König des Waldes

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Im Kraichgau gibt es viele schöne Wälder – die schönsten aber rund um Eppingen

Eine kornreiche, waldarme Heimat

Unser Hügelland ist nicht gerade das, was man eine waldreiche Gegend nennen könnte. Der Grund dafür liegt auf der Hand – am schönsten formuliert vor ein paar Jahren von einem Gondelsheimer Landwirt, der zu mir sagte: „Der Kraichgau ist schließlich nicht durch Waldwirtschaft groß geworden.“ Da hat er natürlich recht: Unsere Heimat ist als Kornkammer Baden-Württembergs bekannt, vor allem die landwirtschaftliche Nutzung hat sich über Jahrhunderte hinweg bewährt; ausgedehnte Waldgebiete finden sich daher bei uns eher weniger.

Die verbleibenden Waldgebiete sind oft eher klein, selten finden sich hier wirklich alte, gewachsene Baumbestände. Stattdessen wird die bewaldete Fläche zu großen Teilen im Sinne der Nutzholzgewinnung bewirtschaftet. Es gibt natürlich Ausnahmen, zum Beispiel einige Bannwälder, in denen die Natur explizit schalten und walten kann, wie sie möchte – doch das ist leider eher die Ausnahme als die Regel.

Vielfalt unter Druck

Wald ist natürlich nicht gleich Wald: Auch wenn unsere Region gar nicht sonderlich groß ist, unterscheiden sich die Waldgebiete, die wir in ihr vorfinden, teilweise erheblich voneinander. Da gibt es beispielsweise die mittlerweile ziemlich versteppten Nadelwälder in der Rheinebene, daneben die deutlich abwechslungsreicher aufgestellten Waldstücke, die auf dem typischen Kraichgauer Löss- und Lehmboden gewachsen sind. Verändern werden sich aber all diese Wälder – manche schneller, manche langsamer. Der Klimawandel setzt unserer grünen Lunge jedoch stetig und nachhaltig zu; schließlich blicken wir allein in diesem Jahr auf eine monatelange Dürre zurück, kombiniert mit extremer Hitze.

Das ist gleich auf vielerlei Weise traurig und tragisch, denn unsere Wälder beherbergen ein gigantisches Ökosystem, in dem viele Tier- und Pflanzenarten zu Hause sind. Zudem sind sie als die grüne Lunge der Natur bekannt und sorgen durch Fotosynthese und Stoffwechsel für unsere saubere und frische Luft.

Orte der Kraft

Aber neben dieser chemisch-technischen Aufgabe sind Wälder darüber hinaus auch Orte, die uns Kraft spenden – Orte, in denen wir unsere Verbindung zur Natur, zur Erde und dem Geist, der ihr innewohnt, herstellen können. Manche Menschen spüren das mehr, manche weniger, aber wer wachsam und mit allen Sinnen durch den Wald spaziert, der kann spüren, wie alles miteinander zusammenhängt.

Man mag das lächelnd und achselzuckend als esoterische Poesie abtun – ich glaube aber, mit dieser Wahrnehmung nicht allein dazustehen. Franz Kafka hat vor langer Zeit bereits gesagt: „In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.“

Nach meiner Erfahrung lässt sich dieses – nennen wir es „urtümliche Rauschen“ – nicht überall erfahren. Junge, lichte Nutzwälder besitzen es kaum, alte, über Jahrhunderte hinweg gewachsene Wälder dagegen meist schon. Seit Jahren spaziere ich durch jedes bisschen Grün, das ich im Kraichgau finden kann, doch einen echten alten Wald findet man wirklich nur an ausgewählten Stellen.

Der Eppinger Wald

Die schönste, die ich Ihnen vorbehaltlos ans Herz legen kann, ist das dichte Grün im Südosten von Eppingen. Hier findet sich tatsächlich ein größeres, zusammenhängendes Waldgebiet, das sich von Eppingen bis Mühlbach, Kürnbach, Michelbach und Kleingartach erstreckt. Die höchste Erhebung ist der Ottilienberg, ein Ort, an dem schon vor über 10.000 Jahren Menschen siedelten. Hinauf auf den Berg führt ein Pfad, der den Namen Himmelsleiter trägt und tatsächlich aus hunderten Stufen besteht, die es zu nehmen gilt, bevor sie mit einem wunderbaren Ausblick auf das ganze Umland belohnt werden. Durch das ganze Gebiet laufen auch noch Überreste der Eppinger Linien, ein Teil des Limes – ein Befestigungswall aus Zeiten der alten Römer. Ihr Zustand ist vor Ort gut dokumentiert; es gibt sogar noch einen alten Wachturm, die sogenannte Chartaque, der in restauriertem Zustand bestiegen werden kann.

Nicht zu vergessen der Eppinger Waldfühlpfad, der sich vom Ufer des Jägersees aus an den Ausläufern der ersten Höhenzüge des Ottilienbergs entlangschlängelt und viele schön gestaltete Stationen enthält, an denen Sie entdecken, erleben und ausruhen können.

Ein Ort, den Sie auch nicht versäumen sollten, ist der sogenannte „Kraichgaublick“: eine hölzerne Kanzel, von der aus Sie einen herrlichen Blick über Eppingen und sogar noch weit darüber hinaus haben. Vom Waldstadion aus ist die kleine Plattform innerhalb von 30 Minuten erreichbar – ein steiler Aufstieg, der sich definitiv lohnt. Alternativ können Sie natürlich auch über die Himmelsleiter und die Himmelsleiterbrücke auf diesen Pfad gelangen; ein lohnenswerter Umweg, denn hier führen verschlungene Wege durch einen derart grünen und alten Forst, dass Ihnen das Herz aufgeht. Alles ist gut ausgeschildert und erschlossen, dennoch im möglichst naturnahen Zustand belassen: keine asphaltierten oder geschotterten Wege, dafür gut ausgetretene Pfade und sogar hölzerne Stege, die durch eine Moorlandschaft führen.

Hier im Eppinger Wald finden Sie Bäume, die Jahrhunderte überdauert haben und alles miterlebt haben, was sich in der jüngeren Menschheitsgeschichte zugetragen hat: Krieg, Frieden, Niedergang und Aufstieg. Die alten Riesen haben den Wandel der Zeit stumm beobachtet und tragen ihn in ihren hölzernen Herzen. Wenn Sie aufmerksam lauschen, erzählen sie Ihnen vielleicht ein paar ihrer Geschichten.

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