Sein Leben lang wollte Guido aus Oberöwisheim ein eigenes Open-Air-Konzert auf die Beine stellen – am vergangenen Mittwoch hat er sich diesen Traum nun erfüllt
Wer seither an Guido denkt, dem kommt unweigerlich der alte Song von Meat Loaf in den Sinn: „Rock ’n’ Roll Dreams Come Through“. Als er da am Mittwochabend, bevor die Region in ein wirklich langes Wochenende verschwindet, auf der Bühne steht – mit vor Aufregung gerötetem Gesicht und einem unerschütterlichen Dauergrinsen auf den Lippen –, möchte man ihn am liebsten in den Arm nehmen, ihm auf die Schulter klopfen und sagen: Entspann dich, Guido, du hast es geschafft.









Das hat er wirklich – eine Leistung, die alles andere als alltäglich für einen hauptberuflichen Fliesenleger ist. Auf seinem Grundstück im Gewerbegebiet von Oberöwisheim hat er nicht nur ein kleines Konzert auf die Beine gestellt, sondern im Grunde ein ganz, ganz großes. Unterstützt vom Förderverein des TSV, aber insbesondere durch viele Freunde, Familie und Kollegen, ist hier hinter seinem Haus ein echtes Festivalgelände entstanden. Ein großes Zelt samt Bühne, professionelle Audio- und Lichttechnik, ein Backstage-Bereich, dazu Getränkestände, eine Fressmeile, ein Kassen- und Sanitätsbereich, die Security – eben all das, was es braucht, um ein solches Event zu stemmen. Gleich zwei Bands hatten an diesem Abend zugesagt: zum einen die ewigen Rocker von Handmade, inklusive Frontmann, der live auf der Bühne seinen 60. Geburtstag feierte, außerdem etwas härtere Töne von Randstein, deren musikalische Vorbilder mit ein paar Kenntnissen in Grundschullyrik leicht zu erraten sind.









Das Wetter, bei einem Open Air immer der größte Kippfaktor, spielte an diesem Abend offenbar gar nicht die große Rolle, mit der Guido gerechnet hatte. Obwohl es immer wieder, teilweise sogar ergiebig regnete, füllte sich das Festgelände ab 19:00 Uhr zusehends. Am Einlass, der dank digitaler Tickets und Scanner hochprofessionell organisiert war, bildete sich schnell eine lange Schlange von Konzertgästen, die trotz der grauen Wolken bester Laune waren. Eine Abendkasse gab es keine, alle Tickets waren im Vorfeld bereits ausverkauft – was könnte mehr für Guidos Traum sprechen als diese Bilanz?
Spätestens ab 20:00 Uhr gab es kein Durchkommen mehr. Egal wo man hinschaute: fröhliche Menschen und gute Musik von der Bühne. Cover-Musik, interpretiert durch zwei ungleiche Bands, die aber zusammen ein Line-up bildeten, das unterm Strich einfach Spaß machte.

















Auch wenn dieses Event im Vorfeld reichlich Zeit, Aufwand und vermutlich auch Kosten bedeutete, für Guido hat sich der Abend sicherlich gelohnt. Auch wenn offiziell der Förderverein des TSV Ausrichter war: Herz und Seele dahinter war er – ein Umstand, der ihn in Oberöwisheim zur Kultfigur werden lassen dürfte und ihn für immer in die Rock-’n’-Roll-Annalen des Kraichgaus eingehen lässt. Denn auch das spricht für ihn: Geld verdienen wollte Guido mit dem Gig von Anfang an keinen Cent. Die kompletten Einnahmen gehen an das Hospiz in Bruchsal und das Deutsche Rote Kreuz Münzesheim-Oberöwisheim. Beide wichtigen Einrichtungen haben am Abend auch Flagge gezeigt, das DRK sorgte zudem für das gesundheitliche Wohl aller Besucherinnen und Besucher.
Wer am Mittwochabend in Oweroise nicht dabei war, mag zwar trocken geblieben sein – hat dafür aber ein jetzt schon legendäres Open Air verpasst, von dem man im Kraichtal noch lange erzählen wird.
