Licht und Feuer

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Friedlich in den Herbst auf dem Dorfmarkt zu Oberacker

Würde man ein Bild vom Dorfmarkt in Oberacker malen wollen, bräuchte man ausschließlich freundliche und warme Farben: Gelb und Rot für die Blätter an der großen Kastanie vor der Kirche, Gold für das Stroh und die Ähren, Hellbraun für die hölzernen Hütten. Es gibt da diese eine Stelle, von der aus man, von den erhöhten Stufen vor dem kleinen Kirchgarten, den Blick über die ganze Marktszene schweifen lassen kann. Es ist ein Panorama, das uns schon seit den ersten Hügelhelden-Tagen fasziniert – ein symbolisches Sinnbild für dörfliche Harmonie, das die ganze Schönheit des Landlebens in einer bildgewaltigen Ansicht vergegenwärtigt. Der kleine Dorfplatz, zu beiden Seiten gesäumt von den bunt geschmückten und mit Leinentüchern verhängten Buden, die hölzernen langen Tafeln und Bänke dazwischen, die Feuerstelle mit den ringsum angeordneten Schemeln, der aromatische Rauch aus den vielen Feuerstellen und das gemütliche Flackern der Kerzen, wenn die Sonne allmählich hinter den alten Häusern versinkt.

Der Dorfmarkt in Oberacker ist – und dieser Superlativ ist ganz bewusst gewählt – nach unserem Dafürhalten das schönste Dorffest im ganzen Kraichgau. Er ist klein, gemütlich, friedlich und fröhlich, er entschleunigt und erdet, er vereint all das Gute, was das Zusammenleben auf dem Dorf mit sich bringt. Unaufgeregt und tiefenentspannt will der kleine Markt nicht mit grellen Attraktionen punkten, sondern einzig und allein mit einer liebevollen Hommage an das Landleben von einst glänzen. Das gelingt ihm, weil einfach alle im Dorf an einem Strang ziehen. Eine große Leistung, die die kleine Dorfgemeinschaft seit bald 20 Jahren regelmäßig auf die Beine stellt. Wenn man die vielen liebevollen Details, die den Dorfmarkt ausmachen, näher betrachtet, weiß man sofort, welcher Aufwand damit verbunden ist.

Das ist keine Selbstverständlichkeit und bei weitem nicht mit anderen Dorffesten zu vergleichen, bei denen ein Pilsstand und ein paar Bierbänke schon die ganze Attraktion ausmachen. Der Dorfmarkt ist vielmehr durch seine verschrobene Authentizität, das Bekenntnis zum Kleinen und Einfachen so besonders – der Schein spielt hier keine Rolle, nur das Sein. Hier sitzen Gewandete neben Nichtgewandeten, hier räkeln sich die in Hoodies gekleideten Dorfjugendlichen gemeinsam um das Feuer, nagen an ihren Kartoffellanzen und haben eine gute Zeit, während ihre Eltern ein paar Meter weiter zu den Evergreens ihrer Jugend und denen ihrer Kinder tanzen. Der Bürgermeister nagt im Leinenhemd an seinem Räucherfisch, während die Dorfältesten mit zufrieden über dem Bauch gefalteten Händen in der warmen Herbstsonne sitzen. Die Schützen zeigen spielerisch den Umgang mit Pfeil und Bogen, ein paar Kunsthandwerker demonstrieren entspannt und nahbar ihr Können, und am späten Abend lässt der renommierte Lichtkünstler den Turm der kleinen Kirche in selbst kreierten Mustern und Farben leuchten – einfach so, ohne etwas dafür zu verlangen. Wo gibt es das denn noch? Wo, wenn nicht in Oberacker.

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