Sprechstunde bei Dr. Wrap

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In seiner Werkstatt in Unteröwisheim verpasst Andre Autos eine zweite Haut und einen ganz persönlichen Look.

Wenn Andre sein großes Rolltor hinauffährt, schlägt einem gleich eine Melange aus Odeur de Neuwagen und Waldbeeren entgegen. Ersteres verströmt ein knallroter, nagelneuer Porsche, der prominent mitten in der kleinen Werkhalle steht, Letzteres stammt aus dem Dampfkolben der E-Zigarette, an der Andre beständig nuckelt. Die typischen Werkstattgerüche wie Öl, Benzin oder Schmierstoffe fehlen hier, aber Andres feine Stube ist auch keine normale Werkstatt. Wären Kfz-Mechaniker Ärzte, wäre Andre ein Schönheitschirurg. In seiner Brillianzfabrik bekommen Autos wahlweise neuen Glanz verpasst oder gleich ein komplett neues Outfit. Andre ist das, was man in der Szene einen Car Designer oder je nach Kontext auch Wrap Artist nennt. Der Vergleich mit einem Chirurgen ist dabei gar nicht so verkehrt, denn man braucht verdammt viel Fingerspitzengefühl und ruhige Hände, um bei der Folierung eines Fahrzeugs präzise und gute Ergebnisse zu erzielen. Wer schon einmal versucht hat, eine Schutzfolie auf das Display seines Handys zu kleben, weiß, wie schwierig es ist, dabei keine Blasen unter der Folie oder schräge Kanten in Kauf zu nehmen.

Andre hat diese ruhigen Hände – sie sind sogar noch etwas ruhiger geworden, seit er das Rauchen aufgegeben hat. Ein Laster, das er nun durch die zuckersüße Vaperei ersetzt hat, die seinen Arbeitsplatz wie einen Bonbonstand duften lässt. Aber auch sonst ist der gebürtige Unteröwisheimer ein äußerst entspannter Zeitgenosse. Ruhe, Geduld und Feingefühl – das sind seine Stärken und der Grund, warum er in seinem Beruf nicht nur gut, sondern auch glücklich ist. Dass er etwas mit Autos machen wollte, war ihm schon früh klar. Alles an den fahrbaren Untersätzen hat ihn fasziniert, doch wie so oft im Leben gelangt man über Umwege ans Ziel. In Andres Fall war dieser Umweg eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner in Heidelberg, die allerdings – so erzählt er lachend – sterbenslangweilig war. Nach seiner Ausbildung arbeitete er eine Weile bei der Stadt Bruchsal, fand dann aber über den Bruder seiner damaligen Freundin den Einstieg in die Welt der Kfz-Dienstleistungen. Angefangen hat alles mit der professionellen Aufbereitung von Fahrzeugen – also Polieren, Innenreinigung, Instandsetzung. Als Einstieg war das in Ordnung, aber für Andre letztlich nicht genug. Wer könnte es ihm verdenken? Je nachdem, in welchem Zustand ein Auto zur Reinigung angeliefert wird, kann dieser Job auch ziemlich eklig sein. Zudem wollte Andre ein Fahrzeug nicht nur einfach reinigen – er wollte es verbessern, verschönern, neu gestalten, seine eigenen Ideen verwirklichen.

So beschloss der Familienvater, sich vor elf Jahren selbstständig zu machen und übernahm einen kleinen Betrieb im Bruchsaler Gewerbegebiet. Mit dem Know-how mehrerer absolvierter Lehrgänge im Gepäck bot er ab 2014 gleich mehrere Dienstleistungen an. Zu seinen Spezialitäten gehören das Tönen von Autoscheiben, die Aufbereitung von Scheinwerfern, die Bedruckung und Beschriftung von Fahrzeugen bis hin zum kompletten Wrapping – also der Folierung eines ganzen Fahrzeugs oder Teilen davon. Sein wichtigstes Werkzeug, den großen Plotter, hat er mit viel Dusel und Glück billig gebraucht kaufen können. Die ellenlange Maschine ist das Herzstück in seinem Büro. Am PC entwirft er Designs und Muster – nach den Wünschen der Kunden, aber immer auch mit seinen eigenen Ideen und Vorstellungen. Was er daran besonders mag? Wirklich alles geht, aber nichts muss. Komplexe Motive, fantasievolle Collagen, Logos, Muster, Tribals – was Andre nicht auf ein Auto zaubern kann, gibt es auch nicht.

Die Kundschaft vertraut ihm dabei blind. „Es ist wichtig, sich eine gute Reputation aufzubauen, keine Fehler zu machen – das spricht sich herum“, erzählt Andre, der seine Kunden vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda, aber auch über seine Kanäle in den sozialen Medien erreicht. Allein über Instagram hat er sich so fast 10.000 Follower aufgebaut und hält diese über alle neuen Projekte auf dem Laufenden. Auch wir Hügelhelden haben unseren neuesten E-Kleinwagen von Andre bedrucken lassen – allerdings als weniger kreativen Auftrag: Logo, ein paar Hügel, fertig ist der Lack – oder eben die Folie.

Ein eher kleines Projekt, das er routiniert abarbeitet. Was heute aber in seiner Werkstatt steht, ist dagegen ein ganz anderes Kaliber: Ein nagelneuer Porsche Targa, ein Fahrzeug mit einem sechsstelligen Wert, soll an der Heckscheibe mit einer schwarzen Tönung ausgestattet werden. Ein Auftrag, den manche Kollegen wohl abgelehnt hätten, denn die Scheibe beim Porsche ist keineswegs gleichmäßig, sondern stark gewölbt und daher nur etwas für sehr geübte Hände. Für Andre aber kein Problem: Nach ein paar Stunden konzentrierter Arbeit ist es so weit – das vormals klare Glas funkelt geheimnisvoll durch eine dunkle Membran. „Der Wert des Autos ist mir aber egal, ich gebe mir bei allen Fahrzeugen Mühe, egal ob das ein Porsche oder ein Ford Fiesta ist“, sagt Andre, fährt zufrieden das Rolltor nach oben und entlässt eine weitere Wolke Himbeerduft in den Unteröwisheimer Frühlingshimmel.

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7 Kommentare zu „Sprechstunde bei Dr. Wrap“

  1. Dürft Ihr den Firmennamen oder die Adresse verraten?
    Ich möchte meine Dacia folieren lassen…
    Dankeschön!

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