Viel Glück und viel Sägen

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Gondelsheim feiert eine so urige und herzliche Kerwe, dass man sie einfach erlebt haben muss.

Eine Kirchweih – oder wie man sie bei uns nennt, „Kerwe“ – muss keine komplexe Angelegenheit sein. Meistens ist das Ganze einfach eine Ansammlung weniger Buden, in denen es etwas zu essen und zu trinken gibt, dazwischen ein paar Bierbankgarnituren, und fertig ist die wilde Sause. Die Gondelsheimer Kerwe ist allerdings mehr als nur schnödes Essi, Essi, Saufi, Saufi. Wobei … letzteres hat das Saalbachdörfchen schon am Vorabend beim großen Gondelsheimer Oktoberfest abgehakt. Man munkelt, es war ein wilder Abend, bei manchen Protagonisten schienen dessen Auswirkungen am Folgetag auch augenfällig noch etwas nachzuhallen ;-)

Familienfest trotz Nieselregen

Während der wilde Ritt am Freitagabend in erster Linie den Erwachsenen vorbehalten blieb, widmet sich die Gondelsheimer Kerwe am Samstag traditionell mehr den Familien und vor allem den Kindern. Für sie ist auf dem Rathausplatz immer ordentlich etwas geboten – das fängt an bei einer großen Hüpfburg, auf der man entsprechend gesichert bis weit hinauf in den Gondelsheimer Himmel springen kann. Ein Himmel, der sich an diesem Samstag bedauerlicherweise etwas verschlossen zeigte; das herrliche, goldene Herbstwetter meldete sich pünktlich zum Wochenende ab.

Tja, wer aber glaubt, den Gondelsheimer Nachwuchs könnten ein paar Wolken und etwas Nieselregen davon abhalten, ihre Kerwe zu feiern, der hat sich gewaltig geirrt. In Scharen kamen die Familien, um gemeinsam frische Zuckerwatte, Magenbrot und gebrannte Mandeln zu schnabulieren oder eine deftige Currywurst samt Pommes aus der kultigen Papiertüte.

Hahnenschlag und Bocksägen

Ach ja, da wäre natürlich das traditionelle Rahmenprogramm, für das die Kerwe im Gondelsheim berühmt und vielleicht auch ein bisschen berüchtigt ist. Denn es gibt zwei Angelegenheiten, über die hier am Saalbach nicht verhandelt wird – ganz oder gar nicht. Wenn Kerwe, dann aber mit allem Zipp und Zapp.

Um 17 Uhr gibt es den traditionellen Hahnenschlag. Eine Angelegenheit, die vor langer Zeit vielleicht tatsächlich einmal einen herben Hintergrund gehabt haben mag, heute aber ein harmloser Spaß besonders für die Kleinen ist. Ihre Aufgabe ist es, auf eigens dafür ausgelegten Sportschulmatten mit einem Gummiknüppel und verbundenen Augen das Hähnchen zu jagen. Das Hähnchen ist in diesem Fall einfach nur ein anamorpher Gummiball, und es reicht bereits völlig aus, ihn mit der aufblasbaren Keule nur leicht zu streichen, um einen Punktsieg davonzutragen. Wer sein Hähnchen am schnellsten erwischt hat, gewinnt. Und der Gewinn war immerhin der freie Eintritt in das Okidoki-Kinderland im benachbarten Heidelsheim.

Danach waren die Erwachsenen dran, in diesem Jahr vornehmlich Angehörige des männlichen Geschlechts. Beim Bocksägen arbeiten sich jeweils drei Mann an einem dicken Stamm ab und versuchen, diesen innerhalb kürzester Zeit einmal durchzusägen. Die Zusammenstellung der Mannschaften war in diesem Jahr allerdings etwas, sagen wir, monoton. Hätte sich zum Schluss nicht noch der Fußballverein erbarmt, wäre es quasi ein internes Kräftemessen zwischen Schützen und Feuerwehr geworden, die mit jeweils nicht weniger als drei Mannschaften an den Start gegangen wären. Eine Gaudi war es aber natürlich dennoch – ist es schließlich jedes Mal. Wenn mit reiner Muskelkraft und einer zweihändigen Säge ein schöner Teller von einem richtig dicken Baumstamm abgetrennt wird, bejubelt das halbe Dorf jene, die sich mit hochroten Köpfen daran versuchen.

Bürgermeister Markus Rupp, der an diesem Tag nicht nur den Hahnenschlag, sondern auch das Wettsägen moderierte, freut sich in jedem Fall riesig über die Gondelsheimer Kerwe, auch wenn er sie bestimmt schon viele Dutzend Male miterlebt hat. „Das ist wirklich noch ganz genauso wie früher, als ich noch jung war. Da hat sich absolut gar nichts geändert“, erzählt das Gemeindeoberhaupt selig. Recht hat er: Eine Kerwe lebt von der Tradition und nicht davon, sich ständig neu erfinden zu müssen. In unruhigen Zeiten zählt das Bewährte ohnehin doppelt und dreifach.

Lieblingsplätze und eine neue Linde

Damit wir es nicht vergessen: Während des Kerwe-Wochenendes in Gondelsheim galt es auch, die Fotoausstellung des Heimatvereins in Augenschein zu nehmen, aufgebaut im großen Ratssaal. Unter dem Motto „Gondelsheimer Lieblingsplätze“ durften eine Jury – aber auch alle anderen, die Lust hatten – über die besten Bilder abstimmen. Die Ergebnisse erwarten wir in der kommenden Woche.

Einen kleinen Wermutstropfen gilt es trotzdem noch zu erwähnen, etwas, das einfach unübersehbar war: Wo seit Jahrzehnten die alte Gondelsheimer Linde auf dem Rathausplatz gestanden hat, klafft nun eine große Lücke. Wie wir schon geschrieben haben, musste der alte Baum wegen Krankheit und Instabilität gefällt werden. Aber keine Sorge: Eine neue Linde ist bereits auf dem Weg in die Gemeinde und wird hoffentlich zur nächsten Kirchweih ihre dann schon etwas gewachsenen Äste behütend über den Köpfen der Gondelsheimer ausstrecken. Wo wir uns finden unter Linden…sie wissen schon. Tradition verpflichtet.

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