Wenn Hilfe schnell gehen muss…

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Nach viertägiger, schlafloser Odyssee standen plötzlich 33 ukrainische Geflüchtete vor der Philippsburger Bruhrainhalle. Was dann geschah, ist außergewöhnlich.

Immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine erreichen Deutschland. Über Einhunderttausend haben auf ihrer Flucht vor dem brutalen Angriffskrieg Russlands bereits den Weg zu uns gefunden, jeden Tag kommen Tausende hinzu. Die logistische Herausforderung, all diese Menschen schnellstmöglich und gut unterzubringen, stellt die Behörden und Kommunen vor große Herausforderungen. Jedwede Hilfe ist dabei nicht nur wünschenswert, sondern auch absolut notwendig, wie diese einmalige Geschichte aus Philippsburg aufzeigt.

Vor wenigen Tagen strandeten hier 33 Menschen aus der Ukraine, die nach viertägiger Reise aus dem Kriegsgebiet, das bis dahin ihre Zuhause war, ausgehungert und übernächtigt zunächst in Speyer ankamen. Unter ihnen waren auch viele Kinder, das jüngste gerade erst 8 Monate alt. Weil aber die Aufnahmeeinrichtung in Speyer völlig überlastet war, wurden die 33 Geflüchteten schließlich von einer privaten Initiative mit dem Bus auf die andere Seite des Rheins nach Philippsburg gefahren.

Dort angekommen trafen sie auf Hilfsbereitschaft, die ihresgleichen sucht. Spontan und unbürokratisch organisierten der Philippsburger Bürgermeister Stefan Martus und sein Amtskollege Walter Heiler aus Waghäusel die Unterbringung aller Geflüchteten binnen weniger Stunden. Zuvor hatten Helfer vor Ort in einer konzertierten, nicht minder spontanen Aktion, die Bruhrainhalle provisorisch für die vorübergehende Unterbringung der Menschen vorbereitet. Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt, DRK und THW sorgten für Betten, Waschgelegenheiten, ein ausgiebiges Frühstück und die Betreuung der Kinder. Noch während die Geflüchteten sich hier stärkten und wieder zu neuen Kräften kamen, traten die beiden Rathausschefs und die vielen Helfer eine Messenger- und Telefonkette los, deren Endergebnis die vollständige Unterbringung aller Geflüchteten in privaten Haushalten war und das innerhalb weniger Stunden.

Eine schöne Geschichte, die zeigt was Menschen auf die Beine stellen können, wenn sie Hand in Hand und mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen handeln. Ob es auch in Zukunft immer gelingen kann, auf derart kurzem Wege Wohnraum für Geflüchtete zu vermitteln, lässt sich daraus freilich nicht ableiten, sicher ist aber: Je mehr Menschen aus dem Kriegsgebiet ihren Weg zu uns finden, desto herausfordernder wird die Situation für alle Beteiligten. Aus dem Beispiel Philippsburgs lässt sich aber die Hoffnung ableiten, dass wo ein Wille ist auch immer ein Weg sein wird.

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