Wer schlemmen will, muss testen

|

Owwe kummts Stäble nei, unne dunn’s Bier

Das Comeback der Kraichgauer-Gastronomen

Allmählich kehrt das Leben auf den Östringer Waldbuckel zurück. Nach acht langen Monaten nimmt der FC 1922 Östringen endlich wieder sein Training auf und die kleinen und großen Kicker strömen allmählich auf ihren geliebten Rasen am Rande der Stadt. Emsiges Treiben herrscht auch in der Vereinsgaststätte der Fußballer. Die beiden Wirtsleute Frank und Sandra, die die Gaststätte unter dem Namen Pfeffermühle bereits seit rund sieben Jahren betreiben, bereiten sich auf die Rückkehr ihre Gäste vor. Seit dem trüben Herbst des vergangenen Jahres warten sie auf diesen Moment und auf das Ende ihrer höchst unfreiwilligen Pause. Kaum eine andere Branche musste unter den Auswirkungen der Pandemie und den fast nahtlos ineinander übergehenden Lockdown-Phasen mehr leiden als die Gastronomie. Weil das Virus sich in gut gefüllten Innenräumen besonders gerne verbreitet, galten für die Restaurants, Gasthäuser und Kneipen bislang immer die schärfsten Regeln. Nachdem nun aber die Inzidenzen seit Wochen im freien Fall sind, dürfen die gebeutelten Wirtsleute seit dem vergangenen Wochenende endlich wieder das tun, was ihnen im Blut liegt: Ihre Gäste empfangen und bewirten. Frank vermutet, dass er das schon seit Wochen hätte wieder gefahrlos tun können. Seine Pfeffermühle ist derart groß, weitläufig und gut zu durchlüften, dass er hier ein gutes, funktionierendes Hygienekonzept hätte auf die Beine stellen können, ist sich der erfahrene Gastronom sicher. “Hier konnsch Purzelbäume schlagen” stellt er in seinem breiten Dielheimer Akzent fest und zeigt in die weite Leere seines Gastraumes.

der Biergarten der Pfeffermühle

Gleich an diesem Wochenende will Frank noch nicht eröffnen, zu vieles ist noch zu erledigen. Nur ned huddle, auf die paar Tage kommt es nun auch nicht mehr an. Am Donnerstag wird die Pfeffermühle stattdessen erstmals seit über einem halben Jahr wieder ihre Terrasse, ihren weitläufigen Biergarten und die große Gaststube öffnen. Bis dahin wird alles auf Vordermann gebracht, geputzt, gewischt, gestrichen, gebohnert. Ganz leicht geht den Gastronomen die Wiedereröffnung ihrer Betriebe nicht von der Hand, logistisch ist der Neustart eine echte Herausforderung. Das fängt schon bei den Grundlagen an… Die Brauereien haben teilweise nicht genügend Bier auf Vorrat… wie auch, konnten sie doch mangels Nachfrage in den vergangenen Monaten nicht auf dem gewohnten Niveau produzieren, mussten teilweise abgelaufenes Bier hektoliterweise in den Abfluss schütten. Hier hatte Frank aber Glück und konnte ausreichend Gerstensaft für das Comeback der Pfeffermühle organsieren.

Vor dem Schlemmen kommt das Testen

Türe auf, Gäste rein, Glücklich sein – wenn es doch nur so einfach wäre.. Wer in der Pfeffermühle ab Donnerstag ein Steak oder ein kühles Blondes genießen möchte, muss ein paar handfeste Voraussetzungen erfüllen. Einlass gibt es – so will es das Gesetz – nur für nachweislich genesene, seit mindestens 14 Tagen vollständig geimpfte oder eben frisch und offiziell getestete Gäste. Für die meisten Menschen läuft es auf das letztere hinaus. Die Hürde einen solchen Test am Wochenende zu ergattern ist hoch, vielen Menschen dürfte sie unter Umständen zu hoch sein. Mit der ganzen Familie in ein Testzentrum tingeln, Stäbchen rein – auch bei den Kindern, 15 Minuten warten… eine Vorstellungen die nicht viele mit Genuss und Freizeit verbinden. Aus diesem Grund war das zurückliegende Wochenende für zahlreiche Gastwirte auch nicht ganz so ertragreich, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte. Für das Comeback der Pfeffermühle kann Frank diesbezüglich aber auf einen echten Joker zurückgreifen. Der Joker hört auf den Namen Sandra, ihres Zeichens nicht nur Franks Freundin, sondern auch Inhaberin eines Pflegedienstes und der offiziellen Lizenz zum Testen. Weil Sandra die diesbezüglichen Voraussetzungen erfüllt, kann sie direkt vor dem Eingang der Pfeffermühle Schnelltests durchführen, welche dann höchst offiziell zum Besuch der Gaststätte berechtigen Ein echtes “Killer-Feature” und fast schon ein Alleinstellungsmerkmal unter den hiesigen Gastronomen.

der Gastraum der Pfeffermühle

Zwar gibt es eine ähnliche Konstellation mit dem Odenheimer Testzentrum direkt am Biergarten der Eventmühle, doch dürften sich die meisten Gastwirte im Kraichgau nach einer solchen Option alle zehn Finger lecken. Diese Tests dürften jedoch noch eine ganze Weile unabdingbar bleiben, speziell wenn Familien samt ihrer vermutlich noch längere Zeit ungeimpften Kinder essen gehen möchten. Es bleibt daher nur zu hoffen, dass die Zahlen weiter purzeln und die restlichen Beschränkungen auch irgendwann restlos entfallen können.

Stimmt etwas nicht? Haben wir einen Fehler gemacht oder etwas vergessen? Sagen sie's uns! Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten mit unserer Redaktion.Ihr Feedback zählt!

Vorheriger Beitrag

Mühlbach holt den Kuckuck – zur Not auch online

Get dirty, Baby!

Nächster Beitrag