Zaisenhausens Mini-Mall eröffnet

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Neuer Netto-Markt am Ortsrand vereint Supermarkt, Getränke- und Drogeriemarkt

Manch einer mag sich vielleicht noch daran erinnern, als die ersten Discounter-Märkte in den Siebzigern und Achtzigern im Kraichgau an den Start gingen. Große, schmucklose, hallenartige Gebäude ohne jeden Chic und Eleganz, mit braunen Bodenfliesen und nackten Wänden – vollgestopft mit Paletten und aufgerissenen Kartons. Relativ lang wurde an diesem Bild auch nicht wirklich gearbeitet, Discounter setzten weniger auf Ästhetik, mehr auf Masse und günstige Preise.

Wenn man sich die nagelneue Filiale der Handelskette Netto am Ortsrand von Zaisenhausen ansieht, dann erinnert gar nichts, aber wirklich gar nichts, an diese Pioniertage im deutschen Einzelhandel vor über 50 Jahren. Was hier in der Kraichtalstraße entstanden ist, ist ein moderner Markt neuester Bauart und mit einem Angebot, das für eine kleine Gemeinde wie Zaisenhausen geradezu außergewöhnlich ist. Dazu muss man fairerweise sagen: Netto ist kein klassischer Discounter. Das Sortiment umfasst beispielsweise hier in Zaisenhausen rund 5000 Artikel, deutlich mehr als die etwa 1.500 bis 3.500, die für einen Discounter üblich sind. Allerdings auch deutlich weniger als die über 10.000 Artikel in einem sogenannten Vollsortimenter, einem klassischen großen Supermarkt.

Ökologische und energetische Kampfansage

Die neue Filiale hier im gerade mal 1.800 Seelen starken, kleinsten Dörfchen im Kraichgau ist dennoch in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Das geht bereits beim Gebäude los: energieneutral gebaut, fast vollständig aus heimischem Holz errichtet, ökologisch und energetisch eine echte Kampfansage des Projektentwicklers S&B aus Rottweil. Stolz verweist Geschäftsführer Thomas Adler auf den Energieausweis, der gut sichtbar neben der Eingangstür hängt.

Die Werte darauf sind tatsächlich erstaunlich: Der Primärenergiebedarf liegt bei sehr effizienten 58,9 kWh/(m²·a). Auf der Farbskala des Energieausweises befindet sich der Wert ganz links im grünen Bereich und lässt sogar den strengen gesetzlichen Neubau-Standard deutlich hinter sich. Zum Vergleich: Ältere Supermärkte oder Gewerbegebäude verbrauchen oft ein Vielfaches davon.

Vertreter des Gemeinderates, das Projektentwicklers S&B, von netto, sowie die Bürgermeisterin bei der Eröffnung

Mit der großen PV-Anlage auf dem Dach kann sich das Gebäude problemlos selbst versorgen. Für die Winterzeit und dunkle Tage liebäugelt Thomas Adler auch mit einem großen Speicher, wenn die Voraussetzungen dafür irgendwann gegeben sind. Während S&B nicht nur Entwickler, sondern gleichzeitig auch Bauherr und Eigentümer des Gebäudes ist, steht Netto in dieser Gleichung als Mieter da – so handhabt es das vor beinahe 100 Jahren in Regensburg gegründete Großunternehmen regelmäßig, erzählt André Klier, der als Gebietsleiter bei Netto für die Expansion verantwortlich ist.

Mut auf dem Land

Auffällig ist tatsächlich, dass Neueröffnungen von Supermärkten im ländlichen Bereich häufig Netto zugeordnet werden können. Kaum ein anderer Handelsriese ist derart aktiv in diesem Sektor. „Netto hat einfach den Mut, auch Potenziale auf dem Land zu erschließen“, weiß Standortentwickler Joachim Winter, der für S&B schon viele neue Netto-Filialen realisiert hat. (Übrigens: Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Montag in einem umfangreichen Beitrag hier auf hügelhelden.de.)

Doch nicht nur unter der Haube kann der neue Markt in Zaisenhausen überzeugen. Zum einen ist er einer der modernen Modelmärkte neuester Generation, auf die Netto künftig setzen möchte. Zum anderen bietet er ein so umfangreiches Sortiment an, dass Zaisenhausen künftig die komplette Nahversorgung innerhalb der eigenen Gemeindegrenzen erledigen kann. Neben klassischen Lebensmitteln gibt es hier auch zahlreiche Drogerieartikel sowie einen umfangreichen Getränkemarkt. Auf einer externe Bäckerei hat man verzichtet, auch hinsichtlich der in Zaisenhausen beliebten verbleibenden Handwerksbäckerei Schäfer, deren Nachfolge in der nächsten Generation bereits gesichert ist. Unabhängig davon gibt es natürlich die gängigen Backwaren in Selbstbedienung in der Filiale von netto.

Langer Weg zum eigenen Supermarkt

Am heutigen Dienstag hat die neue Filiale am Ortsausgang Richtung Flehingen das erste Mal geöffnet. Lange und sehnsüchtig wurde dieser Tag von den Menschen im Dorf herbeigesehnt – auch von Bürgermeisterin Cathrin Wöhrle, die sich nach langen Jahren der Planung endlich am Ziel sieht. Viele Hindernisse galt es im Vorfeld beiseite zu räumen, viele Entscheidungsträger zu überzeugen. Als kleiner Ort ohne den Status eines Unterzentrums war keine automatische Berechtigung für einen Supermarkt gegeben. Vor allem das Regierungspräsidium musste daher zuvor an Bord geholt werden; die Gemeinde hat mit einem umfangreichen Zahlenwerk die Notwendigkeit für die Ansiedlung akribisch nachgewiesen.

Die Bürgermeisterin ist happy, der neue netto ist da

Unterstützt habe man auch S&B sowie Netto bei der konkreten Umsetzung, bei der Kommunikation und der Organisation vor Ort, so die Bürgermeisterin. „Wer uns eine Chance gibt, so wie Netto jetzt, der weiß, wir sind ein verlässlicher Partner und wurde auch nicht enttäuscht.“

Dennoch, ein paar Jahre hat das ganze Unterfangen am Ende doch gedauert, dicke Bretter mussten gebohrt werden. Am Ende habe es sich aber gelohnt, lacht Cathrin Wöhrle entspannt in der warmen Spätsommersonne auf dem ersten Supermarktparkplatz der Gemeinde Zaisenhausen: „Aber bei einer tausendjährigen Geschichte finde ich es immer noch in Ordnung, dass unser erster großer Supermarkt jetzt da ist.“

🍊 Das Phänomen Netto im Kraichgau

Warum gerade dieser Handelsriese den Mut besitzt, im ländlichen Raum neue Wege zu gehen, und welche Taktik hinter der Expansionswelle steckt, beleuchtet unser großes Feature am kommenden Montag. Ein Blick auf die Zukunft der Nahversorgung und eine Wette auf das Leben auf dem Land.

Mehr dazu am Montag
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1 Kommentar zu „Zaisenhausens Mini-Mall eröffnet“

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