Zu grün um gut zu sein

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Wie schlecht geht es dem Saalbachkanal in Graben-Neudorf wirklich?

Dieser heiße Sommer 2022 fordert reichlich Tribut von Mensch und Tier. Kaum Niederschläge und dazu brütende Hitze setzen dem Ökosystem gewaltig zu. Während manche Wasserläufe fast schon trocken gefallen sind, kippt das Wasser andernorts offenkundig langsam aber sicher um. Das kann mehrere Gründe haben: Langsame Fließgeschwindigkeiten, das Fehlen von Frischwasser durch Zuläufe, die beständige Hitzeeinwirkung oder alles zusammen.

Besonders beorgnisseregend ist der augenfällige Zustand des Saalbachkanals in Graben-Neudorf oberhalb des Prestelwehrs. Das Gewässer ist von einem flächendeckenden und geschlossenen grünen Teppich – bestehend aus Wasserpflanzen Algen überzogen, der sich auf die heimische Fauna offenbar nachteilig auswirkt, berichten mehrere AnwohnerInnen. Sie höre seit Wochen kein Vogelgezwitschern mehr, erzählt beispielsweise Elke Debatin, die direkt am Kanal lebt und von Ihrem Garten aus den Saalbachkanal tagtäglich beobachtet. Trauriger Höhepunkt in den vergangenen Tagen: Der Tod von gleich fünf Schwänen im Kanal. Nachdem die Elterntiere nur noch tot aus dem Wasser geborgen werden konnten, sind nun nach ihrer Rettung auch alle drei verwaisten Jungtiere gestorben. Zuvor hatte Elke Debatin bereits verendete Nutrias, die auf dem grünen Wasser trieben beobachten können. Ob der Tod der Tiere mit dem Zustand des Gewässers in Zusammenhang steht, ist allerdings derzeit noch nicht erwiesen. Entsprechende Untersuchungen an den Kadavern laufen aktuell beim Veterinäramt Karlsruhe, bestätigt uns die Gemeindeverwaltung Graben-Neudorf.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Saalbachkanal in Graben-Neudorf in dieser Hinsicht Schlagzeilen schreibt. Bereits im Mai wurden unzählige tote Fische aus dem Gewässer geborgen, die Todesursache ist bis heute noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit einem Starkregen-Ereignis im Mai diesen Jahres, als gesichert gilt diese Erkenntnis jedoch nicht.

Auch die Hintergründe der derzeitigen Misere sind noch nicht vollständig klar. Wie uns das Regierungspräsidium auf Anfrage mitteilt, stehen die Ergebnisse der Wasseranalyse derzeit noch aus. Auch ein Zusammenhang mit dem Gerüst einer Baustelle der Deutschen Bahn über dem Kanal würde derzeit geprüft, so das Regierungspräsidium. Die Behörde stünde diesbezüglich im Austausch mit der Bahn.

Wie das Regierungspräsidium weiterhin mitteilt, wurde zwischenzeitlich auch die Möglichkeit erörtert den Wasserbewuchs mittels Mähboot zu entfernen. Nach entsprechender Rücksprache mit Experten der Fischereibehörde und der LUBW wurde davon aber wieder abgesehen, da ansonsten die Fische im Kanal erhöhter Sonneneinstrahlung ausgesetzt und damit massiv gefährdet wären. Das RP hat nun ein Fachbüro beauftragt, welches “kurzfristig eine Einschätzung der Lage abgeben und darauf basierend einen Vorschlag erstellen wird, ob und welche Maßnahmen in der derzeitigen Situation angemessen und sinnvoll sind.” Erste Ergebnisse, so wie die Analyse der entnommenen Wasserproben sollen noch im Laufe der Woche zur Verfügung stehen und ausgewertet werden.

Graben-Neudorfs Bürgermeister Christian Eheim gehen die Ursachensuche und die Maßnahmen zur Abhilfe deutlich zu langsam. Der Klimawandel setze den heimischen Gewässern immer mehr zu, so das Gemeindeoberhaupt in einem Statement. Deswegen müssten die zuständigen Behörden auch ihre Aktivitäten und Reaktionszeiten anpassen. „Den Worten müssen nun zügig Taten folgen“, kommentiert Christian Eheim das weitere Vorgehen des RP. „Die nun angekündigten Maßnahmen wie den Einsatz eines Mähbootes hätten schon längst durchgeführt werden müssen und nicht erst unter dem massiven Druck von Öffentlichkeit und Gemeinde“, so Eheim weiter.

Dass Gewässer Algen und Wasserlinsen ansetzen ist nicht weiter ungewöhnlich. Auch Elke und Werner Debatin kennen das Phänomen nach ihren Jahren am Kanal gut. “Es war immer mal wieder so, dass der Kanal Algen und Wasserpflanzen ansetzte, doch wenn das Wasser abfließen konnte, hat sich das dann immer wieder erledigt.” erzählt Elke. Doch dass der Saalbachkanal seit Monaten kaum Bewegung zeigt, sei indes schon ungewöhnlich.

Während das Thema besonders in den sozialen Netzwerken in Graben-Neudorf heiß diskutiert wird und mitunter auch schnell vermeintlich Schuldige ausgemacht wurden, darf doch das große Bild dabei nicht aus den Augen verloren werden. Schließlich ist der Saalbachkanal kein natürliches Gewässer, sondern Teil eines weitverzweigten Kanalsystems, der zwischen 1934 und 1962 errichteten Pfinz-Saalbach-Korrektion. Ziel dieser für damalige Verhältnisse beachtlichen ingenieurtechnischen Leistung, war ein verbesserter Hochwasserschutz und die Erschließung landwirtschaftlicher Flächen zwischen Karlsruhe und Philippsburg. Da sich aber die klimatischen Rahmenbedingungen in den vergangenen 100 Jahren verändert haben, insbesondere in den letzten Jahren, sollte bei einer Einschätzung der Problematik am Saalbachkanal auch das gesamte Konstrukt einer Überprüfungen unterzogen werden. Dass insbesondere das Zusammenspiel aus Niederschlägen, Grundwasserpegel und längeren Trockenperioden sowie steigenden Temperaturen eine Neubewertung das Gesamtkonstruktes erforderlich machen, dürfte daher sinnvoll sein.

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