Erfolgreicher Saisonauftakt im Schloss-Café und den Kraichtaler Museen

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von Carmen Krüger / Stadt Kraichtal

Am vergangenen Sonntag wurde die Saison im Schloss-Café und in den Gochsheimer Museen eröffnet. Schwungvoll musikalisch umrahmt vom gemeinsamen Jugendorchester des Musikvereins 1931 Neuenbürg e. V. und des Musikvereins Oberöwisheim 1930, durfte Bürgermeister Tobias Borho mit seiner kleinen Tochter auf dem Vorplatz des Schloss-Cafés die bereitgestellte Torte anschneiden und das erste Tortenstück der neuen Cafésaison servieren. Zahlreiche Gäste ließen sich von der Musikdarbietung unterhalten, um anschließend Kaffee und Kuchen im liebevoll dekorierten Gewölbekeller zu genießen. Das Team des Musikvereins Neuenbürg beteiligt sich seit Jahren an der Bewirtung des Schloss-Cafés und bot den Cafégästen am Eröffnungstag wieder eine herrliche Auswahl an selbstgebackenen Torten und Kuchen.

Um 14 Uhr ging es im 2. Stock des Graf-Eberstein-Schlosses weiter, in dem das Kraichtaler Stadtoberhaupt nebst Tochter die Museumssaison im großen Jubiläumsjahr 2026 einläutete. Er begrüßte die Anwesenden in der diesjährigen Wechselausstellung „135 Jahre Professor Karl Hubbuch und 90 Jahre Margarethe Krieger – Lehrer und Schülerin“ zu Ehren der Beiden mit Kraichtaler Wurzeln. Bürgermeister Tobias Borho bedankte sich für die Neuen, mit viel Herzblut gestalteten, Ausstellungen, anlässlich der Jubiläen. Kunsthistorikerin Eva Wick beeindruckte mit Fachwissen zur neuen Wechselausstellung der Werke von Lehrer und Schülerin. Wick zeigt mit der diesjährigen Wechselausstellung auf, wie sich die beiden Kunstschaffenden beeinflusst oder unterschieden haben und wo es Verbindungen bzw. gemeinsame Spuren gab. Der neugestaltete „Jedermann“-Raum lag ihr besonders am Herzen, hier sind u. a. interessante Aufnahmen aus 1950 zu sehen. Auf der Kunstebene wusste eine lange Weggefährtin Kriegers, Anne Gaidies -eigens aus Münster angereist- teils noch Unbekanntes über die Heidelberger Künstlerin preis zu geben. Sie gratulierte dem Graf-Eberstein-Schloss für seinen reichhaltigen Schatz und zeigte sich sichtlich bewegt von den Räumlichkeiten. Gaidies berichtete vom ersten Treffen, pünktlich um 16:50 Uhr! in Heidelberg in der Mühltalstraße. Jahrelange Bekanntschaft, ja gar Freundschaft, zeichnete die beiden Damen aus, es gab Briefe, die mit „Liebe Anne“ und dann „Liebste Anne“ begannen. Anne Gaidies nahm die Anwesenden quasi mit ins Wohnzimmer Kriegers und sah die Begegnungen mit ihr als Fenster in die Schauspieler-, Schriftsteller- und Musikerszene. Mit Oskar Werner, O. W. Fischer oder Michel Simon seien nur einige ihrer von Krieger geprägten Kontakte/Verbindungen zu nennen. Die Weggefährtin gratulierte Margarethe zu ihrem 90. Geburtstag und wünschte ihr, dort wo sie jetzt ist, „auf jeden Fall eine Staffelei und viele Rohrfedern in der Nähe“.

