Morgenluft in Bretten?

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Kann ein externer Partner das von der Schließung bedrohte Neff-Werk retten?

Die Spätschicht ist ausgefallen, die Nachtschicht auch. Nach der heutigen Informationsveranstaltung bei Neff in Bretten muss man sich nun erst einmal sortieren, die neuen Informationen sacken lassen. Gleich vorweg: Den großen Befreiungsschlag gab es heute nicht, stattdessen eine noch eher vage Aussicht einer möglichen Weiterführung des Werkes unter einem externen Partner – einen Partner, den es zum jetzigen Zeitpunkt allerdings erst noch zu finden gilt.

Hintergrund des heutigen Treffens waren Vorschläge, erarbeitet durch die Belegschaft von Neff, wie man den Standort aus ihrer Sicht bewahren könne – eine Offerte, die schon seit Wochen in der Konzernzentrale in München vorliegt, bislang allerdings noch ohne konkrete Antwort blieb.

Ein eigener Vorstoß aus der Konzernzentrale

Heute überraschte die Abordnung aus München dann mit einem eigenen Vorstoß: Man wolle die Weiterführung der Produktion und Logistik durch einen externen Partner prüfen. Wie die BSH in einer Mitteilung an unsere Redaktion weiter ausführt, sei es das Ziel, dem Standort unter einer neuen, eigenständigen Struktur eine zukunftsfähige Perspektive zu geben. Der Vorschlag des Betriebsrates soll dabei auch in die Erwägungen mit eingeflossen sein.

Laut Unternehmen gebe es bei dieser Lösung auch deutliche Vorteile. So könne unter einem neuen Eigentümer ein größerer Markt erschlossen werden, die Produktion könnte dann auch im Auftrag anderer Industriezweige erfolgen, nicht nur für die BSH selbst. Ebenso wird eine höhere Auslastung und mehr Unabhängigkeit ins Feld geführt, zudem stellt sich die BSH selbst als möglichen Ankerkunden in Aussicht.

Matthias Metz, CEO der BSH Hausgeräte GmbH, erklärt begleitend: „Der Standort Bretten hat viel Kompetenz. Die schwierigen strukturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Marktaussichten sind jedoch unverändert. Was wir jetzt brauchen, ist eine tragfähige Lösung, damit dieses Potenzial auch eine Perspektive hat. Die Idee eines eigenständigen Unternehmens mit Zugang zu neuen Kunden und Märkten bietet aus unserer Sicht die Chance, einen relevanten Teil des Standorts und damit möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Um diese Perspektive zu gestalten, suchen wir nach einem externen Partner.“

Geteilte Meinungen in der Belegschaft

Ernsthafter Vorstoß oder vielleicht nur eine Nebelkerze? Die Meinungen in der Belegschaft nach dem heutigen Treffen fallen keineswegs homogen aus. Wir konnten mit mehreren Mitarbeitenden im Nachgang telefonieren und stießen dabei auf geteilte Meinungen, zögerliche Hoffnung, aber auch Skepsis. So stehe auch die Befürchtung im Raum, das Unternehmen könnte versuchen, die Mitarbeitenden durch diese Option nur bei der Stange zu halten, so eine Rückmeldung. Eine andere sieht durchaus Potenzial in der Möglichkeit, einen externen Partner an Bord zu holen. Auf Kritik stieß wohl auch die Durchführung der heutigen Veranstaltung. Der Einsatz von Bauzäunen und Sicherheitskräften habe nicht dazu beigetragen, Vertrauen aufzubauen, so eine weitere Rückmeldung aus den Reihen der Neff-Belegschaft.

Die Hängepartie geht weiter

Wie es jetzt weitergeht? Im Grunde mit derselben Hängepartie wie in den letzten Monaten. Es gilt jetzt abzuwarten, ob ein solcher externer Partner gefunden werden kann. Die BSH schreibt dazu perspektivisch: „Wir führen aktuell erste Sondierungsgespräche mit potenziellen Partnern. Der Prozess hat gerade erst begonnen. Auch wenn wir heute noch keine abschließende Lösung präsentieren können, so haben wir ein klares Ziel: Wir wollen für möglichst viele Mitarbeitende in Bretten eine nachhaltige Perspektive schaffen. Daran arbeiten wir mit vollem Einsatz.“

Für die mehreren hundert Beschäftigten in Bretten bleibt zu hoffen, dass aus den ersten Sondierungen schnell konkrete Ergebnisse erwachsen und tatsächlich eine nachhaltige Lösung gefunden wird. Denn hinter den reinen Beschäftigtenzahlen stehen am Ende immer persönliche Schicksale, Familien und Existenzen, für die eine verlässliche Perspektive von existentieller Bedeutung ist.

