Später als geplant und anders als gedacht begannen nun die Bauarbeiten für den neuen Kindergarten am Unteröwisheimer Gaisberg – mit einem bürgermeisterlichen Baggerbiss.
Was für ein Bild im leichten Nieselregen am Mittwochvormittag am Unteröwisheimer Gaisberg: Der Bürgermeister schiebt symbolisch etwas Sand mit dem Löffel des kleinen Minibaggers umher. Da fällt einem doch als Mike-Krüger-Fan der ersten Stunde gleich die kultige Zeile ein: Das ist Borho mit dem Bagger, und er baggert noch. Oder war es Bodo? Wurscht – aber eines ist sicher: Kraichtals Bürgermeister Tobias Borho baggert gerne. Bauen, bauen, bauen gehört zu den Maximen, die er auch von seinen politischen Vorbildern übernommen hat, erzählte er uns schon damals bei seinem Amtsantritt. Ein Leitsatz, den man angesichts von Flächenfraß und Versiegelung mit gemischten Gefühlen sehen kann – aber man möge es Tobias Borho im positiven Sinne auslegen, denn was er bauen will, soll schließlich Kraichtal und seinen Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen.

Doch mit dem Bauen ist das gar nicht so einfach. Es gibt vielerlei Dinge, die vor dem ersten Baggerbiss geschehen können – und im Falle des geplanten Kraichtaler Kindergartens am Gaisberg in Unteröwisheim sind davon auch zahlreiche eingetreten. Man könnte das mehrjährige Unterfangen auch eine kleine Odyssee nennen. „Es war ein langer Weg“, beginnt der Bürgermeister seine Ansprache, umweht vom feschen Kraichtaler Wind, in dessen Lüfte sich bald auch reichlich Regen gesellen sollte. Viele unerwartete Umstände seien eingetreten, formuliert Tobias Borho aus – darunter reichlich Briefverkehr mit der Baurechtsbehörde, um mal nur einen Spieler in dieser komplizierten Gemengelage zu nennen. Wie viel Wasser seither den Kraichbach heruntergegangen ist, lässt sich mit einem Blick auf die Chronologie des Projektes erahnen. Von der ersten Idee 2022 bis zur erwarteten Eröffnung 2026 sind es immerhin stolze vier Jahre – reichlich Zeit für ein Bauvorhaben, das ohne Zweifel dringend benötigt wird und überdies der guten Sache dient. Wir reden hier schließlich von einem Kindergarten.

Ganz ursprünglich sollte dieser Kindergarten im Erdgeschoss eines größeren Gebäudes untergebracht werden, welches überdies noch mehrere Wohnungen darüber beherbergen sollte. Doch das war ganz offenkundig zu groß gedacht – letztlich votierte der Gemeinderat für die kleinere Lösung: einen eingeschossigen Kindergarten. Vier Gruppen soll dieser beherbergen, Träger ist der in Unteröwisheim als Schlossherr bekannte CVJM, Bauherr ist die Stadt Kraichtal. Etwa 6 Millionen Euro fließen in den Bau, knapp 2 Millionen davon werden durch Landesmittel generiert. Es ist ein Kindergarten, der in der Stadt dringend benötigt wird. Zusammen mit dem geplanten Neubau in Münzesheim soll die Kapazität der städtischen Kinderbetreuung so weiter ausgebaut werden. Das ist nicht nur nice to have, sondern pure Erfordernis – definiert im regelmäßig aktualisierten Kindergartenbedarfsplan. Für Kraichtal ganz sicher eine der großen Prioritäten, hohe Ausgabe hin oder her – denn die Stadt verfügt kaum über große wirtschaftliche Player, die über Gewerbesteuern Geld in die Kassen spülen. Kraichtal ist vielmehr beliebter Wohnort bei jungen Familien – quasi die DNA-Frischzellenkur der Stadt, für die es gilt, sich attraktiv aufzustellen.

Gebaut wird dabei modern und innovativ, erläutert Ulrich Homfeld vom Architekten-Team Element-5: „Es wird ein zukunftsfähiges Gebäude in nachhaltiger und ökologischer Holzbauweise, dessen Architektur sich vorrangig an den Bedürfnissen der vielen kleinen und großen Menschen orientiert, für die es gebaut wird…“ so der Karlsruher Planer in seinem kurzen Grußwort. Erfreut über den Baustart zeigten sich auch Felix Junker vom CVJM Baden sowie dessen Generalsekretär Matthias Kerschbaum, der am Ende noch ein kurzes Gebet für einen guten Bauverlauf formulierte. Es sei immerhin die erste Kindertagesstätte unter Trägerschaft des CVJM im süddeutschen Raum.
Geht alles gut, soll in Kürze der Bau beginnen – die Fertigstellung ist dann ein weiteres Jahr später geplant. Zahlen und Prognosen, die möglicherweise ein ganz klein wenig Skepsis verdienen – schließlich hätte das ursprüngliche Projekt, inklusive 24 Mietwohnungen, nach ebenso ursprünglicher Planung schon 2023 an den Start gehen sollen. Dem gegenüber steht aber der prophetische Text von Mike Krüger, der hoffnungsvoll stimmt:
„Er baggert gern weit, und er baggert gern tief. Ja, wo Bodo baggert, da geht nie was schief.“