Das Stadtbahnnetz in der Region wird immer besser ausgebaut – nach dem zweigleisigen Upgrade der S4 zwischen Eppingen und Heilbronn soll nun auch der Streckenabschnitt zwischen Bretten und Karlsruhe folgen.
Um den immer weiter anwachsenden Blechlawinen in unseren Städten und Dörfern zu begegnen, gibt es im Grunde nur ein adäquates Mittel: den Ausbau des ÖPNV für mehr und verlässlichere Verbindungen. Dabei leben wir schon heute in einer Region, die in Sachen Nahverkehr ziemlich gut aufgestellt ist. Bereits in den achtziger und neunziger Jahren wurden hier im sogenannten Karlsruher Modell Straßenbahn und Eisenbahn miteinander kombiniert – eine Erfolgsgeschichte, die zwischenzeitlich weltweit Nachahmer gefunden hat. So kann man sich heute im Kraichgau in den Zug setzen und teilweise bis in den Schwarzwald fahren, nach Hohenlohe oder in die Pfalz.
Doch auch im guten Netz des KVV beziehungsweise der AVG gibt es trotz aller Innovationen immer noch Engpässe und Ausbauperspektiven. Schwachstellen sind beispielsweise jene Strecken, die nur auf einem Gleis verkehren. Das hat stets den Nachteil, dass Züge einander nur an ausgewählten Ausweichstellen passieren können. Zudem ist technisch bedingt kein gleichzeitiger Verkehr in beide Richtungen auf demselben Abschnitt möglich.
Die im Kraichgau äußerst wichtige Linie S4 beispielsweise ist bislang zu großen Teilen nur eingleisig ausgebaut – ein Umstand, der die Möglichkeiten der Linie naturgemäß beschneidet. Doch dieses Problem wird durch die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft Stück für Stück behoben. Bereits am Freitag wurde der zweigleisige Ausbau der sogenannten Kraichgaubahn zwischen Eppingen und Heilbronn durch eine Sonderfahrt mit Staatssekretärin Elke Zimmer gefeiert. Die Möglichkeiten, die sich durch diese Verdoppelung des Schienenstrangs ergeben, sind bemerkenswert: zusätzliche Eilzüge, schnellere Verbindungen und ein dichterer Takt im Fahrplan an Werktagen.
Doch dabei soll es nicht bleiben – längst laufen die Planungen für einen weiteren Ausbau der wichtigen Linie S4. Hauptaugenmerk liegt dabei auf einem zweigleisigen Upgrade des Abschnitts zwischen Karlsruhe und Bretten. Trotz angespannter Haushaltslage bekannte sich der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung am vergangenen Donnerstag weiterhin zu diesem millionenschweren Vorhaben – die Abgeordneten stimmten der Fortführung des Projekts zu. Alles andere hätte auch wenig Sinn ergeben, schließlich wären auch bei einem Ausstieg aus der Finanzierung knapp acht Millionen Euro an Planungskosten durch vertragliche Regelungen fällig geworden. Zudem steht der Nutzen des zweigleisigen Ausbaus außer Frage. Wie der Landkreis aktuell mitteilt, sei auch durch die Kombination mehrerer Förderprogramme eine sehr hohe Bezuschussung von bis zu 90 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten möglich. Durch die bisherigen Einschränkungen der eingleisigen Streckenführung ist die S4 teilweise durchaus auch Sorgenkind in der Region – Verspätungen sind hier häufig ein Problem, eines, das durch den Ausbau massiv entschärft werden dürfte.
Ein für den Kraichgau zentrales Problem und eine echte Schwachstelle im Stadtbahnsystem bleibt aber bestehen: Nach wie vor gibt es zwischen den wichtigen Linien S4 und S31/32 keine Knotenpunkte. Wer beispielsweise von Bruchsal, Kraichtal, Ubstadt-Weiher oder Östringen nach Bretten oder gar nach Pforzheim möchte, kann dies nur mit unrealistischen Umwegen über Karlsruhe lösen oder muss auf den Bus umsteigen. Diese Problematik ist in Karlsruhe durchaus bekannt, sodass zwischenzeitlich erste Verbindungen per Bus von Oberderdingen nach Kraichtal eingerichtet wurden. Dieses neue Bediengebiet „Östlicher Landkreis Karlsruhe“ war bei der vergangenen Sitzung des Kreistags ebenfalls Thema. Zum Fahrplanwechsel im Winter werden die Leistungen im sogenannten Linienbündel Mittelbereich Bretten neu vergeben. Hier sind neue „On-Demand-Verkehre“ geplant – also individuell buchbare Fahrzeuge, die Oberderdingen mit Kürnbach, Sulzfeld, Zaisenhausen und Kraichtal sowie Bretten und Gondelsheim verbinden sollen. Diese Art des ÖPNV wird von vielen Experten als zukunftsweisend betrachtet, da unnötige Leerfahrten von Bussen vermieden und Fahrzeiten individueller und verträglicher auf die Fahrgäste zugeschnitten werden können.
Zwar ist hier aktuell kein Ausbau des Stadtbahnnetzes geplant, aber immerhin wird auch diese Art der Verbindung teilweise elektrifiziert. Neue Elektrobusse sollen auch im östlichen Landkreis Karlsruhe zum Einsatz kommen. Der Landkreis will hier – wie bereits im Jahr 2019 aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen beschlossen – die nötige Ladeinfrastruktur zur Verfügung stellen. Auftragnehmer für den Nahverkehr ist in diesem Bereich das Oberderdinger Unternehmen Wöhrle, das die Region ohnehin seit Jahren gut kennt.

Ein richtiger Schritt…allein fürchte ich, die Blechlawinen werden nicht weniger 😱
Von Oberacker nach Büchig mit den Öffis?
3,5 km. 7 Minuten mit dem Auto, mit Bus und Bahn mindestens eine Stunde. Teilweise über Bretten und Karlsruhe.
Vielleicht wird das Straßenbahnnetz auch mal wirklich ein Netz.