Und vor dir der Sommer

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Heute zählt nur das Jetzt, zählst nur Du!

Lasst euch eure Sommerferien von nichts und niemandem verderben.

Das Schrillen der Schulglocke

Wisst ihr noch? Wisst ihr noch, wie das damals war? Wenn 30 Schülerinnen und Schüler mit den Füßen über den alten, abgetretenen Linoleumboden scharren? Wenn im Klassenzimmer der Mief aus verbranntem Staub aus den Lüftern des Tageslichtprojektors, Tafelkreide, Kopierpapier, Teenager-Schweiß und ausgelaufenem Fitti-Schoko plötzlich vom Licht der Sonne durch die großen, staubblinden Fenster durchbrochen wurde? Wenn die letzten ermahnenden Worte aus den Mündern ebenso urlaubsreifer Lehrerinnen und Lehrer plötzlich vom Schrillen der mechanischen Schulglocke abrupt beendet wurden?

Wisst ihr noch, wie es war, Hefte und Bücher in die müffelnden Scout-Ranzen zu stopfen, das Schlampermäppchen obendrauf, Schnallen zu und dem Licht entgegenzurennen? Wenn Hunderte durch die offenen Flügeltüren der Aula ins Freie hinausströmten, hinein in die Sonne, hinein in das Licht, hinein in die endlosen großen Ferien?

Ich weiß das noch genau und ich freue mich mit all den Kids und Teenies, die diesen Moment vor wenigen Stunden erleben durften. Einen Moment, den es gerade ein Dutzend Mal im Leben gibt, ein Moment der Freiheit, wie wir ihn als Erwachsene kaum jemals wieder erleben werden.

Ein Meer aus Zeit

Das Nachhausekommen, das Schulzeug achtlos in die Ecke pfeffern, wo es ganze sechs Wochen liegen bleiben wird. Die Zukunft vor dir wie eine einzige Verheißung unendlicher Möglichkeiten, die Zeit wie eine Verbündete, die sich dir niemals mehr so üppig und endlos zur Verfügung stellen wird wie in den kommenden eineinhalb Monaten. Stunden, Tage, Wochen… Begriffe, die bedeutungslos sind in diesem Meer aus Zeit, in dem du schwimmst.

Vor dir liegen tausend Jahre Stromern durch das Grün des Sommers, Freibad mit Freunden, lange Nachmittage vor dem ZDF-Ferienprogramm, eine Million Hektoliter Capri-Sonne, Flutschfinger und vor allem: Zeit, gefüllt ohne jeglichen Nutzen.

Seid jung, seid frei!

Liebe Schülerinnen und liebe Schüler, an all das denke ich, wenn ich an meine Sommerferien zurückdenke, vor so langer Zeit. Ich beneide euch um die sechs Wochen, die vor euch liegen, und hoffe und wünsche mir sehr, dass ihr sie mit nichts anderem füllt als Dingen, die Spaß machen, die euch guttun, die keinen weiteren Zweck erfüllen, als euch Freude zu bereiten.

Vergesst für diese sechs Wochen all den Mist, all die Trübseligkeit, all das, was Angst macht. Denkt nicht über Kriege nach, über eure Zukunftsperspektiven, über Chancen am Arbeitsmarkt, über Krisen, Sorgen und Nöte. Das ist die Aufgabe von uns Erwachsenen, von uns Großen, lasst uns euch das von den Schultern nehmen. Ihr müsst jetzt noch gar nicht sein, ihr müsst jetzt noch gar nichts werden, lasst den Druck dieser Gesellschaft an euch abperlen, widersetzt euch allem, was euch schon jetzt in seinem Sinne prägen und formen möchte.

Ich bitte euch: Seid jung, seid frei, lebt im Hier und Jetzt! Denn es gibt keine andere Zeit als die Gegenwart. Die Vergangenheit ist vorüber, die Zukunft noch nicht geschrieben. Alles, was für euch gerade zählt, ist das Heute. Und heute ist ein guter Tag. Heute ist der erste Tag eurer Ferien. Alles andere ist gerade unwichtig.

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