Ein Wetter zum Abgewöhnen am Vatertag – dennoch zogen die Harten durch die Hügel und den Garten.
von Stephan Gilliar
Wer am Vatertag traditionell schon am Vormittag die große Runde durch den Kraichgau startete, kam vermutlich am Abend wie ein Dreckspatz nach Hause. Besonders die vielen Wald- und Feldwege verwandelten sich nach schauerartigen Platzregen spätestens am späten Vormittag in eine einzige Schlammpiste. Aber da hilft kein Murren: Allwetterreifen auf den Bollerwagen aufgezogen, Bier auf, Augen zu und durch!
Vielleicht ging es Ihnen ja auch so: Um unsere alljährliche Runde durch das Getümmel anzutreten, hat es an diesem speziellen Vatertag ein paar Anläufe gebraucht. Kritischer Blick durch das Fenster in den Kraichgauer Himmel? Alles blau, kaum Wolken? Check, Kamera eingepackt und ab nach draußen. Zehn Meter weiter: Weltuntergangsstimmung am Horizont und der nächste Schauer, der sich zusammen mit dem Wind gerne direkt von der Seite in den Pulli drückt. Dieses Spiel wiederholte sich bis zum frühen Nachmittag immer und immer wieder, bis wir gegen 14:00 Uhr unsere Chance sahen. Da sich das Wetter am Nachmittag endlich etwas stabiler zeigte, ging es ab auf den Roller – mit zumindest einer Station im Visier, die jedes Jahr zu unseren absoluten Pflichtterminen am Vatertag zählt.




Die Rede ist natürlich vom legendären Hock im Himmelreich, dort, wo sich der Blick und das Panorama über die letzten Ausläufer des Hügellands bis hinein nach Mannheim ergießen. Zum Start in den Mai hatte hier noch die Freiwillige Feuerwehr Ubstadt-Weiher, Abteilung Zeutern, das Sagen; am Vatertag nun haben die tapferen Recken des Musikvereins die Sause organisiert. Mindestens 40 von ihnen waren bereits am Vortag angerückt, um alles aufzubauen und zurechtzurücken – pünktlich für die ersten Wanderer. In diesem Jahr schwang beim Aufbau allerdings ein bisschen Ungewissheit mit, da völlig unklar war, wie groß die Resonanz bei diesem Mistwetter ausfallen würde.
Das Fazit am frühen Nachmittag: Es hätte schlimmer sein können. Zwar war die Auslastung verständlicherweise nicht annähernd so hoch wie zum Maifeiertag, der schließlich mit Rekordwetter punkten konnte, aber es waren doch deutlich mehr Menschen unterwegs, als man bei diesem Sauwetter vermuten würde. Familien, Kollegen und Freundesgruppen waren zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs – und bedauerlicherweise, trotz gesperrter Wege und zum verständlichen Ärger des Fußvolkes, auch mit dem Auto.

Der Boden im Himmelreich wirkte am Ende wie eine kleine Reminiszenz an das Woodstock-Festival. Für die Kinder war es jedoch offenbar ein Riesenspaß, hier mit Gummistiefeln, Bollerwagen und kleinen Fahrrädern zu den Königen und Königinnen des Matsches zu werden.
Die Stimmung war trotz nachdenklicher Blicke gen Himmel erstaunlich gut. Gute-Laune-Musik aus dem Festzelt – unter anderem vom Musikverein „Echo“ Ubstadt –, ein Himmelreich-Burger in beiden Händen und dazu ein kühles Helles: Welche Rolle kann da schon ein bisschen Wasser von oben spielen?




Tatsächlich war die Wanderung an diesem Tag deutlich entspannter als an manch anderen großen Feiertagen, denn so konnte man die Natur über weite Strecken einfach in der Stille genießen. Das rhythmische Prasseln des Regens auf den frühlingsgrünen Blättern, die feuchte Luft, die man mit beiden Lungenflügeln aufsaugt, und der Blick, der über die sanften Bodennebel zwischen den Hügeln wandert – eine schöne Mischung aus innerer und äußerer Einkehr. Uns hat er trotz allem gefallen: der Vatertag 2026.
Trinken jetzt die Väter , schon Muttertags gesöff !? ;)