BUND prangert Sicherheitsmängel im AKW Philippsburg an

BUND prangert Sicherheitsmängel im AKW Philippsburg an
Das Atomkraftwerk Philippsburg
Der BUND sorgt mit seiner nun veröffentlichten Studie „Atomkraft 2018“ für Wirbel. So zeigten die Ergebnisse der Untersuchung, dass beim Betrieb von deutschen Atomkraftwerken  große Risiken in Kauf genommen würden. Der BUND erneuerte in diesem Zuge auch seine Forderung nach einer schnellstmöglichen Abschaltung des verbleibenden zweiten Reaktorblocks in der Anlage Philippsburg, da auch dort weitere Sicherheitsmängel festgestellt worden seien. Mehr dazu in der Mitteilung des BUND:

Katastrophenschutzplanung vernachlässigt – Atomaufsicht versucht Risiken in den Griff zu bekommen

Philippsburg/Karlsruhe/Berlin. Kurz vor dem 32. Jahrestag des Atomunglücks von Tschernobyl hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute in Berlin die neue Studie “Atomkraft 2018 – sicher, sauber, alles im Griff ?“ veröffentlicht. Die Atomsicherheitsexpertin, Oda Becker, untersuchte darin die Risiken der sieben noch in Deutschland laufenden Atomkraftwerke (AKW). Mit dem Ergebnis: auch in Deutschland ist jederzeit ein größerer Störfall oder ein Super-Gau möglich, ausreichende Katastrophenschutzpläne liegen nicht vor. „Die Risiken der Atomkraft sind zu groß und der Bevölkerung nicht länger zumutbar“, kommentierte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Atompolitik, weg vom Schutz der AKW-Betreiber, hin zum Schutz der Bevölkerung. Die in Deutschland noch laufenden Atomkraftwerke müssen möglichst sofort abgeschaltet werden.“

„Auch für Block 2 des Atomkraftwerks Philippsburg, der sich noch im Leistungsbetrieb befindet, gilt: Mängel, die u.a. auf fehlerhafte Montage und Instandhaltung zurückzuführen sind, werden weiterhin regelmäßig entdeckt, so auch in den vergangen zwei Jahren. Wir fordern deshalb zum Schutz der Bevölkerung das AKW Philippsburg schnellstmöglich abzuschalten,“ so Armin Gabler, Vorsitzender des BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein. „Ein Zuwarten bei der Abschaltung bis Ende 2019, wie vom Betreiber geplant, halten wir für unverantwortlich.“

Hartmut Weinrebe, BUND-Regionalgeschäftsführer und Mitglied der Infokommission zum AKW Philippsburg ergänzt zu den Inhalten der Studie: „Es wird leider einmal mehr deutlich, dass das für die Katastrophenschutzplanung zuständige Innenministerium die Aufgabe verschläft, die Erkenntnisse der Fukushima-Katastrophe zu berücksichtigen.“ Spätestens die seit Februar 2014 vorliegenden Empfehlungen der Strahlenschutzkommission SSK hätten umgehend zu einer Überarbeitung der Evakuierungsplanung führen müssen. Auf dieses Thema habe der BUND mehrfach in der Infokommission hingewiesen. „Wer vorliegende Erkenntnisse bei der Katastrophenschutzplanung ignoriert, vernachlässigt den Schutz der Bevölkerung,“ betont Weinrebe. „Die bestehenden Pläne für die Evakuierung und die Ausgabe von Jodtabletten sind unzureichend.“

Immerhin als Trostpflaster für Baden Württemberg: Die Atomaufsicht schneidet etwas besser als der Bundesdurchschnitt ab: So hat diese beispielsweise eine nicht verpflichtende, erweiterte Sicherheitsüberprüfung des AKWs Philippsburg 2 auf Grundlage des neuen Regelwerks durchgeführt. Ebenso wurden in Hinblick auf Schwachstellen im Nichtleistungsbetrieb zumindest Signalisierungen für den Ausfall der Nachkühlung nachgerüstet. Positiv bewertet die BUND-Studie auch, dass in Baden-Württemberg Meldekriterien für Ereignisse streng ausgelegt werden, und damit verhindert wird, dass Mängel unter den Tisch gekehrt werden.

„Doch auch eine ernsthafte und gewissenhafte Atomaufsicht und die Verbesserung der Informationskultur – beispielsweise durch die Einrichtung der Infokommission – darf nicht darüber hinwegtäuschen: Das größte Risiko der Atomkraftnutzung geht vom Leistungsbetrieb der AKWs aus“, so Weinrebe. „Die sofortige Abschaltung des AKW Philippsburg bleibt damit die wichtigste Maßnahme für die Sicherheit der Menschen in der Region und weit darüber hinaus.“

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