Von Slawonien nach Huttenheim

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Mutter-Tochter-Power: Am Molzaustadion sorgen Kristina und Lorena für kroatische Gastfreundschaft

Der FC Huttenheim feiert in diesem Jahr bereits sein 100-jähriges Bestehen. Die Philippsburger Stadtteil-Fußballer gründeten sich in jenem Jahr, als der Völkerbund entstand, Berlin von einem Putsch erschüttert wurde und die Amerikaner sich mit der Prohibition ein totales Alkoholverbot auferlegten. Damals setzte man sich im Gasthaus zur Sonne, heute besser als Holzwurm bekannt zusammen und gründete den Fußballclub Edelweiss Huttenheim. 1954 wurde schließlich am Molzaustadion das Vereinsheim der Kicker erbaut, wo so einige große Spiele stattfanden und in die Historie des Clubs eingingen, beispielsweise das Gastspiel des 1. FC Kaiserslautern anno 1960 vor über 2000 Zuschauern und Gaststars wie Fritz und Ottmar Walter.

Verglichen mit dieser langen und bewegten Geschichte des FC, ist Kristina erst gefühlte fünf Minuten in Huttenheim heimisch, doch bereits jetzt will niemand von den “Hirschen” sie jemals wieder missen. 2018 übernahm die erst kurz zuvor aus Slawonien in Kroatien eingereiste Wirtin in Spe die Gaststätte und brachte frischen Wind ins Molzaustadion. Auf die Idee gebracht hatte Sie der erste Vorsitzende des FC, Klaus Baader, in dessen Nachbarschaft Kristina zog. Obwohl sie eigentlich gelernte Bürokauffrau ist und in Kroatien als Selbständige mehrere kleine Läden betrieb, wagte sie den kompletten Neuanfang und startete in Huttenheim durch. Seither kocht sie hier einen Mix aus deutscher und italíenischer Küche sowie Spezialitäten vom Balkan. Besonders letztere haben es in sich, vor allem für Fans des Deftig-Kräftigen. Cevapcici, Raznjici, Leber oder Schnitzel Dubrovnik – für passionierte Carnivoren ist die Gaststätte am Molzaustadion ein echter Geheimtipp. Echte Renner bei den Fußballern, erzählt uns Kristina lachend, sind der FC Teller und der Huttemer Teller, die mit nicht weniger als drei bis vier Sorten verschiedenen Fleisches auf den Tisch kommen. Für den Sommer gibt es selbstredend auch leichtere Alternativen, wie mehrere große Salatschüsseln oder dünne Pfannkuchen.

Da das Auge bekanntlich immer mit isst, muss an dieser Stelle Kristinas Präsentation der Speisen hervorgehoben werden. Die Teller kommen liebevoll angerichtet auf den Tisch, dazu gibt es auf einem kleinen Brett serviert, drei Schüsselchen mit Ajvar, einem Quark Dip und frisch gehackten Zwiebeln. Nach dem Essen landet dann zuverlässig noch ein Slivovica oder ein Pelinkovac aufs Haus auf dem Tisch und – wenn dafür gerade Zeit ist – Kristina auf einen kurzen Plausch auf dem Stuhl daneben.

Ihre Rolle als Gastgeberin gefällt der Enddreißigerin ausnehmend gut. Besonders die Jungs vom FC Huttenheim möchte sie nicht mehr missen. “Wir sind wie eine große Familie” erzählt uns Kristina mit leuchtenden Augen. “Wenn am Donnerstag die AH Mannschaft kommt, machen wir einen kroatischen Abend, das ist einfach toll. Bei den Heimspielen ist natürlich auch unser Pavillon geöffnet, das ist auch jedesmal sehr schön”

In der letzten Zeit allerdings war von der Geselligkeit am Molzaustadion nicht viel zu spüren. Durch die Corona Krise war die Gaststätte zuerst wochenlang geschlossen und dann gab es eine Weile nur Speisen zum Mitnehmen. Die Durststrecke hat ordentlich an Kristinas Reserven genagt, nun hofft sie darauf, dass sich die Dinge allmählich wieder fügen und die Gäste zurückkehren. Aufgeben aber kommt für Kristina nicht in Frage – für die kommenden Monaten haben ihre Tochter Lorena und Sie schon große Pläne. Der kleine Pavillon direkt am Spielfeldrand soll an warmen Sommerabenden zu einer Cocktailbar werden. Lorena hört sich aus diesem Grund schon seit Wochen unter den Leuten um, um herauszufinden auf welche Drinks Huttenheim besonders abfährt.

Noch ist es recht ruhig am Molzaustadion, so voll wie vor der Krise wird die große Terrasse derzeit nicht. Noch vor einigen Monaten hat Kristina auf ihren damals vier Herdplatten für rund 120 Gäste am Tag gekocht, von diesen Zahlen ist man derzeit in Huttenheim noch ein Stück entfernt. Weiter gehen wird es hier aber auf jeden Fall, die Fußballer und die Menschen im Dorf werden ihre Kristina nicht hängen lassen – da hält man es hier ganz wie das berühmte Zitat von Horst Hrubesch, dass fett an der Wand der Gaststätte prangt: „Wenn wir alle schlagen, können wir es schaffen.“ Seit 100 Jahren hält man hier bereits zusammen, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

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