Selfmade-Brüder

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Mit dem riesigen neuen Logistikzentrum an der A5 haben die beiden Brüder Sascha und Jochen Dabelstein nicht nur ein ganz neues Kronauer Quartier ersonnen sondern auch den Sprung zurück in ihre alte Heimat vollzogen.

Zur Logistik und der dafür notwendigen Infrastruktur pflegen die meisten von uns einen eher schizophrenen Umgang. Einerseits wollen wir alle Waren dieser Welt in den Regalen unserer Supermärkte oder Onlineshops schnell und sofort verfügbar wissen, andererseits regen wir uns über die LKW auf der Autobahn und deren riesige Umschlagplätze leidenschaftlich und regelmäßig auf. Siedelt sich irgendwo ein neues Logistikunternehmen an, lässt das Grummeln nicht lange auf sich warten. Klar, Warenverkehr findet nicht im Heimlichen hinter den Kulissen statt, er ist sichtbar, zu jeder Tages und Nachtzeit. In Philippsburg oder in Östringen kann man ein Lied davon singen, hier rauschen die Lastwagen stadtnah über die meist nur zweispurigen Bundesstraßen ihrem Ziel entgegen, Stoßstange an Stoßstange mit jenen, denen das so gar nicht schmeckt.

Ähnliche Befürchtungen wurden auch laut, als vor wenigen Jahren der Bau des neuen riesigen Logistikzentrums an der A5 bei Kronau in die konkrete Umsetzung ging. Primär im Auftrag der REWE Group entstand hier auf einer Fläche von mehreren 10.000 m² ein riesiges Areal inklusive gigantischer Lagerflächen nach modernsten Standards. Hinter diesem XXL-Bauvorhaben stecken die Brüder Jochen und Sascha Dabelstein mit V&V Projects. Die Firma gehört zu ihrer V&V-Gruppe, die 1996 mit einer kleine Logistikfirma startete. Inzwischen erwuchs daraus ein branchenübergreifender Riese: Logistik, Onlinehandel, Hallenbau arbeiten Hand in Hand. Und das sind zwar die wesentlichen, aber noch nicht einmal alle Bestandteile ihres beachtlichen Portfolios.

2023 ging das neue Quartier an der A5 bei Kronau in Betrieb, seither werden hier unzählige LKWs und ihre Ladungen abgefertigt, dennoch geht das ganze vergleichsweise Geräuschlos über die Bühne. Der große Joker ist hier eben die direkte Anbindung an die Autobahn, die Gemeinde Kronau bekommt von alldem kaum etwas mit, bestätigt uns auch Bürgermeister Frank Burkart: „Wir haben von Tag eins an bisher keine einzige Beschwerde erhalten“ erzählt he stolz. Das ganze hätte sicherlich anders ausgesehen, wäre der erste Entwurf für die Ansiedlung des Logistikzentrums realisiert worden, der Bau auf der Erweiterungfläche des Gewerbegebietes Heidig. Zuerst erschien das auch alternativlos, ging man doch allgemein davon aus, dass Gewerbegebiete immer einen direkten räumlichen Bezug zur ausweisenden Gemeinde haben müssen. Doch Frank Burkart sah das anders und schaffte im Schulterschluss mit dem Regierungspräsidium eine Art Perspektivwechsel, wie er uns am Telefon erzählt. „Es ging darum den Blick zu drehen, der neue Entwurf stammte aus meiner Feder“ berichtet er von den intensiven Gesprächen, die dem Vorhaben vorausgingen. Letztendlich gelang es ein Gebiet zu ertüchtigen, dass zur Wohnbebauung reichlich Abstand aufweist. Dennoch eine echte Mammutaufgabe, wie auch Jochen Dabelstein, der jüngere der beiden Brüder skizziert. Es galt Gespräche mit über 250 Grundstückseigentümer zu führen, am Ende gelang es ein zusammenhängendes Areal in der passenden Größe zu erschließen.

Der größte Teil des Geländes gehört zur REWE-Gruppe – Hier ein Gebäude von Penny

Tatsächlich kann man vom Rand des Logistikzentrums aus Kronau sehen, ganz in der Ferne, mit reichlich räumlichen Puffer dazwischen. Lärmbelästigung dürfte auf diese Distanz kein Thema sein. Man könnte auch sagen, wenn es schon ein funktionelles Mega-Gebilde wie dieses braucht, dann ist der Standort in mitten einer ansonsten dicht besiedelten Region, nahezu ideal gewählt.

