsten Sinne des Wortes: Werden die Böden zu trocken, können die Wurzeln weder Wasser noch Nährstoffe aufnehmen. Die Bäume, so die Initiative in Ost-Baden-Württemberger Lakonie, können dann regelrecht verhungern und sich zudem schlechter gegen Schädlinge wehren.

Birnen halten tapfer durch

Für die Birnen war 2026 dagegen ein vegrleichsweise gutes Jahr: Mit rund 42 Tonnen lag die Ernte eine Woche vor Saisonschluss über dem Durchschnitt. Birnbäume wurzeln tiefer als Apfel- oder Zwetschgenbäume und kommen darum mit der Trockenheit besser zurecht — auch wenn viele Birnen länger am Baum hingen und schlechter fielen.

Mit Blick auf die kommende Saison sieht die Initiative Grund zu vorsichtigem Optimismus. Auch die Anlage der Blütenknospen leidet zwar unter Trockenstress, doch für eine durchschnittliche Ernte reichen bekanntlich fünf bis zehn Prozent befruchtete Blüten — die Chancen auf ein normales Obstjahr stünden also grundsätzlich nicht schlecht.

Drainage gegen den Durst

Angesichts der zahlreichen Baumabgänge tritt die Frage des Nachpflanzens in den Vordergrund. Neben standortgerechter Sortenauswahl empfiehlt die Streuobstinitiative, Jungbäume mit einer Drainage auszustatten: Sie soll rund um die Wurzel in etwa 20 Zentimetern Tiefe verlegt und mit einer Öffnung nach oben versehen werden. Darüber lässt sich der Baum gezielter gießen, das Wasser erreicht die Feinwurzeln direkt, und die Wurzeln wachsen tiefer — was Trockenstress mindert, Standfestigkeit erhöht und nebenbei den Gießaufwand spart. Ein kleiner Aufstand gegen den Klimawandel, gewissermaßen im Wurzelbereich.

Die Initiative selbst bewirtschaftet mit rund 300 aktiven Mitgliedern derzeit mehr als 200 Hektar Streuobstwiesen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe; Streuobst und Säfte sind biozertifiziert. Weitere Informationen gibt es unter streuobstinitiative.de.

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