Ubstadt-Weiher wächst: Neues Quartier nimmt Gestalt an

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Startschuss für die Zukunft in Weiher-Nord: Erschließung abgeschlossen und grünes Licht für den privaten Wohnungsbau

Bislang sieht man, blickt man vom Friedhof in Weiher in Richtung der nördlichen Ebene, nur Wiesen, Äcker und ein paar Bäume. Etwas weiter hinten ragt das Gewerbegebiet „Im Sand“ am Horizont auf, nordwestlich findet sich das Naturdenkmal Forlenbuckel. Ganz so ruhig wie bisher wird es in diesem Teil von Ubstadt-Weiher künftig allerdings nicht mehr bleiben, denn schon in wenigen Tagen beginnt hier das ganz große Bauen. Insbesondere viele Familien haben auf den Startschuss für das Neubaugebiet „Weiher Nord“ gewartet, entstehen hier doch auf einer Fläche von 4,5 Hektar künftig ihre Vorstellungen vom trauten Heim.

Am gestrigen Mittwoch, den 10. Juni 2026, feierte die Gemeinde Ubstadt-Weiher die offizielle Fertigstellung der Erschließungsarbeiten. Die feierliche Übergabe markiert das Ende einer intensiven Planungsphase und läutet das nächste große Kapitel ein: Bereits ab dem kommenden Montag, den 15. Juni 2026, können die privaten Bauherren mit dem Bau ihrer Eigenheime beginnen.

Ein langer Weg mit gesetzlichen Hürden

Dass gut Ding Weile haben will, zeigte sich bei diesem Projekt ganz besonders. Seit dem Aufstellungsbeschluss im Jahr 2017 galt es nicht nur, komplexe Verhandlungen mit privaten Eigentümern zu führen, sondern auch nachträgliche gesetzliche Änderungen zu meistern. Mitten im laufenden Verfahren trat eine Neuregelung des gesetzlichen Streuobstwiesenausgleichs in Kraft. Diese ökologische Zusatzanforderung zwang das Bauamt und die Planer dazu, die Entwürfe unter völlig neuen Bedingungen noch einmal anzupassen, was den zeitlichen Rahmen spürbar verlängerte. Durch die enge Koordination mit dem privaten Erschließungsträger konnte die anspruchsvolle Schnittstelle zwischen Natur- und Artenschutz jedoch im behördlichen Sinne erfolgreich bewältigt werden.

Raum für die nächste Generation und soziale Vielfalt

Das rund 4,5 Hektar große Areal im Ortsteil Weiher bietet Platz für eine lebendige Mischung: Insgesamt sind 71 Grundstücke entstanden, auf denen ein Mix aus Einzelhäusern, Doppelhaushälften und Mehrfamilienhäusern realisiert wird. In der Endausbaustufe werden hier rund 200 Wohneinheiten zur Verfügung stehen.

Bürgermeisterin Katharina Kimmich hob die fundamentale Bedeutung des neuen Wohnraums für die lokale Gemeinschaft hervor und betonte mit Blick auf die lange Wartezeit: „Das ist ohne Frage fordernd, da das Warten ja einen ganz wesentlichen Teil der eigenen Lebensplanung tangiert.“ Umso erfreulicher sei es, dass das Gebiet nun insbesondere der jungen Generation eine Perspektive bietet, in ihrer Heimatgemeinde zu bleiben. Allein auf den 13 bereits durch die Gemeinde verkauften Grundstücken stehen schon 19 Kinder in den Startlöchern. Weitere rund 40 Bauplätze befinden sich in Privatbesitz.

Auch für die soziale Ausgewogenheit ist gesorgt. Auf den gemeindeeigenen Flächen für Mehrfamilienhäuser wird die Verwaltung in den kommenden Monaten gezielt Gespräche mit Investoren aufnehmen, um bezahlbaren Wohnraum für unterschiedliche Einkommensstrukturen zu schaffen. Zudem verspricht der Zuzug junger Familien eine langfristige Stabilisierung der örtlichen Infrastruktur – von den Kindergärten bis hin zum lokalen Einzelhandel.

Doch natürlich gibt es wie immer im Leben auch eine Kehrseite der Medaille: 4,5 Hektar Baugebiet bedeuten gleichzeitig den Verlust von 4,5 Hektar Naturraum. Das Thema Flächenfraß ist in Baden-Württemberg nach wie vor ein immens großes. Jeden einzelnen Tag wird im Land eine Fläche in der Größe des neuen Baugebiets in Weiher überbaut – im Jahr sind das knapp 2700 Fußballplätze. Eigentlich will das Land Baden-Württemberg diesen Flächenverbrauch bis 2035 in der Nettosumme auf genau Null absenken, die Erfolge sind jedoch bisher überschaubar. Wie der NABU auf seiner Webseite vorrechnet, wächst die überbaute Siedlungs- und Verkehrsfläche schneller als die Bevölkerung.

Eine Thematik, der sich auch die Gemeinde Ubstadt-Weiher bewusst ist. „Ich sehe die Zukunft klar in den Ortskernen, denn jede Aufwertung hier schafft langfristig eine steigende Wohn- und Lebensqualität sowie eine höhere Zufriedenheit in der Gemeinde“, weiß Katharina Kimmich. Was mögliche neue Wohngebiete angeht, ist die verfügbare Fläche ohnehin so gut wie ausgeschöpft. Lediglich das seit vielen Jahren geplante Wohngebiet „Tiefeweg“ in Ubstadt ist aktuell noch in der Entwicklung, der Ausgang ist offen.

Ab Montag gehören die Grundstücke den Bauherren

Nachdem gestern in Weiher symbolisch das rote Band durchschnitten wurde, blicken die Verantwortlichen nun mit Vorfreude auf die kommenden Monate. Ein Hausbau sei für die meisten Menschen eine finanzielle Verpflichtung für Jahrzehnte und das größte Projekt ihres Lebens – umso wichtiger ist es, dass es ab dem 15. Juni nun endlich reibungslos losgehen kann.

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