In Uromas Küche

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Das Ruhbenderhaus – ein Fenster in die Vergangenheit

Mitten in Östringen, am Leiberg, liegt ein ganz besonderer Ort. Wer durch das unscheinbare Hoftor des Ruhbenderhauses tritt, lässt den Lärm der Gegenwart und den der verkehrsverseuchten Östringer Innenstadt hinter sich – und begibt sich unweigerlich auf Zeitreise.

Wann immer ich das Ruhbenderhaus betrete, wird etwas in mir ganz still, entspannt sich, das vergessen geglaubte Gefühl von kindlicher Glückseligkeit stellt sich ein. Die tiefhängenden Decken, die kleinen Zimmer, der alte Geruch, die herrlich abgetragenen Möbel, die vergilbten Tapeten… all das erinnert mich an das Haus meiner Großeltern. Einfache Menschen aus einer einfacheren Zeit. Einfacher und auch glücklicher? Soweit maße ich mir nicht an zu gehen, denn auch damals hielt das Leben viele Herausforderungen und Schwierigkeiten für die Menschen bereit. Wie sie gelebt haben, wie sie aus sehr wenig sehr viel gemacht haben, davon berichtet das Ruhbenderhaus. Authentisch, echt und sehr, sehr nahbar.

Mehr als ein Museum

Was sich hinter den alten Mauern verbirgt, ist weit mehr als ein Museum. Keine Vitrinen, keine Schilder mit erhobenem Zeigefinger, keine Absperrungen mit roten Kordeln. Das Ruhbenderhaus ist lebendige Erinnerung, eine liebevoll gepflegte Zeitkapsel, die das bäuerliche Leben im Kraichgau vergangener Jahrhunderte greifbar macht. Die Freunde des Ruhbenderhauses haben mit Hingabe einen Ort bewahrt, an dem man Geschichte nicht nur sehen, sondern spüren, riechen und fühlen kann.

1700 erbaut – Generationen unter einem Dach

Das Haus wurde um das Jahr 1700 als „Fränkische Hofreite“ errichtet – ein typischer Innenhof, umgeben von Wohnhaus, Scheune und Stallungen. Über die Jahrhunderte wuchs das Anwesen, Anfang des 19. Jahrhunderts kamen Schweineställe hinzu. Bis 1964 lebten hier vier Generationen der Familie Ruhbender, mit bis zu – man kann es sich heute nicht mehr vorstellen – elf Menschen auf engstem Raum. Ein Schlafzimmer, eine Stube, eine Küche und ein kleines Bad – mehr war nicht. Im Sommer schliefen die Kinder unter dem offenen Gebälk der Scheune, im Winter wurde zusammengerückt.

Es gab kein Badezimmer, lediglich im Hof stand ein Plumpsklo für alle Bewohner bereit. Gebadet wurde selten, aber regelmäßig, in einem Bottich, dessen Wasser zuvor mit Feuer erhitzt wurde. Viele unserer älteren Leserinnen und Leser können sich bestimmt noch an diese Tage erinnern, an das Leben im Kraichgau von einst. Es war einfach, entbehrungsreich – aber auch geprägt von Zusammenhalt und Nähe.

Arbeiten im Takt der Natur

Der Alltag richtete sich nach dem Rhythmus der Jahreszeiten und den Erfordernissen der Landwirtschaft. Alle halfen mit, auch die Kleinsten. Mit einfachen, aber oft genial konstruierten Hilfsmitteln arbeiteten Mensch und Tier Hand in Hand. Vieles davon ist heute im Ruhbenderhaus erhalten – nicht steril ausgestellt, sondern eingebettet in eine Szenerie, die fast wirkt, als sei ihre Zeit nur kurz stehen geblieben.

Lernen mit allen Sinnen

Doch das Ruhbenderhaus ist nicht nur ein Denkmal der Vergangenheit, sondern auch ein Ort der Bildung. Als Teil des Heimatmuseums Östringen ist es außerschulischer Lernort und wird regelmäßig von Schulklassen des Leibniz-Gymnasiums und der Silcherschule besucht. Hier wird Geschichte nicht gelehrt, sondern erlebt – unmittelbar, greifbar, echt. Ein gelungenes Modellprojekt, das zeigt, wie Wissensvermittlung auch jenseits von Klassenzimmern funktionieren kann.

Erinnerung bewahren, Zukunft gestalten

Man kann sich nur allzu leicht vorstellen, wie viel Arbeit die Aufrechterhaltung dieses alten Schätzchens und das damit einhergehende Engagement erfordert. Viele der Menschen, die sich hier einbringen, die hier wirken, haben besagte Zeiten selbst erlebt, selbst die einfachen Tage bäuerlicher Realität in Östringen eindrücklich erfahren können. Wer wäre besser geeignet, die Geschichten von damals zu erzählen, das Wissen zu bewahren, zu konservieren und so zukünftigen Generationen zugänglich zu machen?

Würdigung für ein Herzensprojekt

Diese Leistungsbereitschaft wurde nun vom Arbeitskreis Heimatpflege Regierungsbezirk Karlsruhe ausgezeichnet. Sylvia M. Felder, gleichzeitig Vereinsvorsitzende und Regierungspräsidentin am Regierungspräsidium Karlsruhe, verschaffte sich am Dienstagmittag höchstpersönlich einen Eindruck vom Ruhbenderhaus Östringen und den Menschen, die dafür einstehen. Sie brachte nicht nur den sehnlich erwarteten Förderpreis mit an den Leiberg, sondern auch jede Menge Interesse für das, was der Freundeskreis des alten Hauses hier auf die Beine gestellt hat. Bei einer exklusiven kleinen Führung zeigten im Beisein von Bürgermeisterstellvertreter und Stadtrat Marc Weckemann unter anderem Walter Rothermel und Alfons Holzinger, wie hier im damals noch ländlich verschlafenen Östringen gelebt und gearbeitet wurde. Vom kleinen Kräutergarten im Hinterhof über die große Scheune bis hin zum Dachboden reichte die kleine Zeitreise, die die Regierungspräsidentin sichtlich genoss.

1 Kommentar zu „In Uromas Küche“

  1. Vielen Dank für diesen super tollen Artikel über unser Ruhbenderhaus. Wir waren sehr begeistert von Regierungspräsidentin Frau Sylvia Felder wie Sie uns durch die Zeitreise begleitet hat.

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