Die Aufreißer

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Dutzende Schülerinnen und Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule in Bruchsal demontieren aktuell das triste Grau ihres Schulhofs, um lebendiges Grün auf das trostlose Beton-Ödland folgen zu lassen.

Der größte grüne Farbklecks auf dem Pausenhof der Käthe-Kollwitz-Schule in Bruchsal war bislang die betagte röhrenförmige Kunstinstallation direkt vor dem Haupteingang. Drumherum? Reichlich Beton und dazwischen nur ein paar kraftlose Bäume, die ganz verloren inmitten der zweckdienlichen aschfahlen Wüste wirken.

Klar, wer sich an die Schulhöfe der eigenen Jugend zurückerinnert, wird vermutlich keine verspielten Lustgärten und Parkanlagen im Gedächtnis haben, sondern eben genau dieses Bild: Fifty Shades of Grey in der Beton-Edition. Mag zweckdienlich sein – jede Sauerei lässt sich vortrefflich einfach hinwegkärchern –, ist aber wenig lebensbejahend, bietet nichts von dem, was man Aufenthaltsqualität nennt, und wird in unseren mittlerweile zum neuen Normal mutierenden Extremsommern zu einem handfesten Problem.

Ein lebensfremder Ort

Schulleiter Hans-Peter Kußmann bringt das in guter Erinnerung an den Sommer 2026 ohne Umwege auf den Punkt: „Es war absolut nicht auszuhalten, es waren über 40 Grad um die Mittagszeit an diesem Platz, das überträgt sich auch auf das Schulgebäude. Es war ein lebensfremder, ein mehr oder weniger unbewohnbarer Platz. Kein Ort, an dem man sich aufhalten kann, an dem man sich treffen kann, an dem man sich wohlfühlt und an dem man auch atmen kann im wahrsten Sinne des Wortes.“

Biodiversität statt Beton – ein schönes Projekt mitten in Bruchsal.

Mit dieser Wahrnehmung steht der Direx mitnichten allein da – genauso haben es auch seine Schülerinnen und Schüler erlebt, die hier immerhin bis zu zehn Stunden täglich verbringen. „Ich fand es, es war viel zu heiß und einfach nicht schön anzusehen, es war sehr leblos hier“, erzählt Celine. Und auch Lena, die gerade in der warmen Herbstsonne eine Schubkarre Erde verteilt, pflichtet ihr bei: „Es stand gar nichts da, es war wirklich nur grauer Boden. An heißen Tagen war hier wirklich niemand, also egal ob in der Pause oder sonst was, weil es wirklich viel zu warm war.“

Der Pausenhof 2.0

Tja, das wird sich nun grundlegend ändern, denn die Arbeiten zur Umgestaltung des Pausenhofs der Käthe-Kollwitz-Schule in Bruchsal laufen auf Hochtouren. Auf der Mitmachbaustelle engagieren sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler – so viele ackern hier auch noch nach Schulschluss, dass man ihnen einfach Respekt zollen muss. Unter Anleitung gestalten sie die frühere Steinwüste zu einem abwechslungsreichen und naturnahen Pausenhof 2.0 um, der in vielerlei Hinsicht einzigartig ist: schattige Sitzgelegenheiten, Bäume, Büsche, lebendige Mauern, die Platz für Pflanzen und Tiere schaffen.

Schülerinnen und Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule beim Einsatz für ihren neuen Schulhof.

Das Projekt „Investition Natur“ wird von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg beziehungsweise deren Institut für Biologie durchgeführt. Das Kultusministerium fördert die Umsetzung, die Stiftung Naturschutzfonds die Begleitforschung und Öffentlichkeitsarbeit. Mehrere 10.000 Euro fließen in die Realisierung des Projekts in Bruchsal, bei dem immerhin 330 Quadratmeter versiegelte Fläche aufgebrochen und für Mensch und Natur wieder nutzbar gemacht werden. Aktiv unterstützt wird das Vorhaben vom Landkreis, der sich tatkräftig an der Finanzierung beteiligt.