Gleich im Anschluss führte Torsten Krüger, Mitglied des Heimat- und Museumsvereins und seit über 30 Jahren Mitarbeiter der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) durch die Wechselausstellung „130 Jahre Eisenbahn und 30 Jahre Stadtbahn in Kraichtal“ auf der ersten Etage. Direkt neben dem Rittersaal, in dem am 12. April 1994 die „Stadtbahnvereinbarung“ von Dieter Ludwig (AVG), Bürgermeister Helmut Kritzer (Ubstadt-Weiher), Landrat Dr. Bernhard Ditteney, Oberbürgermeister Bernd Doll (Bruchsal), Bürgermeister Horst Kochendörfer (Kraichtal), Bürgermeister Erich Bamberger (Östringen), unterzeichnet wurde – was für ein historischer Moment für die Bevölkerung. Zahlreiche Kollegen und ehemalige Mitarbeiter der AVG waren nach Gochsheim gekommen, darunter auch der Fahrer der ersten Stadtbahn, die am 1. September 1996, anlässlich des 25. Geburtstags der Stadt Kraichtal, unterwegs war. An dieser Stelle zitierte der damalige Kulturreferent und heutige Stadtrat Karl-Heinz Glaser den „Nahverkehrspapst“ Dieter Ludwig mit den Worten: „Wenn sie dann am Hauptbahnhof Karlsruhe stehen, sehen sie an der Anzeigetafel: Karlsruhe-Paris, Karlsruhe-Berlin, Karlsruhe-Menzingen“. Dies erfüllte alle, besonders den damaligen Bürgermeister Horst Kochendörfer, mit großem Stolz. Anhand anschaulicher Dioramen in H0, die -in unzähligen Stunden- eigens für diese Ausstellung angefertigt wurden, konnten die Besuchenden den Zeitsprung von der Dampflok über den „Entenköpfer“ bis hin zur modernen Stadtbahn erleben. Krüger zitierte einen Teil eines Gedichtes aus der Märzausgabe der ‚Wochen Zeitung für Stadt und Land‘ von 1896, in der zur ersten Eisenbahnfahrt folgendes geschrieben war: „Dann werden alle Leut´ der Eisenbahn sich freuen, dann wird man jederzeit der Bahn Vertrauen leihen. Dann sieht man nicht so sehr die großen Kosten an, man freut sich immer mehr der neuen Eisenbahn!“ Ebenso dargestellt wurde die „weitere“ Bahn, die durch Kraichtaler Gemarkung fährt: Der Abschnitt der Schnellfahrstrecke Stuttgart-Mannheim durchquert Kraichtal bei Oberacker bspw. an der Frauenwaldbrücke. Hier zeigt das Diorama einen Feuerwehreinsatz am Tunnelportal, da die Kraichtaler Feuerwehr als Portalwehr im Ernstfall eingesetzt wird.  Historische Fahrkarten und die originale Schaffneruniform Krügers aus den 1990er Jahren sowie als Highlight eine gusseiserne Glocke der Dampflok 21 aus dem Jahr 1928 runden die Ausstellung ab. Heute fast unvorstellbar, wie der Bahnbetrieb ohne elektronisches Stellwerk, Tablet für Triebfahrzeugführende, Signale und Rückfallweichen funktionieren konnte. Auch Krüger stand noch für Fragen am Nachmittag zur Verfügung.

Allen die zum Gelingen der beiden Wechselausstellungen beigetragen haben, gilt ein großer Dank, besonders aber den Leihgeberinnen und Leihgebern. Kuratorin Eva Wick hatte auf der Kunstebene wieder einmal keine Mühen gescheut, um die Ausstellungen im Graf-Eberstein-Schloss ansprechend aufzubereiten. Sie bedankte sich beim diesjährigen Kooperationspartner Torsten Krüger für die detaillierte Vorarbeit, die akribische Recherche und die Bereitstellung zahlreicher Modelle und war, wie das Publikum, erstaunt über sein großes Expertenwissen.

Die facettenreiche Bügeleisensammlung und die Archäologie-Ausstellung, in der Funde aus dem Rollenbergtunnel (Schellfahrstrecke Stuttgart-Mannheim) zu sehen sind, war ebenso geöffnet.

Auch die nahegelegenen Bäckereimuseen öffneten ihre Pforten an diesem Sonntag, bei freiem Eintritt. Die Gochsheimer Museen und das Schloss-Café haben ab sofort bis 29. November jeden Sonntagnachmittag geöffnet und freuen sich auf Gäste aus nah und fern. Weitere Infos zum Mega-Jubiläumsjahr, denn Kraichtal feiert in diesem Jahr auch noch seinen 55. Geburtstag, gibt es unter: www.kraichtal-tourismus.de