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4 Kommentare zu „Morgenluft in Bretten?“

  1. Es bleibt zu Hoffen, daß es eine wirklich reale Option ist, das Werk und die Arbeitsplätze zu erhalten.
    Was mir aber absolut nicht klar ist, warum es bei einem Fremdbetrieb außerhalb der BSH, kostengünstiger und lukrativer für neue Produkte sein soll!
    Die Kosten für Infrastruktur, kalkulatorische Abschreibungen, Energie und sonstiger Gegebenheiten bleiben gleich.
    Einzigste Stellhebel wären Reduzierung des Personalaufwandes und der Bezahlung, Teilverkauf von Immobilien und zu guter letzt bessere Auslastung der Produktion. Aber eine bessere Auslastung hieße, daß man für die Konkurrenz die Produkte bauen würde. Dies kann aber nicht das Ziel der BSH sein , die Konkurrenz damit zu stärken!
    Ferner wäre die Design- und Produktentwicklungskompetenz nicht mehr am Standort, da es sich ja um eine verlängerte Werkbank für BSH und andere Anbieter drehen würde. (Strategische Kernkompetenz der Hersteller)
    Dies hätte aber zur Folge, daß es sich zuküntig um ein Spitzenbrecherwerk, ohne kontinuierliche Auslastung, handeln würde.
    Die Hoffnung schwindet zu letzt!

  2. Die BSH möchte nur im Guten Licht darstehen. Hier 2 BSH Szenarien : A. Die Leute sollen weiter produktiv sein, bis es die Möglichkeit gibt die Hauben ins Ausland zu verlagern, aktuell versucht man schon die Hauben nach extern zu vergeben. (Bisher aber nicht so einfach wie gedacht ) danach wird man abgespeist. B. Neff wir an eine externe Firma verkauft die dann noch 2-3 Jahre in Bretten produziert und danach ins Ausland abwandert. Somit spart sich die BSH Millionen ab Abfindungen da man ja die Chance zur Übernahme hat. gleichzeitig droht man der Belegschaft, wenn ihr keine Produktivität bringt, gibt es keinen Käufer. Unglaublich wie man mit Mitarbeitern umgeht, die Jahr für Jahr über 20 Millionen Euro erwirtschaften!

  3. Raubtierkapitalismus nennt man das. Ein seriöses Unternehmen hat auch eine soziale Verantwortung!
    Ich würde denen keinen Zentimeter weit mehr trauen!
    Ich rate den Mitarbeitern, sich schnellstens um einen neuen Job zu bemühen! Vielleicht ergibt sich ja im Einzelfall sogar eine Möglichkeit sich selbständig zu machen!
    Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft und Zuversicht.
    Sie sollten ihr Schicksal JETZT und selbst in die Hand nehmen!
    Viel Glück!

  4. Für mich riecht das nach einem ganz einfachen Plan: BSH lehnt das Alternativkonzept ab, verkauft die Hauben an einen externen Partner und kann sich später hinstellen und sagen: „Wir haben doch alles versucht.“ Sollte der Investor in ein paar Jahren scheitern oder die Produktion ins Ausland verlagern, ist das Problem nicht mehr das von BSH. Die Beschäftigten verlieren damit möglicherweise genau den Schutz und die Abfindungen, die sie bei einer direkten Schließung gehabt hätten. Solange kein Investor, keine Beschäftigungsgarantie, keine Tarifzusage und keine langfristigen Investitionszusagen auf dem Tisch liegen, ist das für mich keine Rettung des Standorts, sondern vor allem eine Rettung der BSH vor hohen Kosten. Für mich hat das mit sozialer Verantwortung gegenüber den Menschen nichts zu tun. Ich habe den Eindruck, dass es in erster Linie darum geht, die Kosten – insbesondere mögliche Abfindungszahlungen – so weit wie möglich zu reduzieren.

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