Doch wir sind eigentlich die beiden, die diesen riesigen Stein ins Rollen gebracht haben? Wurzeln haben die Brüder im ländlichen Rot, doch die Kindheit war geprägt vom Globetrotter-Dasein des Vaters als Lehrer im Auslandsschuldienst. Fünf Jahre Beirut, Zwischenstationen in Deutschland und prägende Jahre in Ecuador mit spanischem Abitur formten Jochen (Jg. 1976, frisch 50), während der sieben Jahre ältere Bruder Sascha (Jg. 1969) in Deutschland studierte und über Semesterferien zu Besuch kam. Jochens damaliges Leben: Rock- und Funk-Drummer, eigene Band mit TV-Auftritten in Ecuador, dazu der verworfene Traum vom Toningenieurstudium.

.. und ganz hinten die Gemeinde Kronau

Schon im Kindesalter (mit 7 und 14) gab es Kneipen-Fantasien (Koch und Service), 1996 wurde es ernst: Im Pharmabüro-Aushilfsjob ging der Logistiker pleite, die Brüder sprangen pragmatisch ein. Start im Elternkeller in St. Leon-Roth mit 5–6 Mitarbeitern für Werbepäckchen (Impfpässe, Spritzkanülen, Plüschtiere). Der Name V&V stand trocken für Verpackung und Versand, schmunzelnd übersetzt von Kunden als „vielleicht verschickt“ oder von Mitarbeitern als „vereinnahmt und versklavt“. Nach Jochens Studium bei Schenker folgte 2001 die GmbH mit schmalen 25.000 Euro Elternkapital.

Und dann? Umzug nach Mannheim (Start mit 1.000 qm, temporäres Schlafen zu acht in der Halle) und erster Großauftrag. Nach der Niederlassung Hamburg folgte 2005 der E-Commerce-Pionierstart (Bodenschutzmatten und Whiteboards). Harte Lektion 2010/2011: Nach Garagen-Overkill und Fixkosten-Druck konsequenter Schwenk zu eigenen Marken.

Heute greift alles ineinander: V&V Group mit Management-Team, synergetischer Logistik, Online-Unit, Hallenentwicklung (V&V Projects, gewachsen aus eigenem Hallenbau-Know-how) sowie Event- und Gastro-Erweiterung. Kürzen wir es etwas ab: Erst Logistikpioniere, heute ein starkes Familien-Multi-Tool.

Eine Erfolgsgeschichte, die die Brüder offenbar genau so zu begehen beabsichtigten, wie alles andere: richtig groß. Zwei Tage lang wurde nun im Logistikzentrum Kronau nach allen Regeln der Kunst gefeiert. Freitag mit Führungen, Interviews, Podiumsdiskussionen und gutem Essen, am Samstag bei der Casino Royale Night mit Live-Band (Running Five), Food-Stations, Tombola und DJ bis in den jungen Morgen.

Ach ja, das Feiern haben die Dabelsteins auch ein Stück weit professionalisiert, dafür eine eigene Eventfirma samt passende Location gegründet. Ganz oben auf ihrem Bürogebäude, findet sich das Plicana Kronau – eine Eventlocation mit Dachterrasse, Bars & Eventküche. Dazugehört gehört auch ein privater Strand, ein kleines Stück der Seefläche des benachbarten Lußhardtsee. Diesen hat die Gruppe gänzlich von der Gemeinde Kronau gepachtet, den größten Teil in Unterpacht an einen neuen Verein übergeben, der hier ein Freizeitzentrum zum Baden und Spaß haben für die ganze Familie unterhält. Für Bürgermeister Frank Burkart, nach für ihn weniger idealen Konzepten in der Vergangenheit, nun endlich eine Lösung, die dauerhaft Bestand haben kann und möglichst viele Menschen anspricht.

Für Frank Burkart, der in wenigen Tagen nach gewonnener Wahl als Oberbürgermeister nach Stutensee wechselt, ist die Ansiedlung des Logistikzentrums und das Engagement der Dabelsteins ohnehin ein Glücksfall. „Mit den Einnahmen habe ich im Grunde das dreiviertel Dorf durchsaniert“, erzählt er zufrieden, das Geld ermöglichte die Aufwertung von Schulen, Kindergärten, Sport und Freizeitanlagen und mehr. Die Zusammenarbeit mit Sascha und Jochen Dabelstein bewertet er als vertrauensvoll, offen und konstruktiv. Auch die beiden Brüder fühlen sich hier sichtlich wohl, sind vom Standort überzeugt, so sehr, dass sie vor einigen Jahren beschlossen haben, gleich mit Sack und Pack von Mannheim nach Kronau umzuziehen. „Das ist eh passend, mit dem Fahrrad brauche ich nur zehn Minuten nach Hause.“ zeigt sich Jochen zufrieden, steht auf und geht zurück auf seine Party, es gibt schließlich verdammt viel zu feiern.

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