Unter den Erlen

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Einen Palmenstrand mag der „Sieben Erlen See“ bei Karlsdorf-Neuthard zwar nicht bieten, aber dafür alles andere was es für einen perfekten Tag am Wasser braucht.

Feiner weißer Sandstrand, türkisblaues Wasser, wogende Palmen und das sanfte Rauschen der Brandung: Ich gebe unumwunden zu, ein Tag am Meer – erst recht in südlichen Gefilden – ist eine fantastische Sache. Weniger fantastische Sache ist für mich allerdings das gigantische Trara, um überhaupt erst dorthin zu kommen. Koffer packen, Auto vollpfropfen, zermürbende Warteschlangen, Gepäckabfertigung, Sicherheitskontrollen… der gesamte bürokratische Reisewahnsinn eben. No game, no play, so lauten die Spielregeln. Manche nehmen diese Strapazen mit Begeisterung auf sich, ich wink da lieber ab. Urlaub mache ich am liebsten dahoam – und habe diese Entscheidung noch keine Sekunde bereut. Denn mit etwas Fantasie und dem Blick fürs Wesentliche liegt das meiste, was das Herz begehrt, erstaunlich nah.

Selbst der besagte Sandstrand samt türkisblauem Wasser, rauschenden Wellen und… nun gut… vielleicht ohne Palmen, aber dafür mit Charakter. An meinem liebsten Rückzugsort im Hügelland stehen immerhin sieben majestätische Erlen, die dieser badisch-karibischen Perle ihren Namen schenkten. Der Sieben-Erlen-See bei Karlsdorf-Neuthard ist ein atemberaubendes Fleckchen Erde, das keine Wünsche offenlässt. Da wäre als Erstes dieses beeindruckende Wasser: tiefblau, durchzogen von smaragdgrünen Nuancen, kristallklar und energiegeladen kühl. Egal wie stark der Alltagsstress auf den Schultern lastet – nach dem ersten Abtauchen steigt man wie ausgewechselt wieder an die Oberfläche. Und das Beste: Schwimmer ziehen hier in aller Seelenruhe ihre Bahnen, ganz ohne Zickzack-Kurs zwischen Tretbooten oder wackeligen Stand-up-Paddeln.

Am Sieben-Erlen-See gilt unangefochten: Weniger ist mehr. Die Gemeinde hat den Freizeitbereich bei der Erschließung denkbar kompakt gehalten; das Herzstück – der Großteil des Sees und seiner Schilfufer – gehört ganz allein der Natur. Klare Beschilderung sorgt für unmissverständliche Verhältnisse: Das hier ist keine Kulisse für enthemmten Partyrummel, sondern ein Refugium für entspannte, stilvolle Auszeiten.

Genau mit dieser Haltung begegnen die Menschen diesem Ort. Während meines letzten Besuchs teile ich mir den Schatten der mächtigen Baumkronen mit entspannten Familien. Während die Kleinen im Flachwasser planschen und imposante Sandburgen hochziehen, gönnt man sich ein Eis. Gleich nebenan auf der Kiosk-Terrasse lassen Senioren gelassen den Löffel im Kaffee kreisen und lassen den Blick über die glitzernde Wasseroberfläche schweifen. Dazwischen? Eine Truppe junger Kerle, die sich Ringe in die Äste geknüpft hat und im Naturschatten Krafttraining absolviert. Ein Jogger, der seinen Lauf spontan für einen kühnen Kopfsprung ins kühle Nass unterbricht. Und eine Dame im bunten Sommerkleid, tief versunken in ihre Lektüre auf einer knalligen Decke. Keine Hektik, kein Posertum – einfach ein friedliches, zeitloses Miteinander.

Unterstrichen wird diese wohltuende Ruhe durch eine erfrischend überschaubare Parkplatzsituation. Der ganz große Ansturm scheitert schlicht an der Infrastruktur – und das ist ein echtes Segen. Die Anreise ist damit ohnehin eine Einladung zur Entschleunigung: Badesachen eingepackt, ab aufs Rad oder zu Fuß durch Wald und Wiesen geschlendert. Wer so ankommt, hat den Kopf bereits frei, bevor die Zehen überhaupt das Wasser berühren.

See-Knigge: Sieben Erlen See
Verhaltensregeln für ein entspanntes Miteinander
Der Sieben Erlen See ist ein Rückzugsort für Natur und Erholung. Wer laute Party und Action sucht, ist hier falsch – wer Ruhe, Entspannung und Naturbelassenheit schätzt, genau richtig.
1
Oase der Stille statt Halligalli
Lass Musikboxen und Partylärm zu Hause. Hier genießt man das sanfte Rauschen der Erlen, Vogelgezwitscher und die Stille des Wassers.
2
Die Natur achten & schützenswert behandeln
Der Großteil des Sees gehört der Flora und Fauna. Bitte beachte die Schutzbereiche, bleibe auf den Wegen und hinterlasse keinen Müll.
3
Rücksicht auf Mitmenschen
Ob Familien, Senioren oder Sportler – der See ist für alle da. Ein friedliches, respektvolles Miteinander sorgt dafür, dass sich jeder wohlfühlt.
4
Auto stehen lassen
Die Parkmöglichkeiten vor Ort sind stark begrenzt. Der entspannteste Weg führt per Fahrrad oder bei einem Spaziergang durch Wald und Wiesen ans Ufer.

Vor Ort stimmt schlichtweg der Komfort: Sauber gehaltene, abschließbare Umkleiden gehören ebenso dazu wie eine Frischwasserdusche, um nach dem Wellengang den Sand von den Füßen zu spülen.

Das inoffizielle Herzstück des Areals ist der verpachtete Kiosk – eine Oase mit herrlich schattigen Plätzen und einladenden Liegestühlen. An der Strandbar „Kiezperle“ drückt mir Gastgeber Vitali ohne großes Fackeln eine eiskalte Apfelschorle in die Hand. Von feinstem Kaffee über kühle Limo bis zum spritzigen Sundowner gibt die Bar alles her, was den Sommer schöner macht. Und Hand aufs Herz: Nichts schmeckt genialer als ein eisgekühltes Getränk im Liegestuhl, wenn der Sand unter den Füßen wärmt und der Wind leise durch die Erlen streift. Wer Hunger mitbringt, kommt ebenfalls voll auf seine Kosten – vom knusprigen, veganen Flammkuchen bis zur ehrlichen Portionsschale goldgelber Pommes.

Richtig Leben in die Bude bringt das überraschend vielseitige Eventprogramm der Kiezperle. Besonders in den heißen Sommermonaten wird die Strandbar zum stimmungsvollen Treffpunkt: Live-Konzerte unter freiem Himmel, Public Viewings und Open-Air-Momente, die Menschen zusammenbringen und bleibende Erinnerungen schaffen.

Es ist genau dieses Gesamtpaket – der Mix aus Naturbelassenheit, unaufgeregtem Komfort und einer herrlich lebendigen Strandbar –, das mich am Sieben-Erlen-See mühelos die Zeit vergessen lässt. Während ich an anderen Badeseen oft nur schnell ins Wasser springe und genervt vom Trubel wieder das Weite suche, möchte man hier einfach für immer bleiben. Karlsdorf-Neuthard, ganz ehrlich: Mit dieser Perle habt ihr ein echtes Juwel im Ärmel!

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