All you need is love
von Carmen Krüger / Stadt Kraichtal
Mit bangem Blick schauten die Organisatoren am Samstag, 16. Mai 2026, gen Himmel: Noch um 14 Uhr ging ein wolkenbruchartiger Regen über dem Kraichtaler Museumsstädtchen nieder – an ein gemütliches Verweilen in der Schlossgasse war da kaum zu denken. Zudem war es gut 20 °C kälter als noch in der Vorwoche, als die Kraichtaler Stadtmannschaft beim Hoffnungslauf in Bruchsal an den Start gegangen war. Doch passend zum beherrschenden Thema des Abends meinte es das Schicksal gut mit den Gästen, die sich vorsorglich warm im Zwiebellook eingepackt hatten: Pünktlich mit dem Glockengeläut um 19 Uhr vertrieb die Sonne die Regenwolken und bildete den würdevollen Rahmen für den Beginn des restlos ausverkauften Wandelkonzertes.
Der musikalische Leiter des Abends, Matthias Böhringer, wollte das Motto „LIEBE“ zelebrieren, erlebbar machen und in all seinen Facetten beleuchten: „Sie soll zu hören und zu fühlen sein“, so die Vision des Dirigenten. Das Programm startete in der stimmungsvollen Martinskirche, wo der Meisterchor proVocal – der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert – den Abend mit Werken über die göttliche Liebe eröffnete. Wenig später stimmte das Sinfonieorchester an der DHBW Karlsruhe kraftvoll bei Beethovens „Agnus Dei“ mit ein. Der Wunsch nach Frieden, die Sehnsucht nach Gott und eine Liebe, die selbst den Tod überwindet, sorgten im historischen Ambiente für echte Gänsehautmomente.
Nach dem gemeinsamen Auftakt teilte sich das Publikum aus logistischen Gründen in zwei Gruppen auf, um zeitversetzt die verschiedenen Stationen rund um das Schloss zu erwandeln. Für die „weiße Gruppe A“ ging es zuerst in der Schlossgasse weiter. Bei einer kleinen Erfrischung und feinen Häppchen schlug Chorleiter Matthias Böhringer charmant den Bogen zu den 1970er-Jahren – dem Gründungsjahrzehnt der Stadt Kraichtal, die in diesem Jahr ihr 55-jähriges Bestehen feiert. Mit John Phillips’ „California Dreaming“ und mexikanischen Klängen „Bésame mucho“ wurden die Gäste in die Hippiezeit entführt, sangen teils lautstark mit und tanzten beschwingt zu „All You Need Is Love“.
Etwas ruhiger und nachdenklicher, wenn auch leider ohne Happy End, ging es derweil für die „gelbe Gruppe B“ im Rittersaal weiter, wo ein Bläserensemble die dramatische Liebesgeschichte von Romeo und Julia zum Leben erweckte. Zwischen den musikalischen Stationen nutzten die Besucher die Gelegenheit zum Schlendern, Betrachten der wechselnden Ausstellungen im Graf-Eberstein-Schloss und zum Aufwärmen bei anregenden Gesprächen.
Kurz nach 21 Uhr kamen beide Gruppen wieder in der wunderschönen Martinskirche zum großen Finale zusammen. Dieses begann, ganz im Stile einer klassischen Hochzeit, mit Wagners Brautchor aus der Oper „Lohengrin“, gefolgt vom berührenden Abendsegen aus „Hänsel und Gretel“. Eine besondere Überraschung bot Maestro Böhringer bei dem Song „It‘s a Wonderful Life“: Er griff kurzerhand selbst zum Mikrofon und bewies echtes Multitasking, indem er gleichzeitig sang und dirigierte. Mit einem schwungvollen Medley aus Bernsteins „West Side Story“ endete das offizielle Programm – ein wahrer Genuss für alle Sinne.
Bürgermeisterstellvertreter Reinhard Müller, selbst ein treuer Konzertbesucher, fehlten am Ende dieses außergewöhnlichen Abends sichtlich die Worte. Überwältigt bedankte er sich bei Matthias
Böhringer, dem Orchester und dem Chor mit einem Weinpräsent für „Musizieren auf höchstem Niveau“. Minutenlange Standing Ovations der vollbesetzten Kirche stimmten ihm zu. Nach einer leisen, stimmungsvollen Zugabe (Mondchor aus „Die lustigen Weiber von Windsor“) traten die Besucher sichtlich beschwingt und voller Musik im Herzen den Heimweg an.
PRESSEMITTEILUNG STADT KRAICHTAL