Hoher Besuch

Gerade in den nun zunehmend spürbaren Ausläufern des Klimawandels – besonders die bereits erwähnten Hitzesommer haben ihre Spuren hinterlassen – sorgt dieses zwar vergleichsweise kleine und lokale Projekt aber für reichlich Aufmerksamkeit. Zum offiziellen Termin fanden sich neben mehreren Abgeordneten auch Landrat Dr. Christoph Schnaudigel sowie sogar Landesumweltministerin Thekla Walker in Bruchsal ein. Letztere ist auch Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutzfonds. Ausdrücklich alle Akteure des Tages sprachen sich vehement für die zugrunde liegenden Ziele und Bedeutung der Aktion aus: Entsiegelung asphaltierter Flächen, naturnahe Bepflanzung mit heimischen Arten und Heckenstrukturen. Das Ziel: eine Verbesserung des Mikroklimas vor Ort, eine wiederhergestellte, bessere Wasserspeicherung unter den bislang versiegelten Böden, eine Förderung der Biodiversität – und das Ganze im Zuge einer handfesten, projektbezogenen Bildungsarbeit.

Landrat Dr. Christoph Schnaudigel und Umweltministerin Thekla Walker

Dass Politik und Hochschulwesen dieses Projekt genau verfolgen, ist als durchweg positives Zeichen zu werten – schließlich werden jeden Tag in Baden-Württemberg noch riesige Flächen versiegelt, sei es durch die Erweiterung oder Schaffung von Gewerbegebieten oder Neubaugebieten, die noch viel zu oft auf der grünen Wiese entstehen. Eigentlich hat sich das Land bereits vor vielen Jahren einen Netto-Null-Flächenverbrauch zum Ziel gesetzt, doch die Umsetzung gestaltet sich hier als herausfordernd. Das räumt auch die Ministerin auf Nachfrage unserer Redaktion ein.

„Es ist ehrlich gesagt schwierig, weil ja auch immer Wohnungsbau mit im Spiel ist. Flächen werden für alles Mögliche gebraucht – gewerblich wie Wohnraum. Deshalb meinen wir: Wir müssen alles dafür tun, besser zu planen, um den Flächenverbrauch zu verringern und irgendwann ganz zu stoppen.“

Laut Thekla Walker geht es dabei auch ganz explizit um einen besseren Wasserkreislauf – bekanntlich hängt das eng mit der Versiegelung von Böden zusammen:

Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Thekla Walker

„Da müssen wir wirklich draufschauen. Mit dem Klimawandel und der Trockenheit haben wir eine neue Phase erreicht, in der manche Böden Wasser besser aufnehmen und speichern können müssen. Versiegelte Böden können das nicht. Da haben wir es mit unterschiedlichen Anforderungen an den Boden zu tun, und die müssen ausgeglichen werden. Da müssen wir besser werden – das ist mein Anliegen.“

Für Thekla Walker heißt das auch, dort wo es sinnvoll ist, müssen eben auch die Abbruchbagger ran, überbaute Böden wieder aufgebrochen werden. „..Genau, es muss auch entsiegelt werden, ganz dringend … wir müssen auch schauen, wo überall kann man Flächen aufmachen…“

Zukunft mit Herzblut

An der Käthe wird dieses Ziel schon heute, konkret jetzt, umgesetzt. Das Ergebnis ist nicht weniger als ein deutlich aufgewerteter und vor allem viel mehr liebens- und lebenswerter Schulhof, der den mehreren hundert Schülerinnen und Schülern der Käthe-Kollwitz-Schule künftig zugutekommt. Auch die Projektarbeit selbst ist dabei von unschätzbarem Wert, finden Celine und Lina. „Ich finde es sehr gut, denn es fördert die Teamarbeit und man kann viele neue Erfahrungen sammeln und auch neue Richtungen entdecken“, ist sich Celine sicher. Lina ergänzt: „Es ist auch mal was Neues … und natürlich ist es Arbeit, aber es ist einfach eine tolle Erfahrung, die man sammeln kann.“ Und auch Lena scheut sich nicht, die Arme hochzukrempeln: „Das Schaufeln ist ein bisschen anstrengend, aber es macht auf jeden Fall Spaß.“

Bleibt zu hoffen, dass dieses Modell im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht und wir überall und mit Herzblut das omnipräsente Grau mit reichlich Grün ersetzen. Allein in Bruchsal gibt es dafür augenfällig jede Menge Potential – beim steinernen „Death Valley“ des Marktplatzes mal direkt angefangen.

Nicht zuletzt ist die Aktion und ihr offensichtlich ermutigendes Ergebnis ein schöner Anstoß an alle Planerinnen und Planer, an alle Grundstückseigentümer, an alle angehenden Bauherren da draußen, sich zu überlegen, wo wirklich noch mehr Heimat unter Beton verschwinden muss – und an welcher Stelle man Natur, Erde und Leben vielleicht sogar zu einem grünen und nachhaltigen Comeback verhelfen könnte.

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