Auch wenn der Ozean weit weg scheint, hat er doch auch für uns Kinder der Hügel eine geradezu existenzielle Bedeutung. Die junge Gondelsheimerin Antonia Spielvogel hat sich dem Meer und seiner Ökologie verschrieben – sie möchte die Menschen für dessen Bedeutung sensibilisieren.
Sommer, Sonne, azurblaues Wasser. So stellen sich viele von uns den perfekten Urlaub vor. Und wer weiß – vielleicht lesen Sie diesen Artikel ja gerade am Strand, während Sie auf den unermüdlich brandenden Ozean blicken. Was Sie sehen, ist ein friedliches Bild von unermesslich viel Wasser, das in sanften Wellen an den Sandstrand wogt. Was Sie nicht sehen können, ist ein bedeutender Teil unseres globalen Ökosystems, dem es alles andere als gut geht.

Hier sind die Fakten: Unsere Meere stehen am Rand des ökologischen Kollapses – und dafür tragen wir Menschen die Verantwortung. Unsere Spuren und fahrlässigen Hinterlassenschaften sind längst bis in die entlegensten Winkel dieser Welt gedrungen. In tiefen Gräben und abgelegenen Regionen wurde bereits Mikroplastik nachgewiesen, ganze Riffe sterben durch die zunehmende Erwärmung und Versauerung der Ozeane ab, und in vielen Küstenregionen werden gewaltige Mengen an Müll und Giftstoffen ungefiltert ins Meer geleitet. Gleichzeitig zerstört industrielle Schleppnetzfischerei jahrtausendealte Lebensräume in wenigen Minuten – sogar in offiziell ausgewiesenen Schutzgebieten. Die Ozeane, einst Quelle allen Lebens, drohen zur globalen Müllhalde zu werden. Ohne ein radikales Umdenken wird das fragile Gleichgewicht dieses gewaltigen Ökosystems unwiederbringlich verloren gehen – mit katastrophalen Folgen für das Leben auf unserem Planeten.
Aber was hat denn der Ozean mit uns Bewohnern des süddeutschen Binnenlandes zu tun, werden Sie vielleicht denken? Die Antwort darauf gibt Ihnen Antonia Spielvogel – sie weiß es, denn sie interessiert sich, seit sie denken kann, für Meeresbiologie, für die Ökologie der Ozeane und setzt sich leidenschaftlich für deren Schutz ein. Wir treffen sie im Gondelsheimer Rathaus, zusammen mit Bürgermeister Markus Rupp – quasi auf dem Sprung, denn Antonia ist gerade dabei, aus dem Kraichgau in den Norden zu ziehen, näher an ihr geliebtes Meer und vor allem an ihren künftigen Studienplatz für Meeresgeowissenschaften an der Universität Bremen.
„Kein einziger Mensch kann ohne den Ozean überhaupt existieren“, sagt sie mit einer Gewissheit, die sofort aufhorchen lässt. „Wir sind alle Blue Citizens, einfach weil wir auf dem blauen Planeten leben.“ Was sie damit meint, könnte man vielleicht wie folgt auf den Punkt bringen: Unsere Ozeane sind ein zentrales, globales Lebenserhaltungssystem – unabhängig davon, ob wir an der Küste leben oder in den grünen Hügeln des Kraichgaus. Sie produzieren über 50 % des Sauerstoffs, den wir atmen, absorbieren riesige Mengen an CO₂, regulieren das Weltklima und steuern Wetter- und Niederschlagsmuster. Ohne das Meer gäbe es kein stabiles Klima, keine fruchtbaren Böden, keine globalen Nahrungsketten. Kurzum: Das Meer ist existenziell für jeden einzelnen Menschen – egal ob in Gondelsheim oder auf den Fidschi-Inseln.
Und dem Meer geht es schlecht, gerade weil viele Menschen noch nicht begriffen haben, welche zentrale Rolle ihm zufällt. Zu diesen zählt Antonia definitiv nicht. Sie setzt sich ein, sie macht sich stark, sie will informieren und aufklären. Keine leichte Aufgabe – war es noch nie für die Überbringer unbequemer Botschaften. Obwohl sie gerade einmal 17 Jahre alt ist und vor wenigen Wochen ihr Abitur in Bretten abgelegt hat, bringt sich Antonia ein, wo sie nur kann. Sie hat bereits ein Praktikum am GEOMAR in Kiel absolviert, ein Forschungspraktikum bei einer Doktorandin ergattert, das ihr Einblicke in viele Fachbereiche gab. Sie ist Mitglied im Young Citizens Council for the Ocean, war Teilnehmerin bei EarthAge International und setzt sich beherzt gegen das chronisch ungesehene Übel der Schleppnetzfischerei ein.
Beeindruckender Höhepunkt ihrer jungen Vita: die Teilnahme an der UN Ocean Conference und der direkte Austausch mit hochrangigen Vertretern – etwa mit Bundesminister Sebastian Unger, der als renommierter Experte für den Meeresschutz gilt.

Mit ihrer Arbeit will Antonia etwas bewegen, will später in die Forschung, sich für den Schutz der Meere einsetzen und Verfahren sowie Techniken entwickeln, die die Schäden und Sünden der Menschheit an den Ozeanen ein Stück weit lindern können. Und sie will informieren – nicht irgendwann, sondern schon heute. Deswegen hat sich Antonia unter anderem an Bürgermeister Markus Rupp gewandt und um Raum für eine solche Veranstaltung gebeten: einen Workshop, bei dem sie den Menschen Zusammenhänge, Faszination und Problematik der Entwicklungen rund um unsere Meere näherbringen möchte.
Im Rahmen der „Werkstatt Gondelsheim“ will sie dabei eindrucksvoll aufzeigen, warum der Zustand der Meere auch im Landesinneren Thema sein muss. Unter dem Titel „Du bist ein Blue Citizen – auch im Kraichgau“ will sie vermitteln, wie stark unser aller Leben mit dem Zustand der Ozeane verknüpft ist – unabhängig von der geografischen Entfernung zur Küste. Mit anschaulichem Bildmaterial, konkreten Daten und persönlichen Erfahrungen klärt sie über die dramatischen Folgen der Schleppnetzfischerei in Meeresschutzgebieten auf und lädt zur Diskussion über sinnvolle Schutzstrategien ein. Dabei wird deutlich: Der Schutz der Meere beginnt nicht am Strand, sondern im Bewusstsein jedes Einzelnen – auch mitten im Kraichgau.

„Ich bin mehr als nur beeindruckt von der Zielstrebigkeit und ihrem starken Willen, etwas zu bewegen“, so Bürgermeister Markus Rupp, der für den Workshop den Ratssaal der Gemeinde zur Verfügung gestellt hat. „Ich hoffe sehr, dass möglichst viele Menschen – nicht nur aus Gondelsheim – ihr Angebot annehmen werden.“
Die Veranstaltung, die im Titel auch die englische Entsprechung von „Aus den Augen, aus dem Sinn“ trägt (Out of sight, out of mind), findet am 20. September um 17.30 Uhr im Ratssaal des Gondelsheimer Rathauses statt. Die kostenlose Veranstaltung richtet sich an alle ab 14 Jahren und beinhaltet neben dem eigentlichen Workshop auch zahlreiche illustre Gastredner.
Noch immer ist der Treibstoff für Schiffe nicht frei von Problemen.. Getan wird aber nichts. Kein Mensch kann ohne das so verhasste CO2 leben. Aber die NGO’s mit ihrem großen Einfluss erzählen uns etwas anderes.