Verfallen, überwuchert, vergessen – auch in unserer Region finden sich zahlreiche Bunker aus den dunklen Tagen des Zweiten Weltkrieges.
Krieg, Gewalt und Elend, wohin man auch blickt: In diesen Tagen die Nachrichten zu lesen, erfordert einiges an Überwindung, denn sie strotzen vor schrecklichen Botschaften. Egal ob in der Ukraine, im Gazastreifen oder im Iran – auch dieses Frühjahr dominieren Krieg und Elend das Weltgeschehen.

Man könnte glauben, das alles habe mit uns nichts zu tun und spiele sich weit entfernt ab, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Es ist schließlich nur rund ein Jahrhundert her, dass Deutschland der Welt gleich zwei verheerende Kriege aufbürdete. Auch wenn in unserem Alltag oberflächlich nichts mehr daran erinnert, finden sich doch, oft versteckt unter Gestrüpp und Dickicht, immer noch Zeugen dieser schrecklichen Zeit. Insbesondere entlang des Rheins liegen zahlreiche alte Bunkeranlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Im Grunde entlang des kompletten Verlaufs des großen Stromes stehen noch zahlreiche Relikte des deutschen Westwalls, eines der umfangreichsten militärischen Bauprojekte des Nationalsozialismus, bestehend aus etwa 18.000 Bunkern, Stollen, Gräben und Panzersperren.

Diese verwitterten Zeitzeugen finden sich auch in unserer Region. Besonders in den Rheinauen zwischen Philippsburg und Dettenheim prägen gesprengte Betonreste das Landschaftsbild. Da viele dieser Anlagen nach dem Krieg übererdet wurden, sind sie heute oft nur noch als kleine Hügel in der Landschaft erkennbar. Doch es gibt durchaus noch besser erhaltene Anlagen, beispielsweise in Dettenheim-Liedolsheim. Hier kümmert sich eigens ein Verein, das Bunkermuseum Dettenheim e. V., um den Erhalt des sogenannten Sanitäts-Regelbaus mit der Nummer 32. Das Ziel ist es, zu informieren, zu erinnern, zu mahnen und Geschichte zugänglich zu machen.
Seit 1998 ist die gut erhaltene Anlage bei Liedolsheim, zum Museum umgestaltet, für die Öffentlichkeit zugänglich. Geöffnet hat sie von April bis Oktober am zweiten Sonntag im Monat jeweils von 12.00 bis 17.00 Uhr.

Die aufwendig vom Verein gepflegte Anlage ist nicht die einzige in der Region, wenn auch sicher die am besten erhaltene. Auch im Bereich um Graben-Neudorf, Germersheim, Philippsburg und Eggenstein-Leopoldshafen gibt es immer noch zahlreiche kleinere Bunker, die wild und überwuchert wohl noch für lange Zeit stehen werden, da sie aus massivem Stahlbeton gebaut sind. Man muss jedoch eindringlich davon abraten, sich den Anlagen eigenmächtig zu nähern, da die Verletzungsgefahr in den teilweise erheblich zerstörten ehemaligen militärischen Bauwerken sehr groß ist. Teilweise sind die Überreste in den Boden eingesunken oder sogar mit Wasser geflutet.



Nicht nur auf der östlichen Rheinseite finden sich Zeugen des letzten großen Krieges, sondern auch auf der französischen. Die Maginot-Linie bestand hier aus wenigen, aber gigantischen Festungswerken, sogenannten Ouvrages, die wie unterirdische Städte funktionierten und sogar über Kinos, Kraftwerke und Bahnhöfe verfügten. Sie war sehr konzentriert und massiv. Bei der Errichtung des Westwalls setzte man stattdessen auf die Verteidigung in der Tiefe. Statt weniger Riesenfestungen gab es tausende kleine, über Kilometer gestaffelte Bunker. Einen großen Bericht mit vielen Bildern über unseren Besuch im Fort Schönenburg auf der französischen Seite finden Sie übrigens hier zum Nachlesen.
Die verfallenden Ruinen sind weit mehr als nur Beton und Stahl; sie sind stumme Mahner, die uns dazu aufrufen, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und entschlossen für ein friedliches Miteinander einzustehen.
